Die Zwei-Euro-Marke ist an dieser Tankstelle in Balingen am Mittwochmittag geknackt. Foto: Gern

Rund um Albstadt, Balingen und Hechingen zeigen die Preisanzeigen Literpreise von teils mehr als zwei Euro an. Das sagen Tankstellen-Betreiber.

Der Ölpreis steigt durch den Krieg im Iran deutlich: Laut ADAC kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent am Freitag noch etwa 72 US-Dollar, am Dienstag bis zu 85 US-Dollar. Deutlich teurer wurden Benzin und Diesel: Am Mittwochmorgen ermittelte der ADAC einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter Diesel, Super E10 lag in der Spitze bei 1,995 Euro je Liter.​

 

Der Grund hinter den steigenden Rohölpreisen: Der Iran blockiert die Straße von Hormus, eine der wichtigsten weltweiten Routen für den Öltransport. Der Schiffsverkehr dort ist aktuell lahmgelegt.

Je nach Tankstelle gibt es deutliche Abweichungen bei den Preisen. So ist die Lage im Zollernalbkreis:

„Der Andrang im Moment ist enorm“

Hermann Butz betreibt eine kleine Tankstelle in Unterdigisheim. Er ist grundsätzlich kein Fan von „Abzocke“, wie er die starken Preisschwankungen an einzelnen Tankstellen über den Tag verteilt nennt. „Der Andrang im Moment ist enorm. Gestern hatte ich einen Rekordumsatz. Die Leute kommen teilweise sogar mit Kanistern, die sie auffüllen.“

Butz hat schon einige Krisen mitbekommen, aber so heftig habe er es noch nicht erlebt. „Zu mir kommt der Tankwagen in der Regel zweimal in der Woche“, sagt Butz. Das reicht jetzt nicht mehr. „Diese Woche muss er auf jeden Fall dreimal herfahren.“ Seit dem Wochenende hat Butz seine Preise um rund 20 Cent erhöhen müssen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs am Mittwochmorgen liegen der Literpreis für Benzin und Diesel an seiner Tankstelle bei 1,97 Euro – also noch unter 2 Euro.

Anstieg auch in Geislingen

Das werde er so nicht halten können. „Ich habe heute Morgen schon ein Gespräch geführt, weil mir der Diesel ausgeht. Da wurde mir gesagt, dass ich zu günstig bin, und geraten, vorsichtshalber mit dem Preis hochzugehen.“ Denn auch für ihn wird der Ankauf von Sprit immer teurer. Schwankungen und Ungewissheiten gehören zu seiner Branche dazu, aber so wenig Anhaltspunkte wie aktuell habe er noch nie gehabt. „Ich habe keine Ahnung, was mich die nächste Lieferung kosten wird“, sagt Butz etwas ratlos. Er rechnet fest damit, dass die Preise weiter steigen werden. Die Sorge, dass der Sprit irgendwann ganz ausgehen könnte, hat er nicht.

Auch in Geislingen sind die Preise auf über 2 Euro pro Liter angestiegen, zumindest der Diesel lag in den Mittagsstunden wieder knapp drunter. Scheinbar dennoch zu teuer für die Geislinger, denn innerhalb von fünf Minuten sind gleich drei Autos zur Tankstelle gefahren und ohne zu tanken wieder von dannen gezogen.

Auch Heizöl betroffen

„Es ist tatsächlich ein tägliches Auf und Ab, der Markt ist schwierig. Je nach Börsenstand haben wir halbstündige Preisanpassungen“, berichtet Luca Tim Irion, Vertriebsleiter bei EnergieAktiv. „Was ich aktuell am Markt sehe, haben wir momentan aber keine Versorgungsprobleme. Ängste, was die Versorgung angeht, können wir nehmen. Das Rohöl wird zwar importiert, aber der Nahosten macht nur ein Füntel vom Import aus. Unsere Raffinerien haben auch Lagerbestände und verarbeiten das Öl weiter. Wir können unsere Produktionsstandorte mit unserem eigenen Fuhrpark anfahren.“

Wenn eine Tankstelle dennoch schließt, liege das entweder daran, dass die Preisentwicklung als „zu heiß“ empfunden werde oder dass bei der Anlieferung Probleme aufkommen. „Dass keine Ware verfügbar ist, können wir ausschließen“, so Irion. Zumindest aktuell, denn die weitere Entwicklung lasse sich nur schwer einschätzen. Man müsse in den nächsten zwei, drei Wochen den Markt beobachten.

Neben den Ölpreisen an der Tankstelle ist auch das Heizöl für die Menschen ein großes Thema. „Wir hatten am Montag eine extreme Panikkaufphase“, so der Vertriebsleiter. Demnach war der Verkauf von Heizöl am 2. März bei EnergieAktiv sechsmal höher als an einem nicht vom Markt beeinflussten Tag. Deutschlandweit wurde am Montag übrigens ein Verkauf von 40.000 Kubikliter Heizöl gemeldet.

„Hoch geht es zügig“

Drei Tankstellen gibt es in Burladingen, Trigema, Esso und Eco. „Die Lage ist momentan unüberschaubar“, sagte Erkan Nisanci, Geschäftsführer von Eco Deutschland, den wir telefonisch erreichten. Je länger der Krieg anhalte, desto drastischer würden die Preise steigen.

Doch selbst wenn es nicht zu einer vollständigen Sperrung der Hormus-Passage für den Schiffs- und Öltankerverkehr komme und der Konflikt im Nahen Osten (hoffentlich) schnell ende, werde es anschließend dauern, bis der Spritpreis wieder falle. „Hoch geht es zügig, wieder runter braucht es dann immer ziemlich lange.“

Wobei er betont, dass nicht er die Preise mache, sondern die Mineralölgesellschaften. „Und der Staat schlägt die Hälfe an Steuern mit drauf. Der profitiert von der Krise.“ Nisanci plädiert für eine Senkung der Mineralölsteuer in Krisenzeiten. „Das machen einige Länder so, etwa die Türkei. Ab einem bestimmten Limit gehen sie mit der Steuer runter, damit Benzin und Diesel für den Verbraucher bezahlbar bleiben.“