Die Junior-Cup-Sieger des VfB Stuttgart von 2007. Foto: Baumann/Baumann

Zum ersten Mal nach 2007 haben die A-Junioren des VfB Stuttgart den Junior-Cup in Sindelfingen gewonnen. Was heißt das für die weiteren Karrieren der Turniersieger? Wir blicken zurück – und nach vorn.

Der Pokal war seinerzeit eine Glaskugel, überreicht wurde sie vom ehemaligen VfB-Trainer Arie Haan, der Titelsponsor nannte sich noch DaimlerChrysler – und wer in die Gesichter des Siegerfotos von 2007 schaut, bemerkt sowieso schnell: Der bislang letzte Triumph des VfB Stuttgart beim Junior-Cup war lange her. Tatsächlich: Bevor die A-Junioren des VfB am vergangenen Sonntag den Titel beim Hallenturnier in Sindelfingen holten, datierte der letzte Finalerfolg aus dem Jahr 2007. „Wir freuen uns riesig, das Ding nach 17 Jahren wieder gewonnen zu haben“, jubelte Nico Willig, der Nachwuchscoach des VfB, „ich ziehe den Hut vor der Leistung der Mannschaft.“

 

Der Rekordsieger des renommierten Nachwuchsturniers hat seine Bilanz also auf sechs Erfolge ausgebaut. Weil das Turnier im Glaspalast aber auch immer als internationale Talentschau mit dem verheißungsvollen Blick in die Zukunft gilt, lohnt es sich, auf mehr zu schauen als auf die Siegerliste. Was ist so ein Erfolg beim Junior-Cup für Spieler und Verein wert?

Der Blick zurück ist da durchaus aufschlussreich. Im VfB-Team, das 2007 den Titel gewonnen hat, standen einige bekannte Namen – und Hansi Kleitsch hat kein Problem, sie auf dem Siegerfoto alle zu erkennen. Der heute 72-Jährige war damals der Trainer der A-Junioren des VfB – und erinnert sich: „Wir hatten damals eine gut gemischte Mannschaft im Glaspalast.“ In der viele, die später als Profi eine starke Karriere hingelegt haben, jedoch fehlten.

Lediglich zwölf Spieler aus dem A-Jugend-Kader der Saison 2006/2007 spielten beim Junior-Cup. Nicht mit dabei waren etwa der Torhüter Sven Ulreich, Daniel Didavi oder Sebastian Rudy, der damals schon bei den Profis mittrainieren durfte. Am Ball dagegen waren Manuel Fischer, Tobias Feisthammel, Shaban Ismaili, Matthias Jaissle oder Frank Lehmann. Sie alle wurden Fußballprofi, spielten im Laufe ihrer Karriere aber nicht (oder nur kurz) auf allerhöchstem Niveau.

Keine ganz große Karrieren der 2007er-Sieger

Jaissle, zum Beispiel, wurde bei der TSG Hoffenheim Bundesligaspieler, musste wegen einer Verletzung seine Karriere aber früh beenden. Heute ist er hoch bezahlter Trainer in Saudi-Arabien. Fischer kam beim VfB zu Erstligaeinsätzen, spielte später auch für die Kickers – wie Tobias Feisthammel, der zuvor 76 Zweitligaspiele für Alemannia Aachen bestritt. Lehmann ist als Ersatzkeeper in der vergangenen Saison mit der SV Elversberg in die zweite Liga aufgestiegen.

Andere, wie Oskar Schmiedel, David Kienast, Andreas Grimmer oder Sebastian Enderle, haben eine Laufbahn im Top-Amateurbereich hingelegt (zudem im Siegerteam: Anton Pelipetz, Florian Rechner, Burhan Degirmenci und Mario Hohn). Was bedeutet: Zwar hat der Junior-Cup schon weit über 100 spätere Nationalspieler aus fast 50 Nationen gesehen, eine Garantie auf eine erfolgreiche Profikarriere ist ein Erfolg in Sindelfingen allerdings nicht.

„Der Junior-Cup ist ein absolut interessanter Bestandteil der Zeit bei den A-Junioren“, sagt Hansi Kleitsch, „man darf das aber auch nicht überbewerten.“ Umso spannender ist der Blick auf die Perspektiven des aktuellen Siegerteams des VfB Stuttgart.

Die aktuelle Siegermannschaft wartet, anders als so mancher Jahrgang der jüngeren Vergangenheit, nicht mit den ganz großen Namen auf, denen man eine verheißungsvolle Zukunft attestiert. Timo Ulpins etwa, immerhin zum besten Torhüter des Turniers ausgezeichnet, gehört national auf dem großen Feld nicht zu den Top-Spielern seines Jahrgangs auf seiner Position. Auch Julian Lüers, Tom Barth, Eliot Bujupi, Rawley St. John, Luca Battista und Dimitrios Mitakidis kommen zwar auf das eine oder andere Junioren-Länderspiel, haben aber nicht den Ruf, Ausnahmetalente zu sein – wie es Lilian Egloff beispielsweise einst nachgesagt wurde. Die ganz große Karriere wird ihnen bisher nicht prophezeit.

Anders ist das dagegen bei Jarzinho Malanga und Benjamin Boakye. Beide sollten eigentlich die Unterschiedsspieler im Kader von Nico Willig sein und wurden auch schon mit langfristigen Verträgen mitsamt der Perspektive Profikader ausgestattet. Beim Junior-Cup blieben sie allerdings eher blass.

Was aus all den Siegertypen vom vergangenen Wochenende mal wird in fußballerischer Hinsicht? Ist wie immer in dieser Altersklasse noch schwer zu sagen, eine punktgenaue Prognose seriös kaum möglich. Was die A-Junioren des VfB am Wochenende aber belegt haben: Harte Arbeit schlägt Talent – wenn das Talent nicht hart arbeitet. Die Stuttgarter A-Junioren waren in beim Junior-Cup 2024 sicher nicht die Mannschaft mit der höchsten individuellen Klasse, gewannen aber das Turnier, weil sie am besten gemeinsam funktionierten und ihre Spiele auch über die Mentalität gewannen. Im Finale hieß es 1:0 gegen den 1. FC Union Berlin.

Und 2007? Da besiegte das VfB-Team von Hansi Kleitsch („Ich habe das Hallenturnier auch immer als Taktikschulung genutzt“) mit 3:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern.