Gewässerwart Lothar Konrad (links) und ANV-Vorsitzender Peter Beiter wollen für eine ausgewogene Fischpopulation sorgen. Foto: Cools

Zum Tag der Fische am 22. August fragen wir beim Angel- und Naturschutzverein (ANV) Oberndorf nach: Wie geht es den Flussbewohnern im Neckar? Und welche Entwicklung bereitet dem Verein Sorgen?

Hat die Hitze der vergangenen Wochen im Neckar ihre Spuren hinterlassen? Wie geht es den Fischen? Das wollen wir anlässlich des Tags der Fische vom ANV-Vorsitzenden Peter Beiter und Gewässerwart Lothar Konrad wissen.

 

Und die Beiden können glücklicherweise Entwarnung geben – zumindest kurzfristig. Aufgrund der angesichts der Sommerzeit ungewöhnlich hohen Wasserstände sei derzeit alles im grünen Bereich, sagen sie.

Das war in früheren Jahren schon anders – und kann in solchen Fällen bei den Fischen schnell zu Problemen führen. Bei einer Wassertemperatur ab 20 Grad steht den Fischen nämlich deutlich weniger Sauerstoff zur Verfügung, weswegen sie laut Lothar Konrad aufhören zu fressen. Und bei 23 bis 25 Grad Wassertemperatur über mehrere Tage droht sogar der Tod.

Aktuell lassen sich vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde feststellen. Zum Vergleich: In „kritischen“ Sommern war es zeitweise auch mal nur ein Kubikmeter pro Sekunde.

Baumfällungen bereiten Sorgen

Ganz sorgenfrei ist der ANV aber dennoch nicht. Da wären beispielsweise die geplanten Baumfällungen am Neckarufer in Oberndorf, durch die es deutlich weniger Schatten auf dem Wasser geben werde und damit auch höhere Temperaturen, prognostizieren Beiter und Konrad.

An etwa neun Stellen von Talhausen bis Oberndorf hat der ANV sogenannte Datenlogger für Temperatur in den Neckar eingesetzt – auf eigene Kosten. Sie sollen regelmäßig Aufschluss über die Temperatur des Wassers geben. Und außerdem darüber, wie diese sich nach der Baumfällaktion verändert haben wird.

Schon jetzt – mit den Bäumen, die Schatten spenden – habe man bei großer Sommerhitze auf Höhe des Krankenhauses in Oberndorf Temperaturen von bis zu 22,8 Grad im Neckar gemessen, sagt Peter Beiter.

Immer weniger Schatten

Das Thema Beschattung sei überall an den Ufern ein schwieriges, weiß er. Wo es früher zwei bis vier Baumreihen gab, stehen teilweise nur noch vereinzelt Bäume. Das Regierungspräsidium (RP) versuche, per Renaturierung gegenzusteuern und habe erst kürzlich rund 400 Bäume auf eigenen Streifen entlang des Neckarufers gepflanzt, die meisten nahe Talhausen, erzählt Beiter. Ärgerlicherweise seien viele davon aber von Dritten abgemäht worden und deshalb zerstört. Sie müssten nun ersetzt werden.

Während das RP in Sachen Beschattung aktiv ist, kümmert sich der ANV intensiv darum, im Sinne einer ausgewogenen Population ehemals heimische Fischarten „wieder neu einzubürgern“.

Erfolgserlebnis Äsche

Mit der Äsche sei das schon gelungen, berichtet Gewässerwart Lothar Konrad. Seit etwa drei Jahren konzentrieren sich die Ehrenamtlichen auf die Bachforelle. Teilweise gebe es schon wieder Stellen, an denen sie sich selbst reproduziere, sagt Beiter, doch sei man noch nicht am Ziel.

Die ANV-Mitglieder entnehmen Forellen-Eier aus dem Neckar, befruchten diese, setzen sie in eine Rinne im Irslenbach und lesen sie regelmäßig aus, bis die kleinen Forellen-Larven schließlich nach zwei bis drei Wochen schlüpfen und zurück in den Neckar gesetzt werden.

Dieses Vorgehen werde vom Staatlichen Fischereiaufseher unterstützt, sagt Peter Beiter. Deshalb dürfe der ANV auch während der Forellen-Schonzeit die Elektro-Laich-Befischung vornehmen.

Die vergangene E-Befischungsaktion im Winter sei jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Der Wasserstand sei zu hoch gewesen. Doch diesen Winter werde ein neuer Versuch gestartet.

60 000 Eier

In diesem Bereich des Neckars sind laut ANV übrigens insgesamt etwas mehr als zehn Fischarten vertreten. Mit Aktionen wie Naturverlaichungen will man gerade die Fischarten zurückholen, die besonders gut an die Bedingungen vor Ort angepasst sind.

Jedoch überleben laut Beiter von rund 100 Bachforellen-Larven immer nur etwa drei bis vier. Deshalb gebe es noch einiges zu tun. 60 000 Eier sind das Ziel für die nächsten drei bis vier Jahre.