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Tagblattturm in Stuttgart Mit neuen Fenstern auf alt gemacht

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Viel Arbeit für Fensterbauer: Der Tagblattturm wird von Sommer an saniert. Foto: Leif Piechowski

Bis Jahresende werden im 61 Meter hohen Tagblattturm und seinen Sockelbauten über 370 Fenster ausgetauscht. Das geht ins Geld. Damit die Stadt Stuttgart trotzdem die bestmöglichen Fenster für dieses hochkarätige Denkmal einbaut, schießen Förderer 650.000 Euro bei.

Stuttgart - Einen Scheck oder eine Förderzusage über 100.000 Euro nimmt auch Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) selten entgegen. Am Montag bekam er symbolisch einen zugesteckt. Das Geld kommt von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die von der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg pro Jahr fast eine Million Euro erhält. Und die bekommt dieses Geld – und noch viel mehr – von den Teilnehmern der Glücksspirale.

Die 100.000 Euro sind Teil der rund 650.000 Euro, die die Stadt an Fördermitteln für die Fenstersanierung im Tagblattturm-Areal erwarten darf. Vom Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft kommen 200.000 Euro, aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes für Sanierungen fließen bis zu 350.000 Euro.

Die Spender fördern den denkmalschützerischen Mehraufwand, der über die normalen Kosten der Gebäudesanierung hinaus entsteht. Für den normalen Aufwand hat der Gemeinderat Geld bereitgestellt. Die Gesamtkosten der Sanierung werden 3,5 Millionen Euro betragen.

Warnung vor einer Amerikanisierung und „Babylonisierung“

Der große Einsatz gilt nicht irgendeinem Gebäude, sondern „einem Stuttgarter Wahrzeichen und einer Ikone der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts“, wie Föll sagte. Immerhin war der von 1924 bis 1928 nach Plänen von Ernst Otto Oßwald erbaute Tagblattturm das erste Stuttgarter Hochhaus, das erste Stahlbeton-Hochhaus Deutschlands und das erste Sichtbeton-Hochhaus der Welt. Es waren goldene Zeiten der modernen Architektur in Stuttgart. Denn ein paar Wochen vor dem Taglattturm war, nur einen Steinwurf entfernt, das im modernen Bauhausstil gebaute Kaufhaus Schocken eröffnet worden. 1960 machten die Stuttgarter es in ihrer Neubaumanie leider nieder. Zudem war 1927 die Weißenhofsiedlung entstanden, die ebenfalls das neue Bauen vorexerzierte.

Mit diesem Hochhaus für das Stuttgarter Neue Tagblatt sei ein Denkmal für die freie Presse und ein Symbol des architektonischen und gesellschaftlichen Aufbruchs in den 20er Jahren entstanden, sagte Angelika Reiff vom Landesamt für Denkmalpflege. Allerdings hätten manche vor einer Amerikanisierung und einer „Babylonisierung“ gewarnt, merkte der Vorstandsvorsitzende der Denkmalstiftung, Rainer Prewo, an.

An früheren Grauton der Fensterrahmen anknüpfen

Was hat der Tagblattturm dann nicht alles erlebt! Nach dem Tagblatt residierte dort seine Nachfahrin, die Stuttgarter Zeitung. 1970 sei leider Europas höchster Paternoster zugunsten eines Aufzugs beseitigt worden, sagte Prewo. Ein paar Jahre später verabschiedete sich auch die Stuttgarter Zeitung von hier. 1979 kaufte die Stadt das Areal von der Württembergischen Zeitungs- GmbH für rund 26 Millionen DM (etwa 13,3 Millionen Euro). Seither sind dort zahlreiche städtische Dienststellen, aber auch einige Mieter und in den Sockelbauten auch Theater untergebracht. Die Stadt tauschte umgehend die Fenster aus. Dabei, räumte Föll ein, sparte sie. Statt der alten Fenster mit vertikal verschiebbaren Elementen kamen Dreh- und Schwingflügelfenster zum Einsatz.

Diesmal aber wird die Gelegenheit genutzt, moderne Fenster einzubauen, dem Ursprungskonzept aber besser zu entsprechen. Abgesehen von einer Handvoll originaler Metallfenster in der ersten Etage, werden die 239 Fenster im eigentlichen Turm erneuert und wieder zum Schieben sein. Außerdem, sagte Angelika Reiff, wolle man beim Turm an den früheren Grauton der Fensterrahmen anknüpfen. Für die 139 Fenster in den Sockelbauten wird das nicht in gleichem Maß durchexerziert.

Da Schiebefenster in Deutschland heute kaum mehr erhältlich und überdies sehr teuer sind, haben ein Architekturbüro und die Holzmanufaktur Rottweil für den Tagblattturm einen neuen Fenstertyp entwickelt. In Kürze wird der Bau ausgeschrieben. Damit knüpfe man auch wieder an frühere architektonische Standards und handwerkliche Techniken an, freuen sich die Beteiligten.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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