Rolf Linsenmeier (von links), Lothar Kopf, Matthias Winter, Matthias Staubach und Michael Lübke stellen die Jumping-Jet-Pläne vor. Foto: Reimer

Wie soll das Wasserspiel auf dem Talplatz aussehen? Das war die Frage, mit der sich der Gemeinderat am Dienstagabend beschäftigen sollte. Doch stattdessen entbrannte eine hitzige Debatte darüber, ob die Stadt solch einen „Luxus“ überhaupt braucht.

Zur Auswahl standen ein klassisches Wasserspiel und eine sogenannte Jumping-Jet-Anlage, bei der „kristallklare, laserartige Wasserstrahlen“ sich in weiten Bögen durch die Luft bewegen.

 

Das Wasserspiel

Kernstadtbeirat und Technik-Ausschuss waren der Empfehlung des Planungsbüros capattistaubach (Berlin) gefolgt und hatten sich für die Jumping-Jet-Anlage ausgesprochen. Für einen Preis von etwa 533 000 Euro sind diese rund 65 000 Euro teurer als die herkömmlichen Klarstrahldüsen (468 000 Euro).

Durch die niedrigeren Wartungskosten wären die Mehrausgaben allerdings nach rund neun Jahren wieder eingespart. Eine dritte Variante, die beide Anlagen miteinander kombiniert und rund 550 000 Euro kosten würde, wurde ebenfalls vorgestellt, letztlich aber schnell ausgeschlossen.

Alleinstellungsmerkmal für Oberndorf

Architekt Matthias Staubach, der zusammen mit dem Fachplaner Rolf Linsenmeier vom Büro Aqua-Technik Freiburg die Details der Jumping-Jet-Anlage erläuterte, unterstrich einen weiteren Vorteil: „Das ist ein außerordentliches Wasserspiel, das man so schnell nicht wiederfindet.“ Oberndorf hätte dadurch ein Alleinstellungsmerkmal. Mit einer herkömmlichen Anlage wäre man „nur eine Kommune von vielen“.

Die Kritik

Sabine Jaud (FWV) erinnerte sich an den Schock, als im Juli 2022 die Kosten für das geplante Wasserspiel mit 650 000 Euro angegeben wurden. Damals hatte der Rat gebeten, eine günstigere Lösung zu finden. „Aber sehr viel günstiger das jetzt nicht.“ Siegmar Wehner (FWV) äußerte weitere Kritik: „Diese Planung hat die Interessen der Anlieger auf dem Talplatz nicht berücksichtigt.“

Bürgermeister Matthias Winter verwies darauf, dass die Planung in den Grundzügen bereits im Gremium beraten wurde. Die Frage, ob die Stadt überhaupt ein Wasserspiel haben wolle oder nicht, stelle sich nicht mehr. „Über dieses Stadium sind wir hinaus.“ Das sah Wehner anders, der daraufhin eine Grundsatzdiskussion anstieß: „Ich kann mich nicht erinnern, dass der Gemeinderat gesagt hat, dass das Wasserspiel absolut notwendig ist.“

Stadtrat fühlt sich von Acker hintergangen

FWV-Fraktionskollege Dieter Rinker fühlte sich sogar hintergangen. Über die ursprünglichen Kosten in Höhe von 650 000 Euro sei das Gremium im Juli 2022 nur auf Nachfrage informiert worden. Seitdem herrschte rund um das Thema absolute Stille. Nach über einem Jahr, in dem es keine weiteren Beratungen gegeben hatte, wird der Gemeinderat nun vor eine finale Entscheidung gestellt. Er stichelte gegen Ex-Bürgermeister Hermann Acker: Die ehemalige Verwaltungsleitung habe die Entscheidung über das Wasserspiel hinausgezögert und das Gremium im Dunkeln gelassen.

„Geht‘s uns eigentlich noch gut?“ - meldete sich FWV-Stadtrat Robin Jackl zu Wort. „Bei den Haushaltsberatungen schlagen wir uns die Köpfe ein. Die Ortsteile müssen mehrere Jahre betteln, bis manche Maßnahmen umgesetzt werden. Und wir planen jetzt einen Talplatz für mehrere Millionen Euro.“ Auch er kritisierte, dass keine günstigere Variante vorgestellt wurde und zog einen Vergleich: „Uns wurden drei Mercedes präsentiert. Da muss ein Volkswagen oder ein Dacia her.“

Die Gegenstimmen

Der Gemeinderat habe bereits entschieden, dass ein Wasserspiel Teil des Talplatzes sein solle, erwiderte Winter erneut: „Wenn Sie einen Mercedes bestellen, können Sie keinen Dacia erwarten.“

Als „verwunderlich“ bezeichnete Ruth Hunds (SPD) die Diskussion. Das Thema sei in den vergangenen Jahren ausführlich beraten worden. In dieser Zeit habe es nie einen Vorstoß der Freien Wähler gegeben, die Wasserspiel-Planung zu verwerfen. Wolfgang Hauser (CDU) schloss sich ihr an. Bei den Planungen „spielte Wasser immer eine Rolle.“ Die Diskussion komme jetzt zu spät.

Bürgerbefragung lieferte ein klares Ergebnis – oder doch nicht?

Thorsten Ade (CDU), Günter Danner (SPD) und Sven Pfanzelt (Linke) erinnerten an die Online-Bürgerbefragung, bei der sich die Mehrheit der Teilnehmer für ein Wasserspiel ausgesprochen hatte. Wehner wandte ein, dass die Kosten damals noch nicht bekannt gewesen seien. „Sonst wäre die Abstimmung wohl anders ausgefallen.“

„Wir haben durch diese Befragung auch Erwartungen beim Bürger geweckt“, sagte Danner. „Wir bauen für die Zukunft. Ich will mir nicht später vorwerfen lassen, dass wir uns die Chance haben entgehen lassen, etwas besonderes zu errichten“, so Danner weiter.

Die Entscheidung

Bei der Abstimmung sprachen sich 15 Räte für das Jumping-Jet-Wasserspiel aus. Es gab fünf Gegenstimmen und eine Enthaltung. Ebenfalls wurde über die ersten beiden Bauabschnitte „Schweizermühlegässle“ und „Talplatz“ abgestimmt. Bei einer Enthaltung und drei Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich dafür aus, die Arbeiten für die Abschnitte zusammen auszuschreiben. Die Sanierung soll in 2024 und 2025 umgesetzt werden.