Helmut Opferkuch, Vorsitzender des Gesprächskreises Ehemalige Synagoge, wird am Europäischen Tag der jüdischen Kultur die Führung durch das Wohnviertel Haag und durch die Dauerausstellung „Spurensicherung“ leiten. Foto: Thomas Kost

Am Sonntag, 7. September, steht der nächste Europäische Tag der Jüdischen Kultur ins Haus. Der Gesprächskreis Ehemalige Synagoge bietet an diesem Tag zwei besondere Veranstaltungen an.

Gemeinsam mit dem Gesprächskreis-Vorsitzenden Helmut Opferkuch geht es am frühen Nachmittag auf Entdeckungsreise durch das ehemalige jüdische Wohnviertel im Haigerlocher Haag. In den vielen sich eng an den Hang schmiegenden Gassen haben die früheren jüdischen Bewohner Haigerlochs viele Spuren hinterlassen, die heute noch sichtbar sind, denn das Wohnviertel ist heute noch weitgehend in einer relativ ursprünglichen Form erhalten.

 

Die Ansiedlung der ersten Juden in Haigerloch wird auf das Jahr 1346 datiert. Der Rundgang führt die Teilnehmenden zu Gebäuden, die im Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte der Stadt eine wichtige Bedeutung hatten. Dazu gehören zum Beispiel das ehemalige Rabbinatsgebäude mit Schule, die Lehrer- und Rabbinerwohnung, das ehemalige Gasthaus Rose als Begegnungsort für Juden und Nichtjuden und die Mikwe, das jüdische Ritualbad direkt neben der Synagoge.

Zum Abschluss des Rundgangs wird die Dauerausstellung „Spurensicherung – Jüdisches Leben in Hohenzollern“ in der ehemaligen Synagoge besucht. Die Synagoge wurde 1783 im Zentrum des jüdischen Viertels in Haigerloch erbaut. In der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 verwüsteten SA-Männer den Innenraum. Die Stadt Haigerloch wollte das Gebäude danach zur Turnhalle umbauen und ließ dazu 1939/40 die Emporen abreißen und die Eingangstür zumauern. Als 1952 die Eyach-Lichtspiele in der Synagoge eröffnet wurden, hatte sich das Erscheinungsbild des ehemaligen Gotteshauses innen wie außen völlig verändert. Der Kinonutzung folgte 1968 der Umbau zum Spar-Supermarkt.

Der Film „One Life – Ein Held im Verborgenen“ zeugt von Mut und Rückgrat. Gezeigt wird er am Sonntag, 7. September, ab 17 Uhr in der Synagoge. Foto: © SquareOne Entertainment

1999 gelang es der Stadt Haigerloch und dem Gesprächskreis Ehemalige Synagoge Haigerloch, das Gebäude zu kaufen. Nach der Renovierung im Jahr 2003 und der damit verbundenen Wiedereröffnung als Begegnungsstätte erfolgte 2004 die Eröffnung der Dauerausstellung „Spurensicherung“ mit einer äußert interessanten Sammlung von Gegenständen, Kurzfilmen sowie Interviews mit Zeitzeugen und Dokumenten.

Immer wieder wurden in der Synagoge Filme mit einem speziellen Bezug zur Geschichte und Kultur des Judentums gezeigt und das wird auch am Sonntag der Fall sein. Ab 17 Uhr wird der 106-minütige Spielfilm „One Life – Ein Held im Verborgenen“ von Regisseur James Hawes gezeigt.

Eintritt zum Film ist frei

Das Anfang 2024 erschienene Filmdrama erzählt die wahre Geschichte des britischen Börsenmaklers Nicholas Winton (dargestellt von Oscar-Preisträger Anthony Hopkins), der kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hunderte jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei vor den Nazis rettete. Jahrzehntelang schwieg er über seine Taten – bis sie durch einen Zufall ans Licht kamen.

Mit eindrucksvoller Besetzung und großer emotionaler Tiefe zeigt „One Life“, wie ein einzelner Mensch durch Mut und Mitgefühl die Welt verändern kann. Ein Film über Zivilcourage, Hoffnung und die Überzeugung, dass es immer einen Weg gibt, selbst wenn es zuerst unmöglich erscheint. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Treffpunkt zu der Führung durchs jüdische Wohnvierte Haag ist um 14 Uhr vor der ehemaligen Synagoge Haigerloch. Die Teilnahme kostet vier Euro. Auszubildende, Schüler und Studierende zahlen drei Euro.

Der europäische Tag jüdischer Kultur

Bei der Veranstaltung
handelt es sich um einen Aktionstag, der seit 1999 jährlich am ersten Sonntag im Monat September begangen wird. Er wird heute in rund 30 europäischen Ländern von jüdischen und nichtjüdischen Organisationen gemeinsam veranstaltet und soll dazu dienen, das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche in Vergangenheit und Gegenwart besser kennenzulernen. Zu diesem Anlass werden unter einem jährlich wechselnden Leitthema auf lokaler und regionaler Ebene Führungen zu Stätten jüdischer Kultur, oder auch Konzerte, Ausstellungen und Vorträge organisiert. Das diesjährige Motto lautet „People of the Book“.