Bischof Klaus Krämer, hier im Gespräch mit seinem früheren Kompaniechef Peter Unbehend, setzt sich das Barett auf. Foto: Steinmetz

Im voll besetzten Waldhorn-Kino lernten die Besucher den Rottenburger Bischof von einer ganz anderen, auch privaten Seite kennen.

Moderator Ottmar Schneck, Stiftungsratsvorsitzender der Bürgerstiftung Rottenburg, hatte Klaus Krämer zum Talk gebeten.

 

Schneck hatte sich auf diesen Abend gut vorbereitet, viel recherchiert, auch Überraschungsgäste eingeladen. „Wir werden nichts Kirchenpolitisches diskutieren“, versprach er, und hielt sich weitgehend daran.

Auf die Papstwahl musste Schneck allerdings eingehen. Bischof Klaus Krämer, der durch seine weltkirchliche Tätigkeit sehr viele Kardinäle kennt, war während des Konklave ZDF-Experte. Wie ist es dazu gekommen? „Ich bin hartnäckig gefragt worden und habe mich weichklopfen lassen. Ich konnte das ZDF nicht gut abwimmeln“ – so sei er nach Rom geflogen. Dass der US-amerikanische Kardinal Peter Francis Prevost zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt wurde, war für den Rottenburger Bischof keine Überraschung: „Ich hatte ihn auf dem Zettel.“

Papst Leo habe seinem Vorgänger nahegestanden

Ausschlaggebend sei gewesen, dass der neue Papst Leo XIV. seinem Vorgänger nahe gestanden habe, sowohl Nord- als auch Südamerika kenne und in Europa verwurzelt sei. Dadurch habe er gute Voraussetzungen für das Amt mitgebracht und dem Wunsch entsprochen, nach einem charismatischen Papst die Kirche wieder in geordnete Bahnen zu bringen. „Leo XIV. geht mit Sachverstand an die Dinge heran“, ergänzte er. „So wie Sie?“, spekulierte Ottmar Schneck bereits damit, dass Klaus Krämer auch mal ins Konklave einziehen könnte – „wir haben Sie auf dem Zettel“.

Der Freudenstädter Stadtpfarrer Anton Bock erzählt über die Studienzeit im Wilhelmsstift. Foto: Steinmetz

Krämers Eltern waren aus beruflichen Gründen von Köln nach Stuttgart gezogen. Er war Ministrant und dann auch „Chef der Sternsinger“. Das war das Stichwort für die erste Überraschung. Die Sternsinger der Domsingschule zogen ins Kino ein und forderten ihren Bischof zum Mitsingen auf. Perfekt sang er vom Notenblatt im Bass die mehrstimmig vorgetragenen Lieder mit.

Erinnerungen an die Schulzeit in Winnenden: Moderator Ottmar Schneck (rechts) hat als Überraschungsgast Krämers Geschichtslehrerin zum Talk eingeladen. Foto: Steinmetz

15 Punkte hatte er in Geschichte

Das Abitur absolvierte er in Winnenden. Dass er ein sehr guter Schüler war, bestätigte seine frühere Geschichtslehrerin Helmtraut Hoidn. Bei ihr erhielt er 15 Punkte im Zeugnis. Er sei auch immer ein guter Zuhörer gewesen.

Aufs Abitur folgte der Wehrdienst, das war in der Zeit des Kalten Krieges, als der Weltfrieden auf der Kippe stand. Warum habe er nicht verweigert? „Ich war überzeugt, dass man die Freiheit verteidigen muss, damit es nicht zum Krieg kommen darf“, erklärte Krämer seine damalige Haltung. Daran hat sich nichts geändert. So sprach er sich auch jetzt dafür aus, dass „wir aufrüsten müssen, um den Frieden zu sichern“. Die Entscheidung, die Wehrpflicht abzuschaffen, habe er nicht verstanden, sie wieder einzuführen werde aber schwierig sein.

Bischof Klaus Krämer singt mit den Sternsingern. Foto: Steinmetz

Seine Tätigkeit bei der Bundeswehr

Bei der Bundeswehr war er Funker. Was er zu tun hatte, nämlich verschlüsselte Schreibfunkverbindungen herzustellen, erzählte der dritte Überraschungsgast Peter Unbehend, Krämers damaliger Kompaniechef der Funkereinheit in Dillingen. Der frühere Offizier hatte ein Geschenk mitgebracht – ein rotes Barett, verbunden mit der Aufgabe, die militärische Kopfbedeckung korrekt aufzusetzen. Kein Problem für den Bischof.

Krämer stellte sein organisatorisches Talent als Theologiestudent im Wilhelmsstift unter Beweis. Dort übernahm er aber auch Verantwortung. „Er war unser Kurssprecher. Wir wussten, mit ihm blamieren wir uns nicht“, berichtete Weihekurskollege Anton Bock, Stadtpfarrer und Dekan in Freudenstadt.

Der Bischof privat

Bischofsweihe
Die Bischofsweihe fand am 1. Dezember 2024 im Rottenburger Dom statt. Wie war es, 15 Minuten auf dem kalten Marmor zu liegen? „Es gibt keine Fußbodenheizung, der Boden ist kühl und hart – der Vorgeschmack, was einem blüht“, schilderte der Bischof. Die Zuhörer erfuhren, dass er gern international, unter anderem indisch kocht, regelmäßig 30 Minuten joggt und sich hinterher „wie neugeboren fühlt“, seine Bücher ohne KI – also selber – schreibt, als Vikar in Rottweil gerne eine Fasnetspredigt gehalten hätte, aber vorher abberufen worden war, und vier Fremdsprachen spricht. Auf Italienisch gab er eine Kostprobe.

Geschenk für den Bischof
Ottmar Schneck überreichte dem Bischof als Geschenk ein Sitzkissen mit Rottenburg-Logo gegen kalte Marmorböden – und auch als symbolisches Zeichen dafür, dass der Bischofssitz nach Rottenburg (nicht Stuttgart) gehöre.