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Tag des Bieres Des Deutschen ganzer Stolz

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Zum Wohl! Noch immer ist mehr als jedes zweite in Deutschland konsumierte alkoholische Getränk ein Bier. Foto: dpa

Stuttgart - Zunächst einmal sollte mit einem Klischee aufgeräumt werden: Nein, die Deutschen trinken nicht am meisten Bier auf der Welt. Den Nachbarn aus Tschechien sei Dank. Die genehmigten sich mit 144 Litern pro Kopf im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten Hopfen-Gebräu. Erst auf Platz zwei kommen die Deutschen, die sich mit ihren 107 Litern im Jahr Position zwei in der Schluckspecht-Statistik mit Österreich teilen.

Nur Rang zwei? Dem Stolz der Deutschen tut das keinen Abbruch. Land der Dichter und Denker - ja, mag sein. Für viele ist Deutschland aber mehr. Zum Beispiel Land des Bieres - und vor allem: Land des Bierkenners. So zumindest sieht es die unabhängige Diplom-Bier-Sommelière Sylvia Kopp. "In Deutschland geboren zu sein, bedeutet Bierkenner zu sein, obwohl viele immer nur das gleiche trinken", sagt die Geschmacksexpertin. "Das ist schon etwas bescheuert."

Kopp kennt sich aus. Schließlich hat die Leiterin der Berlin Beer Academy von den weltweit etwa 120 bekannten Biersorten schon an die 80 Prozent selbst probiert.  "Wir können schon stolz sein auf das Deutsche Bier. Es ist gut, ganz klar", betont Klopp, "aber wir schauen nicht nach links und rechts und bleiben stur beim deutschen Bier, weil wir glauben, das, was aus dem Ausland kommt, ist nicht rein." Ein Mythos, wie sie sagt.

Pils ist das mit Abstand am meisten verkaufte Bier in Deutschland

Deutsches Reinheitsgebot hin oder her: Auf den Getränkekarten der Nation vermisst Kopp vor allem die Vielseitigkeit, die in dem uralten Getränk steckt, das bereits die Ägypter kannten. "Für Bierfreunde ist es in Deutschland schwierig auszugehen", beklagt sie. "Überall gibt es fast nur Pils." Diese Beobachtung schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Mit 34 Prozent ist die ursprünglich aus Tschechien stammende Sorte das mit Abstand am meisten verkaufte Bier in Deutschland.

Mal etwas anderes als Helles und Pils wünschte sich auch Daniel Bleicher. Deswegen hat der Bierliebhaber vor einigen Jahren eine Ein-Mann-Brauerei in der Stuttgarter Schlosserstraße gegründet. "Ich mag die klassischen Biere auch, aber die großen Brauereien schauen weniger über den Tellerrand. Sie schauen darauf, was die Masse trinkt", sagt Bleicher. "Ich mag aber lieber die Biere, die anecken."

Jetzt produziert der Stuttgarter in seiner Cast-Brauerei hauptsächlich amerikanische Sorten, wie das Pale Ale - ebenfalls ein helles Bier aber mit einem wesentlich bittereren und sehr fruchtigen Geschmack. Mit seinem Nischen-Produkt kommt Bleicher an. Die Verkaufszahlen stimmen und so ist aus seiner Ein-Mann-Brauerei im Oktober verganenen Jahres bereits ein Zwei-Mann-Betrieb geworden.

Belgier nennen ihre Kneipen Biercafés

Dass immer mehr Leute auch in punkto Bier gerne etwas besonderes Trinken wollen und dass sich der Blick auf die internationale Getränkekarte lohnt, das weiß auch Sylvia Kopp. "Die Belgier haben zum Beispiel tolle Biere" sagt sie. "Aber kaum ein Deutscher kennt sich damit aus."

Wie sehr unsere westlichen Nachbarn auf Abwechslung setzen, das zeigt sich schon darin, wie die Belgier ihre Kneipen nennen: Biercafés heißen sie etwa in der Region Flandern. "Dort hat man eine riesige Auswahl", schwärmt Geschmacks-Expertin Kopp, für die die Formel "nur Deutsches Bier ist gleich gutes Bier" schlichtweg nicht stimmt.   

Die besondere Beziehung der Deutschen zu "ihrem" Pils befeuert seit Jahrzehnten auch die Werbung:

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