Man kennt es fast nicht anders: Wie so oft ist der Turm der Kapellenkirche eingerüstet. Aber was genau wird da denn eigentlich gemacht?
Er ist ein prägendes Wahrzeichen der Stadt, der Turm der Kapellenkirche in Rottweil, und zählt außerdem zu den wichtigsten erhaltenen spätgotischen Baudenkmälern Süddeutschlands. Und für noch etwas ist der 70 Meter hohe Turm in der Rottweiler Innenstadt bekannt: Er ist meist von einem Baugerüst umgeben.
Denn bereits früh erkannte man, dass der Turm nicht so standsicher ist, wie es idealerweise der Fall wäre, wie Marianne Bodenbender vom für die Bauarbeiten zuständigen Planungsbüro AeDis AG erzählt. „Im frühen 20. Jahrhundert hat man es dann geschafft, dass der Turm still steht“, sagt sie. Dabei wurde der Turm auf zahlreichen Ebenen durch eiserne Spannanker gesichert.
Schlimmer statt besser
In späteren Maßnahmen wurden einige der durch die Witterung brüchig gewordenen Steine bereits ausgetauscht. Andere sollten durch die Anwendung eines chemischen Verfahrens – auch Hydrophobierung genannt – vor Wasserschäden geschützt werden. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, wäre es den Steinen ohne dieses Verfahren deutlich besser gegangen, so Bodenbender.
Nach einer Schadensanalyse setzen die aktuellen Baumaßnahmen genau hier an. Das Projekt zur Sanierung und Restaurierung der Kapellenkirche wurde dazu in vier Bauabschnitte unterteilt. Zu den ersten beiden Abschnitten gehören die Natursteinarbeiten am Turm, das Dach, die Türen, Fenster und der Putz des Turms. Im dritten Abschnitt soll das Kirchenschiff und im vierten der Chor renoviert werden. Zum Start der Landesgartenschau 2028 sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein. Kann dieser Zeitplan eingehalten werden? Bisher sieht es ganz danach aus, die Arbeiten an der Außenfassade der Kapellenkirche laufen auf Hochtouren.
Zunächst wurde die Fassade gründlich gereinigt, um weitere Schäden vorzeitig aufzudecken. Nun wird Stein für Stein auf brüchige oder fehlende Stellen kontrolliert, bei Bedarf aufgefüllt oder entfernt und schließlich ersetzt, erzählt die Projektplanerin. „Das ist natürlich sehr zeitintensiv.“
Ähnlich sieht es auch bei den Steinen aus, denn besonders auf der Nordseite der Kapelle sind diese witterungsbedingt stark in Mitleidenschaft geraten. Zwar versuche man so viel wie möglich zu erhalten, sagt Bodenbender. Aber in manchen Fällen, beispielsweise bei Treppen und Fenstern, sei das nicht immer möglich. „Dann müssen wir den gesamten Stein austauschen.“ Eine Einigung zwischen allen drei beteiligten Partien zu finden, sei nicht immer einfach, sagt sie. „Man muss eine Lösung finden, die den Idealvorstellungen der Denkmalschutzbehörde weitgehend gerecht werden, im Sinne des Bauherrn wirtschaftlich ist und auch von den Handwerkern tatsächlich umsetzbar.“ Bisher habe das aber immer gut funktioniert. Auch mit dem Blick auf die Gesamtkosten des Projekts: 8,5 Millionen Euro sind für die Arbeiten eingeplant. Auch hier sei man bisher gut im Plan – trotz der Preissteigerungen.
Hoch hinaus
Interessierte können sich am Sonntag, 10. September, selbst ein Bild von den Arbeiten machen und den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten am Turm vom Gerüst aus nächster Nähe begutachten. Denn die AeDis AG und Jetter Gerüstbau bieten auch in diesem Jahr im Rahmen des Tags des offenen Denkmals wieder eine Projektvorstellung und Führung auf der Baustelle des Kulturdenkmals an. Hier bietet sich auch die Gelegenheit, spannende Informationen über die Kirche und das Restaurierungsprojekt erfahren und eventuelle Fragen zu stellen. Und der atemberaubende Blick über die Stadt lohnt sich natürlich auch, preist Bodenbender die Führungen an.
Führungen finden um 11 und 12 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Was ist der Tag des offenen Denkmals?
Der Tag des offenen Denkmals
wird seit 1993 bundesweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Der Aktionstag findet jährlich am zweiten Sonntag im September statt und verzeichnet jeweils mehrere Millionen Besucher. Ziel des Aktionstages ist es, die Bedeutung des baukulturellen Erbes erlebbar zu machen. Der Aktionstag ist der deutsche Beitrag zu den europaweit stattfindenden European Heritage Days. Am Tag des offenen Denkmals sind viele sonst nicht zugängliche Denkmale geöffnet. Jedes Jahr öffnen rund 7500 Denkmale in über 2700 Kommunen an diesem Tag. Vielerorts – auch in Rottweil – werden an diesem Tag Führungen angeboten.