Hausmannskost statt Hummer: Fernsehkoch Sante de Santis mit neuem Konzept Foto: Kovalenko

Hausmannskost statt Hummer: Fernsehkoch Sante de Santis mit neuem Konzept im San Pietro

Sante de Santis hat eine starke Präsenz. "Laura, bring mal die Flotte Lotte von unten", schallt es durchs ganze Lokal. Der Mann muss laut sein, sonst würde er sich in seinem riesigen Restaurant kaum Gehör verschaffen können. Seit gut zehn Jahren ist der Fernsehkoch (Vox-"Kochduell") schon Pächter des Lokals im Alten Landtag in der Heusteigstraße. Sich hier so lange als Edelrestaurant zu halten, ist wirklich eine Leistung. Jetzt hat Sante de Santis genug von der Gourmetküche und macht nun auf Trattoria, die "cucina povera", wie er sagt, die Küche der armen Leute also.

 

Statt Hummer gibt's jetzt Hausmannskost zu erschwinglichen Preisen. Die feinen Tischdecken sind weg, das Essen kommt in grobem Tongeschirr auf die Holztische, und ein Pizzaofen und der Herd hüllen das komplette Lokal in feinen Essensgeruch, vermengt mit einem Hauch verkohlter Pizza. Genau. In der Trattoria San Pietro, wie das ehemalige Er Cuppolone heißt, gibt es tatsächlich die italienischen Klassiker: Pizza Margherita und Pasta - Bolognese oder Carbonara. Diese zu ebenso einfachen Preisen zwischen sieben und neun Euro. Allerdings sind diese Basisgerichte nur die Begleitung zum eigentlich Konzept der Trattoria. Und das heißt: Tageskarte. Nur wenige Gerichte stehen darauf, der Chef verweist hier locker auf das Marktangebot des Tages. Was er dort an Besonderem findet, kommt abends auf den Herd.

Genau das macht den Charme aus: Hier finden sich nämlich Dinge, die man bei anderen Italienern in der Stadt vergeblich sucht. Einen Pulpo etwa, mit Kartoffeln und Pinienkernen wie einen Eintopf zubereitet etwa, eine deftige, aber auch raffinierte Vorspeise. An einem anderen Tag wird der Tintenfisch als Carpaccio mit Rucola und Balsamico serviert. In jedem Fall überlegt sich Sante de Santis eine ausgefallenere Variante, als den Pulpo nur mit weiteren Meeresfrüchten in einem Salat zu kombinieren. Erfreulich anders!

Als Hauptspeise gelingt ihm das ebenso gut mit der üppigen Kalbsleber auf einem Petersilienwurzelpüree, wozu er gekochten Salat mit Kraut und Rosmarinkartoffeln serviert. Den Härtetest besteht er dann bei den Papardelle mit Fleischbällchen, was sich eher langweilig anhört, aber herrlich schmeckt. Die Kügelchen sind sehr würzig und schön mit Parmesan abgeschmeckt.

Das ist der Vorteil, wenn der Spitzenkoch auf Arme-Leute-Küche macht: Sie ist einfach einen Tick besser. Und da muss er nicht einmal selbst am Herd stehen. Der Laden läuft auch allein, weil der Chef im abgetrennten Raum steht und einen Kochkurs gibt. Für den ihm die flotte Laura auch ganz schnell eine Flotte Lotte bringt. Den Lautstärkepegel im ohnehin mit Musik gut beschallten Alten Landtag hebt dies noch ein bisschen. Aber das gehört zur italienischen Küche wohl auch dazu.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr anständige Preise für viel Raffinesse

Atmosphäre: der große Raum wird laut und herzlich bespielt

Küche: Ursprünglich italienisch, nur einen Tick besser

Adresse: Trattoria San Pietro, Heusteigstraße 45, 70180 Stuttgart (der Alte Landtag). Telefon 6071880.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag warme Küche von 18 bis 23 Uhr.

Extras: Bei Chef Sante de Santis gibt's nicht nur gutes Essen, beim umtriebigen Italiener werden auch Kochkurse an der gleichen Adresse angeboten. www.santedesantis.de

Anfahrt: Mit verschiedenen Stadtbahn-Linien zur Haltestelle Österreichischer Platz. Mit dem Auto wird's schwieriger, im Süden sind die Parkplätze sehr rar. Nach 20 Uhr können Gäste auf dem nahen Lidl-Parkplatz parken.