Der rekultivierte Bauerngarten mit dem Hof im Hintergrund Foto: Monika Schwarz

Der historische „Gerberhof“ in Betzweiler-Wälde wurde in den vergangenen Jahren grundlegend renoviert. Vom beeindruckenden Ergebnis konnte sich die Öffentlichkeit am Tag des offenen Denkmals überzeugen.

Es ist eigentlich nicht nur ein Hof, sondern ein ganzes Areal mit zwei Höfen und einem kleinen Gebäude – die heutige Werkstatt – sowie einem ehemaligen Kornspeicher samt Bauerngarten, welches die zwölfköpfige Familie Föttinger aus Fluorn-Winzeln im Laufe der letzten Jahre sukzessive erworben und saniert hat.

 

Das Ergebnis ist beeindruckend und war am Sonntag Anlauf- und Treffpunkt interessierter Bürger beim Tag des offenen Denkmals. Ernst und Verena Föttinger haben vor ein paar Jahren zunächst den benachbarten „Schmidsjergerhof“ aus dem Jahr 1777 gekauft und restauriert, bevor sich die Gelegenheit ergab, darüber hinaus auch den Gerberhof aus dem Jahr 1813 und den historischen Kornspeicher zu übernehmen.

Die Familie hatte sich bei der Besichtigung sofort in das eindrucksvolle Anwesen mit seiner guten Substanz verliebt und dieses über einen Zeitraum von sieben Jahren in aufwendiger Detailarbeit umfassend renoviert. Fast alle Familienmitglieder waren im Rahmen ihrer Möglichkeiten involviert.

Auch für Workshops und Seminare nutzbar

Seit dem Jahr 2023 ist der Hof wieder bewohnbar. Tochter Anne bewohnt bei Aufenthalten vor Ort den Seitentrakt des L-förmigen Gebäudes, das ansonsten als „offene Begegnungsstätte“ dient, in welcher Natur, Kultur, Tier und Mensch gleichermaßen ihren Raum bekommen und in dem bis zu 20 Personen gleichzeitig übernachten können.

Das Gebäude wird immer wieder auch für Workshops und Seminare von unterschiedlichen Gruppen genutzt. Mit den hinter dem Haus lebenden Wanderziegen von Esther Föttinger können Ziegenwanderungen unternommen werden.

Ein ganz besonderer Ort in diesem ganzen Ensemble ist auch der gegenüber liegende Kornspeicher, dessen Kornkammern noch im Original erhalten sind. Auch einige Originalgeräte und Behälter aus der damaligen Zeit kann man dort heute noch besichtigen.

Tabea, Anne, Ernst, Verena und Esther (von links) aus der insgesamt zwölfköpfigen Familie Föttinger Foto: Monika Schwarz

Im früheren Kartoffelspeicher des Gebäudes, einem Gewölbekeller, hat die ehemalige Pfarrerin Verena Föttinger einen „Raum der Stille“, beziehungsweise eine kleine „Kapelle“, eingerichtet, die jedem Besucher des Hofs, aber auch der Öffentlichkeit, für Ruhe und Rückzug zur Verfügung steht. Wer möchte, kann darin auch eine Kerze entzünden. Gleich daneben liegt der wunderschöne und von Tochter Tabea rekultivierte Bauerngarten. Dort wachsen nicht nur Blumen, sondern auch Gemüse und Obst.

Konzerte im Heu und Camperstellplätze

Auch zwei Camperstellplätze sind auf dem Areal vorhanden. Tochter Esther lebt mit ihrer kleinen Familie zwischenzeitlich auf dem „Schmidsjergerhof“ unterhalb. Im dortigen, restaurierten Kuhstall haben in der Vergangenheit immer wieder Konzerte im Heu stattgefunden.

Als besonderes „Schmankerl“ gab es am Tag des offenen Denkmals nicht nur Kaffee und jede Menge selbst gebackene Kuchen in der Wohnstube im ehemaligen „Gerberhof“ – heute nennt er sich der Nutzung entsprechend „KulTierHof“ – sondern auch Musik mit der Musikerin „Lara“ aus Tübingen. Sie unterhielt die Gäste mit selbst komponierten Liedern, die berührten, auf der Gitarre.

Tafeln informieren über künstlerisches Wirken

Die Nischen und zahlreiche Plätze und Wände im Gebäude und auch im Raum der Stille waren anlässlich des „Denkmaltags“ von der Familie zudem mit Bildern und Skulpturen von Lore Pippel-Föttinger und Walter Pippel sowie Gisela Scheffner geschmückt worden.

Im Eingangsbereich des „KulTierHofs“ informierten Tafeln über deren Leben und künstlerisches Wirken. Familie Föttinger war gerne bereit, die Gäste durch das Haus zu führen und über die Historie der Gebäude sowie die durchgeführten Arbeiten zu informieren.