Erfolgreich in Mainz: Trainer Bo Svensson Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Fast alle Fußballlehrer aus der Leipziger und Salzburger Schule haben später Erfolg.

Stuttgart - Bei Mainz 05 können sie fast den Sekt kaltstellen. Innerhalb weniger Wochen hat Trainer Bo Svensson den Bundesligisten aus der Abstiegszone geführt, der direkte Weg in die zweite Liga ist nicht mehr möglich und der Klassenverbleib Formsache. Es wundert wenig, dass Svensson aus der Trainerschmiede des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull kommt. Dort werden in Leipzig und Salzburg seit vielen Jahren hervorragende Coaches ausgebildet.

 

In der Bundesliga tummeln sich zahlreiche Fußballlehrer mit RB-Stallgeruch. Marco Rose, der nächste Saison Borussia Dortmund trainiert, war Jugend- und Cheftrainer bei RB Salzburg. Der künftige RB-Leipzig-Coach Jesse Marsch lernte bei RB Yew York sowie RB Salzburg und war dazu noch Co-Trainer in Leipzig. Der Bielefelder Trainer Frank Kramer war als Leiter der Nachwuchsabteilung in Salzburg beschäftigt. Nicht zu vergessen ist der Mainzer Trainer Bo Svensson, der Chef des RB-Farmteams FC Liefering war. Sind das alle? Nein. Ob Hoffenheims Sebastian Hoeneß, der Noch-Frankfurter Adi Hütter oder der inzwischen sehr gefragte Wolfsburger Coach Oliver Glasner – sie alle haben bei RB gelernt.

Fast die halbe Liga

Fast die halbe Bundesliga wird von Übungsleitern mit dem Gütesiegel „RB“ trainiert. „Wir haben nicht nur Spieler entwickelt in den letzten Jahren, sondern auch jede Menge Trainer“, sagte Ralf Rangnick im „Doppelpass“. Fast leise und bescheiden führt er weiter aus, dass der Ruf offenbar nicht der schlechteste ist: „Wenn ein Trainer mal zwei, drei Jahre bei uns gearbeitet hat, ist das ein Qualitätsmerkmal für andere Vereine, sonst würden sie sich nicht so sehr um unsere Trainer bemühen.“

Im Prinzip ist es so: Ralf Rangnick selbst erschuf die Red-Bull-Trainerschule, er ist der Spiritus Rector, also der Kopf und die treibende Kraft der Bewegung. Der 62 Jahre alte gebürtige Backnanger, dessen Trainerkarriere bei den Amateuren des VfB Stuttgart begann, hat stets seine Meinung vom perfekten Coaching gehabt und diese Philosophie als RB-Sportdirektor weitergegeben.

Pressing gegen den Ball

Dabei wird auf dem Platz gespielt, wie der Trainerausbilder Rangnick es seinen Leuten stets vermittelt hat. Das Pressing gegen den Ball und – bei Balleroberung – das unverzügliche, vertikale Spiel in die Spitze, darum geht es. Es ist aber nicht so, dass Trainer außerhalb der RB-Schule nicht offen wären für neue Impulse. Helmut Groß erinnert sich an ein Testspiel von RB Salzburg gegen den FC Bayern München. Die Bayern verloren sang- und klanglos mit 0:3, und der damalige Bayern-Chefcoach Pep Guardiola gab seinem Kollegen Roger Schmidt danach die Hand und sagte: „Dankeschön für die Lektion.“ Jener Roger Schmidt ging danach zu Bayer Leverkusen und ist inzwischen erfolgreich beim niederländischen Spitzenclub PSV Eindhoven tätig. Wenn Groß spontan drei Trainer aus der RB-Schule besonders hervorheben müsste, dann ist das neben Ex-VfB-Profi Matthias Jaissle (künftig Red Bull Salzburg) und Oliver Glasner eben jener Roger Schmidt: „Er hat nach schwierigem Start die krasseste Entwicklung genommen und in Eigenverantwortung die RB-Philosophie fantastisch weiterentwickelt“, sagt der langjährige Weggefährte von Taktikfuchs Ralf Rangnick.

Leidenschaft und Mentalität

Woran liegt es nun, dass derzeit so viele Trainer aus der RB-Schule einen erfolgreichen Weg im Spitzenfußball gehen? „Wir haben, ähnlich wie bei den Spielern, auch die Trainer immer ganz gezielt und sorgfältig ausgewählt“, sagt Groß. Aspekte wie Leidenschaft und Mentalität sind dabei entscheidend. Einem Coach bei RB müsse überdies klar sein, dass man ein Spiel auch kontrollieren kann, wenn der Gegner den Ball hat. Konkret: Wenn man dem Gegner das Spielgerät wegnimmt, kann man mit Tempo und Überzahlspiel am besten Torchancen herausspielen. Genau das habe der europäische Spitzenfußball längst registriert und die Anregungen aus der RB-Schule in die eigene Arbeit einfließen lassen. Neben Guardiola habe auch Jürgen Klopp (FC Liverpool) wesentliche Elemente übernommen – was RB freut und weiterbringt: „Bei Leuten, die der eigenen Schule skeptisch gegenüber stehen, steigt das Vertrauen erst, wenn es andere erfolgreich praktizieren“, hat der 74-jährige Geislinger festgestellt.

Weiterbildung ist wichtig

Neben dem Scouting der Trainertalente streicht Groß noch etwas heraus: die Weiterbildung. Einmal pro Monat hat Groß die Trainer in Leipzig und Salzburg geschult, teilweise bis hinunter zur U 12. Hinzu kommen einmal pro Woche interne Schulungen durch die Akademieleiter. In vielen anderen Proficlubs sei das in dieser Regelmäßigkeit nicht der Fall. „Oft führt das ein neuer Sportdirektor ein, und es schläft nach einiger Zeit ein“, sagt Groß.