Norbert Meiß (links) und sein Team organisierten einen Tag der offenen Tür des Inklusions- und Integrationsfachdienstes. Foto: Holderied

Der Inklusionsfachdienst öffnet zum Tag der Menschen mit Behinderung seine Türen. In Impulsvorträgen und Themenbüros erhalten die Teilnehmenden in Nagold genaue Einblicke.

Langsam und vorsichtig versuchen zwei Frauen mit Handschuhen, quadratische Holzstäbchen aus einem Turm zu ziehen – sie spielen Jenga. Die Handschuhe tragen sie, um das Gefühl einer körperlichen Einschränkung zu simulieren. Beim Tag der offenen Tür des Inklusions- und Integrationsfachdienstes (IFD) in Nagold haben die Besucher zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung Einblicke in die Arbeit der IFD bekommen.

 

Inklusion geht nur gemeinsam“, betont Norbert Meiß, Leiter der IFD Nordschwarzwald, zum Auftakt der Veranstaltung. Unter anderem Vertreter von Schulen, Krankenkassen und Kooperationspartnern sind – sehr zu seiner Freude – zahlreich erschienen.

Die IFD unterstützt Menschen mit Behinderung

In insgesamt fünf Impulsvorträgen erfahren Besucher, welche Hilfen für schwerbehinderte Bewerber und Beschäftigte auf dem Weg in den Arbeitsmarkt oder zur Sicherung ihres Arbeitsplatzes bestehen. Der IFD Nordschwarzwald ist zuständig für den Landkreis Calw, den Raum Horb und den Landkreis Freudenstadt. Mit ihrer Arbeit unterstützen und beraten sie nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch deren Arbeitgeber.

Meiß erklärt:„Relevant sind dann Fragen wie: Welche Arbeit funktioniert nach wie vor? Welche Schritte gehen nicht mehr? Welche Möglichkeiten und finanziellen Zuschüsse gibt es?“

Valentina Seiler (links) und Anja Tannert (rechts) sprechen über das Thema „Übergang Schule zu Beruf“. Foto: Holderied

Valentina Seiler und Anja Tannert gehen verstärkt auf die Betreuung im Übergang zwischen Schule und Beruf ein. Vor allem Austausch und Abstimmung seien dabei entscheidend, erklärt Tannert.

In weiteren Vorträgen wird das Vorgehen am Arbeitsmarkt, der dortige Unterstützung der IFD im Arbeitsverhältnis, sowie Angebote der Agentur für Arbeit thematisiert. Die Präsentation erfolgreicher Eingliederungsbeispiele anhand eines Videos ergänzt die Reihe der Impulsvorträge.

Tag der offenen Tür ermöglicht einen Perspektivwechsel

An den Wänden der Veranstaltungsräume hängen Gemälde – einige farbenfroh, andere eher düster. Die Bilder sind in der Malwerkstatt von Teilnehmern der Psychosozialen Hilfsgemeinschaft „Treppe“ entstanden und wurden für den Tag der offenen Tür angebracht, wie Meiß erläutert.

Im Rahmen der Veranstaltung bereitete das Team außerdem einige Räume thematisch vor: Perspektivwechsel, Übergang, Sicherung und Jobcarving stehen dabei im Fokus. Besonders das „Themenbüro Perspektivwechsel“ sehen sich einige Besucher genauer an.

In vier Stationen werden dabei jeweils eine körperliche Einschränkung, eine Wahrnehmungsstörung, eine Hörbehinderung und eine Sehbehinderung simuliert.

Es gab Räume zu den Themen Perspektivwechsel, Übergang, Sicherung und Jobcarving. Foto: Holderied

Mit Rauschkopfhörern und Sehbehinderungsbrillen können Besucher nachvollziehen, wie herausfordernd Kommunikation für Sinnesbehinderte sein kann. Am meisten Neugier weckt die Station zur Wahrnehmungsstörung. Die Teilnehmer sollen sich auf einen Stuhl setzen. Vor ihnen liegt ein Papier, auf dem ein Stern abgebildet ist.

Das Ziel ist es, den Stern ohne Übermalen der Linien mit einem Stift nachzufahren. Die Schwierigkeit: Die Testpersonen sehen den Stern nur über einen Spiegel, der vor ihnen steht. Einige geben frustriert auf, als sie nicht weiterkommen. „Heute haben Menschen verstanden, dass Inklusion kein abstraktes Ziel ist, sondern etwas sehr Persönliches. Das ist der erste Schritt zum Umdenken“, sagt Teamleiter Norbert Meiß abschließend.