Seit Juli 2024 prägen Bauarbeiten den Talplatz in Oberndorf. Händler berichten von Einschränkungen und Umsatzeinbußen, die Stadt informiert nun über den aktuellen Stand.
Die Sanierung des Talplatzes in Oberndorf beschäftigt Verwaltung, Anwohner und den Handel schon seit mehr als eineinhalb Jahren. Wir haben nachgefragt, wie sich die Bauarbeiten auf die Erreichbarkeit der Geschäfte und den auf den Alltag der Anwohner auswirkt.
Im Mai 2025 war der Talplatz aufgrund der Sanierungsarbeiten sogar vollständig gesperrt. Im Sommer folgte die nächste Sperrung, der Verkehr wurde weiträumig umgeleitet. Zu dieser Zeit wurden in der Sulzbachstraße Kanal und Wasserleitungen erneuert. Gleichzeitig wurden in der Talstraße unter anderem Glasfaser-, Strom- und Fernwärmeleitungen sowie ein Teilstück der Wasserleitung neu verlegt.
Im November dann ein Schock: Rund 40 Haushalte in der Sulzbachstraße, dem Langen Weg und am Talplatz hatten kein Wasser mehr. Grund hierfür waren eingefrorene Wasserleitungen.
Beim Spatenstich hatte Bürgermeister Winter erklärt, mit der Aufteilung der Talplatzsanierung in mehrere Bauabschnitte wolle man Rücksicht auf die Anlieger nehmen, insbesondere auf das Modehaus Hoffmeyer. Ist das gelungen?
Felix Wehner, Geschäftsführer und Inhaber des Modegeschäfts Hoffmeyer, berichtet nun auf Anfrage unserer Redaktion, wie er die vergangenen Monate erlebt hat. „Rückblickend hat das leider nur semi-gut funktioniert. Besonders im ersten Jahr war die Erreichbarkeit eine enorme Hürde, und auch heute bleibt es schwierig.“
Positiv hebt er die Zusammenarbeit mit der Stadt hervor: „Wir haben gemeinsam mit der Stadt und insbesondere dem Bauträger immer wieder nach Lösungen gesucht. Dass nun ein Teilabschnitt direkt an unserem Haus fertiggestellt wurde und der Zugang über den Parkplatz des ehemaligen Brauerei-Areals möglich ist, hat die Situation für unsere Kunden spürbar erleichtert.“
Gemischte Rückmeldungen
Die Rückmeldungen der Kundschaft seien sehr gemischt: „Natürlich ist der Unmut über die Baustelle und vor allem über die lange Dauer groß – das geht uns nicht anders. Gleichzeitig erfahren wir aber viel Zuspruch von unseren Stammkunden, die uns motivieren, weiterhin durchzuhalten.“
Wirtschaftlich seien die Auswirkungen aber deutlich spürbar: „Die Auswirkungen sind massiv und lassen sich direkt an einer gesunkenen Kundenfrequenz sowie entsprechenden Umsatzeinbußen messen. Ein großes Problem ist die mangelnde Planungssicherheit: Es gibt keinen aktuell gültigen Bauzeitenplan. Laut ursprünglicher Planung sollte der Talplatz längst gepflastert sein. Dass ein Ende des Projekts immer noch nicht in Sicht ist, wird für uns zur existenziellen Herausforderung und Belastung.“
Die Sicht der Stadt Oberndorf
Wie die Stadt die aktuelle Lage einschätzt, erläutert Jasmin Rapp, Pressesprecherin der Stadt Oberndorf, auf Anfrage unserer Redaktion. „Nach der Winterpause wurden die Arbeiten planmäßig wieder aufgenommen. Derzeit erfolgt die restliche Verlegung der Fernwärmeleitung sowie der zugehörigen Leerrohre.“ Parallel dazu würden im Schweizermühlengässle Arbeiten zur Natursteinverblendung der Betonwände beginnen.
Vor Ort prägt der laufende Baubetrieb weiterhin das Bild. Entsprechend kommt es zu Baustellenverkehr, Materiallagerungen sowie veränderten Wegeführungen. „Die Verkehrsführung wird entsprechend dem jeweiligen Baufortschritt angepasst. Die Umleitungen sind ausgeschildert. Ziel ist es, die Erreichbarkeit für Anwohner, den Einzelhandel sowie den Lieferverkehr weiterhin zu gewährleisten.“
Rückmeldungen zur Situation auf der Baustelle gebe es regelmäßig aus der Bürgerschaft. „Die Bauarbeiten bringen unvermeidbare Lärm- und Schmutzemissionen mit sich. Für die unmittelbar betroffenen Anwohner stellt dies eine spürbare Belastung dar. Die Stadt ist sich dieser Situation bewusst und bittet um Verständnis für die temporären Einschränkungen, die mit einer langfristigen infrastrukturellen und gestalterischen Aufwertung des Bereichs verbunden sind“, erklärt Rapp.
Schotterparkplatz bleibt vorerst
Zum Schotterparkplatz am Brauereiareal äußert sich die Pressesprecherin ebenfalls. Dieser werde gut angenommen. „Unabhängig vom Baufortschritt am Talplatz gilt: Solange das Areal nicht bebaut wird, bleiben die Parkflächen bestehen – auch nach Fertigstellung des Talplatzes.“
Langfristiges Ziel der Stadt sei jedoch eine qualitätvolle Bebauung des Brauereiareals. Aufgrund der exponierten Lage verfolge man dabei den Grundsatz „Qualität vor Schnelligkeit“. Eine dauerhafte Nutzung des Areals als Parkplatz ist daher nicht vorgesehen.