Der Calwer Tafelladen versorgt bis zu 700 Menschen mit günstigen Lebensmitteln. Doch die Verantwortlichen der Caritas schätzen, dass der Bedarf noch viel höher ist.
Die großen Probleme, die spiegeln sich oft im Kleinen wider: So ist das im Calwer Tafelladen.
Je mehr Menschen dort einkaufen müssen, desto deutlicher zeigt sich für die Verantwortlichen, wie groß die Probleme unserer Zeit und Gesellschaft sind.
„Wir versorgen gerade zwischen 600 und 700 Personen“, berichtet Michael Vogelmann, Fachleitung Soziale Hilfen in der Caritas-Region Schwarzwald-Gäu, dem Träger der Einrichtung.
Dabei, so schätzt er, dürfte die Zahl der Menschen in Calw und Umgebung, die sich Einkäufe in normalen Supermärkten kaum oder nicht leisten können, viel höher sein. „Die Scham ist riesig“, meint er. Wer in der Tafel einkauft, der sei schon sehr verzweifelt.
Rund 200 Personen besitzen einen Ausweis, der sie berechtigt, im Calwer Tafelladen Lebensmittel zu günstigen Preisen einzukaufen. Hinter jedem Ausweis stehen etwa 3,5 Personen, erklärt Vogelmann. So kommt er auf bis 700 zu „Empfänger“.
Lebenssituation der Kunden ist herausfordernd
Ausweise erhalten Menschen, die es nötig haben: etwa, weil sie zu wenig verdienen, Sozialleistungen beziehen oder über mindestens Pflegegrad drei verfügen. Manche der Kunden haben einen Flucht- oder Migrationshintergrund, andere sind alleinerziehend oder einfach Familien.
„Alles Menschen, die aus irgendeinem Grund eine sehr herausfordernde Lebenssituation haben.“
Die Zahl der älteren Kunden steigt: „Weil die Rente nicht reicht.“ Gerade Senioren schämen sich aus Sicht Vogelmann für den Gang zur Tafel. Viele hätten zeitlebens nie etwas mit dem Sozialsystem zu tun gehabt, und dann, in der Rente, reiche das Geld nicht mehr.
Der Calwer Tafelladen hat neuerdings statt zweimal die Woche dreimal geöffnet: montags, mittwochs und donnerstags, jeweils von 12 bis 14 Uhr. „Der Bedarf dafür ist da.“
„Es ist ein Armutszeugnis, dass es in so einem reichen Land wie Deutschland überhaupt eine Tafel braucht“, meint Michael Vogelmann. Hierzulande gebe es ein Problem mit zu kleinen Renten und mit Sozialleistungen, die nicht an die Lebenshaltungskosten angepasst seien.
„Es ist Aufgabe des Sozialstaats, dass allen Leute, die sich nicht Kräften einbringen, ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben möglich ist.“
Fördermittel ermöglichen Ehrenamtsprojekt
Die Tafel ist ein Ort, der sichtbar macht, ob die Menschen mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht, über die Runden kommen oder nicht. Und Vogelmanns Beobachtung: „Es ist einfach immer enger.“
Gleichzeitig ist der Tafelladen seit jeher ein Ort des ehrenamtlichen Engagements. 22 freiwillige Helfer bringen sich in Calw ein. Sie holen die Lebensmittel bei den Supermärkten in der Region ab, befüllen Regale, kassieren und kommen mit den Kunden ins Gespräch.
Das Thema Ehrenamt erhält im Calwer Tafelladen neuerdings eine weitere Dimension: Die Caritas hat jüngst Fördermittel des Landes Baden-Württemberg erhalten, Geld für „die Integrationsarbeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ländlichen Raum“. Die Tafel soll dafür gewissermaßen zur Integrationstafel werden, wo sich auch Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund ehrenamtlich einbringen.
„Diese Menschen finden wir oft in unserer Kundengruppe“, erklärt Vogelmann. Arbeiten sie mit, verbessern sie wie nebenbei ihr Deutsch. Außerdem können sie von der großen Lebens- und Berufserfahrung der anderen Ehrenamtlichen, zumeist Senioren, profitieren.
Calwer kümmern sich um ihre Tafel
Die Förderung ermöglicht auch, dass Ines Roth, die Tafelleiterin in Calw, die neuen Ehrenamtlichen beispielsweise dabei unterstützt, Bewerbungen für Arbeitsstellen zu schreiben. Zumal die Tafel seit Jahren ein Ort ist, wo Langzeitarbeitslose einen ersten Schritt zurück ins Berufsleben gehen.
Unterstützung erhält der Laden auch aus der Bürgerschaft: Sabrina Knufinke, Fachbereichsleitung Existenzsicherung und Teilhabe bei der Caritas, berichtet, dass es Menschen gibt, die gezielt Lebensmittel einkaufen, die im Tafelladen rar sich, diese dann an die Einrichtung spenden. „Die Menschen in Calw kümmern sich um ihre Tafel“, fasst das Ines Roth zusammen.
Wer den Calwer Tafelladen unterstützen möchte, als Spender oder Ehrenamtlicher, der kann sich bei Tafelleiterin Ines Roth, Telefon 0160/8 14 00 48, melden.