Reges Treiben herrschte im Tierheim Tailfingen, das am Samstag zum Tag der offenen Tür eingeladen hatte. Beim Freilauf, das direkt an das Hundehaus angrenzt, kamen sich Zwei- und Vierbeiner sehr nah. Foto: Ulrike Zimmermann

Das Tierheim Tailfingen hat eine große Fangemeinde, das wurde am Samstag beim Tag der offenen Tür deutlich – und doch besteht an manchen Stelle dringend Bedarf zur Nachbesserung und beständiger Unterstützung.

Tierheime sind das Herz und die Basis der Tierschutzarbeit. Ein Blick hinter die Kulissen und der persönliche Kontakt mit den Mitarbeitern ist immer noch der beste Weg, sich einen Überblick die Anlage, seine Schützlinge und die Arbeit vor Ort zu verschaffen – so auch beim Tag der offenen Tür im Tierheim Tailfingen.

 

Unabhängig von den vereinsinternen Unstimmigkeiten und den massiven Vorwürfen gegen die Tierheimleitung konnte jeder Besucher am Samstag sehen, welche wertvolle Arbeit das Personal im Tierheim im Schalkental leistet.

Viele bekannte Gesichter – sowohl von Menschen als auch Hunden – haben der Vorsitzende des Tierschutzvereins Zollernalb Günter Wiebusch und Tierheimleiterin Nadine Weissmann mit ihrem Team beim Sommerfest begrüßt.

Auch in Tailfingen wurde ein Aufnahmestopp verhängt

Ein Tierheim sollte in der Regel nur ein Zuhause auf Zeit sein. Viele Tierheime sind aber inzwischen so überfüllt, dass sie ein Aufnahmestopp verhängen müssen – auch im Tailfinger Tierheim. Obwohl inzwischen das Personal aufgestockt werden und die Personalnot beseitigt werden konnte, gibt es zu viele Anfragen auf Heimunterbringung.

Für Nadine Weissmann ist das ein Dilemma: Auf der einen Seite sieht sie die Hilflosigkeit der Menschen, die sich um ihr Tier nicht mehr kümmern können – nicht selten aus finanziellen Gründen oder gesundheitlichen Problemen.

Auf der anderen Seite steht das Tierwohl und die begrenzten Kapazitäten. Und die Flut der Katzenbabys ist zurzeit sehr groß: Die meisten kleinen Fellnasen versteckten sich in ihren Höhlen im modernen Katzenhaus und lugten nur vorsichtig hinter schützenden Vorhängen hervor.

Aber es gab auch welche, die den Kontakt zu den Menschen suchten, neugierig auf das Treiben hinter der Glasscheibe schauten und die Herzen von klein und groß eroberten.

Eine Anlage, die längst nicht mehr den Tierschutzstandards entspricht

Lebhafter ging es im Hundehaus und dem angrenzenden Freilauf zu. Aber auch die blitzsauberen Zwinger konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anlage nicht mehr den Tierschutzstandard entspricht und vom Veterinäramt seit Jahren nur noch geduldet wird.

Der Neubau des Hundehauses ist seit Jahrzehnten geplant und dringend notwendig. 40 Prozent der Gesamtsumme kann über ein Landesförderprogramm abgerufen werden. Die restlichen 60 Prozent müssen je zur Hälfte vom kommunalen Träger und dem Verein aufgebracht werden. Das bedeutet, dass nach wie vor Spenden dringend benötigt werden.

Das neue Hundehaus kostet rund eine Million Euro

Zwar habe sich die finanzielle Situation des Tierheims durch die Verlängerung des Fundkosten-Pauschalbetrags und die jährliche Bezuschussung durch den Zollernalbkreis stark verbessert, sagte Wiebusch.

Dennoch benötige der Tierschutzverein weiterhin die volle Unterstützung aller Mitglieder, Freunde und Gönner, denn die beabsichtigte Baumaßnahme des Hundehauses mit rund einer Million Euro werde die Vereinskasse enorm belasten.

Auch die vereinsinternen Vorgänge des vergangenen Jahres müssten endgültig aufgearbeitet werden. Am 19. Juli findet dazu um 19 Uhr eine außerordentliche Hauptversammlung im „Haus der Vereine“ in Tailfingen statt. Bei den Nachwahlen müssen zudem einige Posten in der Vorstandschaft neu besetzt werden.