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Mit Maultaschen ist das so eine Sach’. Jeder, der hierzulande aufgewachsen ist, hat ­entweder eine Mutter, Oma oder Tante ­in der Verwandtschaft, die die besten Maul­taschen der Welt macht.

Stuttgart - Mit Maultaschen ist das so eine Sach’. Jeder, der hierzulande aufgewachsen ist, hat ­entweder eine Mutter, Oma oder Tante ­in der Verwandtschaft (selten eine Ehefrau), die die besten Maul­taschen der Welt macht. Insofern sollte man sich bei Super­lativen im Zusammenhang mit den sogenannten Herrgotts­bscheißerle zurückhalten. Sagen wir es so: Die Maultaschen, die man bei Werner Mast in Heslach in der ehemaligen Seemannklause bekommt, sind sehr, sehr, sehr annehmbar. Wobei wir nur ein Urteil über die schwäbische Variante abgeben können. Von ­Gemüse-, Lachs- und Rindermaultaschen, da ist der Schwabe eigen, haben wir die Finger gelassen.

Während viele ein Geheimnis um die schwäbische Spezialität machen, geht der freundliche Mauldasch-Wirt (einst betrieb er mit seiner damaligen Frau die Heslacher Weinstube) offen mit der Rezeptur um, die er von einer Tante bekommen und ver­feinert hat: Man kann sie auf der Homepage des Lokals nachlesen.

Doch weg von der virtuellen, hinein in die reale Welt, einen rauchgeschwängerten Kneipenraum mit Bar, den wir flugs ­durchqueren, um ins rauchfreie Nebenzimmer zu gelangen, wo uns eine Atmosphäre empfängt, die mit eigenwillig am neutralsten beschrieben ist. An den Holzwänden Bilderrahmen mit kubanischen Straßen­szenen, Hängepflanzen, ein Brett mit Bierkrügen. Die bläulichen Bodenfliesen versprühen den fiesen Charme der siebziger Jahre.

Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ganz eindeutig fällt das Urteil aus bei dem, was auf den Tisch kommt. Wir starten mit einer Maultaschensuppe (3,80 Euro). Tadellos die ­Rinderkraftbrühe – und die ­Füllung der in ­Streifen geschnittenen ­Teigtaschen so, wie man sie sich wünscht: Hackfleisch, Brät, gerauchte Wurst, Spinat, ­Petersilie, ­Zwiebel, Weckle. Bevor man den Hauptgang bestellt, sollte man sich nach der Größe der Portionen erkundigen. Das ­Tellerschnitzel (8,80 Euro, zwei Fleischscheiben, perfekt paniert und in der Pfanne gebraten, mit einer dicken Scheibe Bauernbrot) ist nur mit großem Hunger zu schaffen. Erstklassig auch der Rostbraten mit Maultasche, geschmälzten Zwiebeln, Trollingersoße (16,90 Euro), nur der dazu gereichte Kartoffelsalat hätte für unseren Geschmack einen Schuss mehr Öl vertragen können.

Gelobt ist ohnehin genug. An eine ­Kundin, eine waschechte Schwäbin, reichen wir eh nicht heran, die gesagt haben soll: ­„Wissed Se, i mach meine Mauldascha ­nemme selbr. I mach se au net besser.“

Küche: Deftig, schwäbisch, gut

Atmosphäre: Mehr Kneipe als Restaurant

Service: Der Gast fühlt sich willkommen, was will er mehr?

Preis-Leistungs-Verhältnis: Reichlich Essen fürs Geld

Adresse: Mauldasch, Inhaber Werner Mast, Finkenstr. 9b, 70199 Stuttgart-Heslach. ­Telefon 50 45 79 88. www.a-mauldasch.de.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag ab 17 Uhr, Küche ab 18 Uhr. Sonntag und Feiertag geschlossen.

Extras: Im vorderen Gastraum herrscht ­Kneipenatmosphäre: Man kann an der Theke sitzen, es darf geraucht und Dart gespielt werden. Im Nebenzimmer (22 Sitzplätze) herrscht Rauch­verbot. Spezialität der Karte: auserlesene Rumsorten aus der Karibik.

Anfahrt: mit Buslinie 42 oder Stadtbahnlinien U 1 und U 14 bis Haltestelle Schreiberstraße. Parkplätze sind im Viertel eher knapp.