Seinen etatmäßigen Sachstandsbericht zur Talgangbahn hat Panagiotis Ouzounidis, Projektleiter der SWEG Schienenwege GmbH, im Albstädter Gemeinderat erstattet.
Während Albstadts öffentliche Debatte über Sinn und Unsinn einer Reaktivierung der Talgangbahn auf mal kleiner, mal größerer Flamme weiterköchelt, kommt die SWEG Schienenwege GmbH mit ihrer Arbeit Schritt für Schritt voran. Die Sonderbegutachtung der Ingenieurbauwerke hat stattgefunden; es steht fest, dass nur die konstruktiven Bauteile der alten Talgangbahn saniert, die sogenannten „liegenden“, also die Schienen, hingegen komplett entfernt und erneuert werden sollen.
Auch die Baugrunderkundung ist im Gange; sie soll im April 2026 abgeschlossen sein. Die Gründungen der Eisenbahnüberführungen werden im kommenden Jahr untersucht; parallel dazu läuft die Streckenvermessung. Zur Grenzfeststellung der Bahnübergänge liegen mittlerweile erste Ergebnisse vor; Bahnhöfe und Streckenabschnitte kommen im nächsten Jahr an die Reihe; der Startschuss fällt im Februar. Ein Gutachten in Sachen Lärm und Erschütterung wird auf der Grundlage der aktualisierten Vorplanung erstellt; die Ausschreibung läuft bereits.
Zu den Bahnübergängen musste auch das Urteil der Albstädter Feuerwehr eingeholt werden; die Ortsbegehung mit ihren Vertretern hat am 10. November stattgefunden – laut Ouzounidis gab es Anmerkungen zu drei kritischen Punkten; sie sollen in der Planung berücksichtigt werden.
Der Strom wird von Ebingen her eingespeist
Eine weitere Begehung ging am 19. November über die Bühne, diesmal mit der Landeseisenbahnaufsicht. Diese, so Ouzounidis, habe die vorgestellten Lösungsansätze grundsätzlich gutgeheißen. Die Stromeinspeisung für die Oberleitung soll vom Bahnhof Ebingen aus erfolgen.
Die sichtbarsten Maßnahmen an der Bahnstrecke sind derzeit die forst- und gartenbaulichen: Die Lautlinger Firma Bioenergie schneidet derzeit im Abstand von 2,50 Metern die Strecke frei – ausschließlich auf Flurstücken der Bahnstrecke und mit Augenmaß, wie Panagiotis Ouzounidis versichert. Die Vegetation an der Bahnstrecke ist über Jahre sich selbst überlassen worden; Gegner des Bahnreaktivierung versichern, sie sei artenreich und schützenswert. Die SWEG hat im dritten Quartal 2025 Umweltkartierungen vornehmen lassen, deren Ergebnisse Anfang 2026 vorliegen sollen. Sie will laut eigener Aussage die Zahl der zu fällenden Bäume so niedrig wie möglich halten und im Zweifelsfall Bäume stehen lassen. Besonders die Altbäume will man schonen, wo immer es geht.
Theoretisch könnte 2028 gebaut werden
Die Stadträte nahmen die Details zur Kenntnis, interessierten sich aber offenkundig mehr für das große Ganze. Den Zeitrahmen zum Beispiel: Wann sollen die Planungsunterlagen bei Regierungspräsidium eingereicht werden, wollte Matthias Brauchle von den Freien Wählern wissen? Ende 2026. Wann könnten die Bauarbeiten theoretisch beginnen? Laut Ouzounidis 2028 – vorausgesetzt, das Geld ist da und niemand klagt, was eher unwahrscheinlich sein dürfte. Und wann wird die Bahn den Betrieb aufnehmen? 2034, zeitgleich mit der Zollernbahn.
Wie lange lässt die Zollernbahn auf sich warten?
So mancher Gemeinderat kann sich das nicht so recht vorstellen – die Skepsis ist groß, speziell im Hinblick auf die Zollernbahn. Uli Metzger von den Freien Wählern skizzierte das Horrorszenario eines mehrjährigen Schienenersatzverkehrs zwischen Albstadt und Tübingen: „Ich bin für die Talgangbahn, jeder weiß es – aber dafür brauchen wir sie nicht.“ Und Matthias Strähler von der CDU ergänzte: „Wenn die wichtigste Engstelle die Deutsche Bahn ist, dann haben wir ein echtes Problem – siehe Stuttgart 21!“ Panagiotis Ouzounidis widersprach ihm nicht. „Ich war auch mal dort“, feixte er. „Seit ich weg bin, geht’s bergab.“