Am Tag des Artenschutzes rücken zwei bedrohte Arten in den Fokus: der Kiebitz und der Feldrittersporn. Wie ihr Überleben gesichert werden kann – wir haben nachgefragt.
Am 3. März, dem Tag des Artenschutzes, rücken zahlreiche kleine und große, prächtige wie unscheinbare Tiere und Pflanzen ins Rampenlicht. Einer von ihnen ist der Kiebitz, dessen Lebensraum zunehmend schwindet – ebenso wie der eines anderen zarten Gewächses: des Feldrittersporns.
Der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg erklärt, warum gerade diese beiden Arten jetzt unsere Aufmerksamkeit verdienen – und was jeder von uns tun kann, um ihr Überleben zu sichern.
Nicht nur seltene Exoten: Auch bekannte Tiere wie Kreuzotter, Bachforelle oder Rebhuhn gelten inzwischen als gefährdet, ebenso wie Arnika, Frauenschuh und Zwerggras unter den Pflanzen. „Die Roten Listen sind das Fieberthermometer des Naturschutzes“, erklärt der Nabu. Die Listen verzeichnen gefährdete, verschollene und ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten, Artengesellschaften, Biotoptypen oder Landschaften.
Unter den Tieren stünden die Feldvögel besonders unter Druck, erklärt Lars Stoltze, Projektleiter von „KiebitzLand – Hier wächst die Artenvielfalt“ des Nabus Baden-Württemberg. Besonders Bodenbrüter seien dabei stark gefährdet.
Als Beispiel nennt Stolze den Kiebitz. Früher sei er als „Allerweltsvogel“ bekannt gewesen, aktuell komme er nur noch in wenigen Gebieten in Baden-Württemberg vor. Ursachen dafür seien in erster Linie der Verlust des Lebensraums, insbesondere durch Trockenlegung der Landschaft, aber auch die veränderten Techniken in der Landwirtschaft sowie die Zunahme von Bodenprädatoren wie Füchsen, die Nester am Boden plündern.
Der vom Aussterben bedrohte Kiebitz
Seit 1996 sei der Bestand der Kiebitze um über 90 Prozent eingebrochen und daher stehe der Bodenbrüter aktuell auf der Roten Liste in der Kategorie eins. Danach gebe es nur noch die Kategorie null – also ausgestorben, erläutert er.
Durch Projekte wie das KiebitzLand-Projekt des Nabus Baden-Württemberg soll der kleine Feldvogel geschützt werden. Dafür werden etwa fünf Hektar große Kiebitz-Kerngebiete mit Brut- und Nahrungsraum für den Kiebitz angelegt.
„Landwirte werden zum Mitmachen durch attraktive Fördersätze motiviert“, fügt Stolze hinzu. Auch sollen die Flächen mit mobilen Schafzäune vor Bodenprädatoren geschützt werden. Sodass in diesen Kerngebieten Überschusspopulationen entstehen, die sich weiter in der Landschaft ausbreiten.
Erfolge mit dem KiebitzLand-Projekt
Bereits jetzt ließen sich so Erfolge erzielen, berichtet der Projektleiter. „In den bereits etablierten Gebieten werden aktuell insgesamt 1,3 neu geborene Kiebitze pro Nest flügge.“ Um die Kiebitz-Population zu erhalten, müssten statistisch nur 0,8 Vögel pro Nest erwachsen werden.
Nicht nur der Kiebitz kämpft ums Überleben, auch der Feldrittersporn, ein typisches Ackerwildkraut, verschwindet nach und nach von den heimischen Wiesen und Feldern. Diese Pflanze gehört in ganz Deutschland zu den gefährdeten Arten, erläutert Miriam Willmott, Projektleiterin der „Refugialflächen“ beim Nabu Baden-Württemberg.
„Früher blühte der Feldrittersporn oft zwischen Getreidehalmen und bot Wildbienen sowie Schmetterlingen wichtige Nahrungsquellen“, so Willmott. Nun habe die Ackerwildkrautflora, zu der auch der Feldrittersporn gehöre, in den vergangenen Jahrzehnten allerdings erheblich an Vielfalt und Bestand verloren.
Der dramatische Artenschwund
Eine der Hauptbedrohungen für den Feldrittersporn sei der Einsatz von Herbiziden zur Unkrautbekämpfung, und auch die effektive Saatgutreinigung trage dazu bei, dass Ackerwildkräuter weniger Chancen haben, sich auf den Feldern zu etablieren.
Zudem beseitige der Verlust von Ackerrändern und Brachflächen wichtige Lebensräume, die für das Überleben des Feldrittersporns entscheidend seien, meint die Projektleiterin.
„Um auf den dramatischen Artenschwund in Agrarlandschaften aufmerksam zu machen, hat die Loki Schmidt Stiftung den Acker- oder Feldrittersporn zur ‚Blume des Jahres 2026‘ gekürt“, berichtet sie. Diese Auszeichnung stünde stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten stark zurückgedrängt wurden.
So kann man zum Erhalt beitragen
Um den Feldrittersporn langfristig zu erhalten, sei ein extensiver Anbau von Getreide ohne den Einsatz von Herbiziden besonders vorteilhaft. Eine geringere Pflanzendichte durch reduzierte Aussaatmengen führe zu lichteren Pflanzenbeständen, wodurch mehr Licht den Boden – und den Feldrittersporn – erreiche.
Auch Bürger könnten den Schutz dieser Pflanzenarten unterstützen, indem sie alte Getreidesorten wie Urkorn oder Emmer kaufen, erklärt Willmott. „Diese Sorten bilden in der Regel weniger dichte Bestände und zeichnen sich durch einen hohen, lichten Wuchs aus“, führt Willmott aus. Dadurch bieten sie ideale Lebensbedingungen für Ackerwildkräuter wie den Feldrittersporn.