Vor dem Tunnel in Althengstett ist noch einiges zu tun – hier entsteht aktuell eine Einhausung, also eine Art Tunnel vor dem Tunnel. Foto: Thomas Fritsch

Drei große Baustellen sind noch zu bewältigen, bis die Hesse-Bahn fährt. Zwei davon werden seit Juli bewacht. Der Grund: ungebetene Gäste. Und ein Versuch, der nicht scheitern durfte.

Gut vier Wochen noch, dann soll alles fertig sein. Der Endspurt an der Strecke der Hesse-Bahn läuft. Die letzte Gleis-Lücke, die im Hau zwischen Heumaden und der Kaserne des Kommandos Spezialkräfte klafft, wird geschlossen. Die letzten Arbeiten an und vor den Tunneln bei Althengstett und Hirsau sind im Gange.

 

Eigentlich steht auf den letzten Metern vor der ersten offiziellen Fahrt Ende Januar nichts mehr im Weg. „Unsere Auftragnehmer geben echt alles“, erklärte erst vor Kurzem Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn.

Seit Ende Juli

Doch damit kurz vor Schluss nichts mehr schief geht, sind nicht nur Schienenbauunternehmen im Einsatz. Sondern auch Wächter, die die Baustellen an den alten Tunneln bei Althengstett und Hirsau nicht aus den Augen lassen. Tag und Nacht. Bei jedem Wetter. Und das seit Ende Juli.

Was kurios anmutet, hat einen überaus ernsten Hintergrund, berichtete von Meißner jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn bis zur Bewachung herrschte an den Baustellen reger Publikumsverkehr. Ganze Familien seien dort angetroffen worden; Neugierige, die sich einen eigenen Eindruck der Arbeiten verschaffen wollten.

Von Meißner zeigt Verständnis dafür, freut sich sogar über das Interesse.

Allerdings bleibe das Ganze bis zum Abschluss der Arbeiten eine Baustelle – mit allen Gefahren, die damit einhergehen. Und selbst wenn jemand verletzt werde, der sich dort unbefugt aufhalte, mindere das nicht die Pflicht der Verantwortlichen, alles zu tun, um Gefahren abzuwehren – also zu verhindern, dass jemandem etwas geschieht.

Abgesehen davon: „Man weiß ja nie, in welcher Gesinnung jemand kommt“, fügt der Geschäftsführer hinzu. Ob es sich wirklich „nur“ um friedliche Besucher handelt.

Letztes Damoklesschwert

Erschwerend hinzugekommen seien jedoch vor allem die bis vor Kurzem noch laufenden Vergrämungsversuche, die nicht scheitern durften. Dabei waren verschiedene Mittel und Geräte zum Einsatz gekommen, die die Fledermäuse davon abhalten sollten, in die Bestandstunnel zu fliegen.

Das letzte, wirklich gefährliche Damoklesschwert, das erst Mitte September gewissermaßen unschädlich gemacht worden war. Nach mehreren Tests hatte sich endlich ein Mittel gefunden, das zu 100 Prozent Wirkung zeigte und die geflügelten Säugetiere sämtlich am Einflug in die Röhren hinderte.

Nur in den abgetrennten Bereich des Tunnels – hier links – dürfen Fledermäuse einfliegen. Foto: Klormann

Weder Licht noch Wind sondern Ultraschallwellen, die an den Eingängen ausgesandt werden, hatten sich letztlich als Lösung abgezeichnet. Eine Daueraufgabe, auch während des Betriebes. Denn jeder Tunnel muss gemäß den Vorgaben fledermausfrei sein und bleiben, damit die Hesse-Bahn fahren darf.

Und während diese Vergrämungstechnik am Ende fest installiert sein wird, galt das während des Versuchszeitraums nur bedingt. Hätte in dieser Zeit jemand etwas an den Geräten manipuliert – absichtlich oder unabsichtlich –, wäre der Versuch womöglich nicht verwertbar gewesen.

Der Nachweis, dass der Zug ohne Gefahr für die Fledermäuse fahren kann, wäre nicht erbracht worden. „Und das hätte gravierende Auswirkungen gehabt für die Hesse-Bahn“, unterstreicht von Meißner. Mindestens eine Neuauflage des Versuchs wäre damit einhergegangen – und eine unabsehbare Verzögerung.

Am Ende sei eine dauerhafte Überwachung die beste Option gewesen, um die Baustelle zu sichern. Diese läuft noch bis Dezember. Alternativ wäre viel Zaun nötig gewesen, um das Ganze abzusperren. Eine Absperrung, die ebenfalls zu überwachen und zu kontrollieren gewesen wäre, so der Geschäftsführer.

Am Samstag, 31. Januar, soll die Hesse-Bahn erstmals Passagiere befördern. Nach dem 6. Januar beginnen voraussichtlich die ersten Probe- und Abnahmefahrten.