Berichten von einen hohen Kundenzustrom im Albstädter Tafelladen (von links): Marktkoordinatorin Ingrid Wess, Monika Hipp, Stabsstelle Kommunikation/Fundraising bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau und Volker Reinauer, Leiter Caritasdienste Teilhabe, Wohnen und Nachhaltigkeit. Foto: Roth

Der Albstädter Tafelladen stößt zunehmend an seine Grenzen: Lebensmittelspenden gehen zurück, während immer mehr Bedürftige hinzukommen.

Der Kundenzustrom in der Albstädter Tafel ist nach wie vor hoch. Seit Oktober des vergangenen Jahres habe der Andrang nochmals zugenommen; zwischenzeitlich musste ein Aufnahmestopp für neue Tafelausweise verhängt werden. Der Grund schlichtweg: „Die Lebensmittel hätten sonst nicht mehr gereicht“, berichtet Volker Reinauer, Leiter der Dienste Teilhabe, Wohnen und Nachhaltigkeit bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau, im Gespräch mit unserer Redaktion.​

 

Von einer zeitnahen Entspannung der Situation im Tafelladen geht er nicht aus. Auch, weil es jüngst wieder zu einer erhöhten Zuweisungen Geflüchteter nach Albstadt gekommen sei. Insbesondere ukrainische Staatsbürger machen weiter einen hohen Anteil an der Kundschaft aus, berichtet auch Marktkoordinatorin Ingrid Wess. Zu den Öffnungszeiten gehe es mittlerweile aber gesitteter zu. Tumultartige Szenen und Warteschlangen bis zum Ziegelplatz – wie zu Beginn der Flüchtlingswelle aus der Ukraine vorgekommen – gebe es nicht mehr.

Tafelladen ist kein Discounter

Die Ukrainer hätten verstanden, dass der Tafelladen kein Lebensmittel-Discounter sei, bei dem jedermann günstig einkaufen darf. „Da ist es in der Vergangenheit teils zu Verwechslungen gekommen“, erklärt Volker Reinauer weiter. Auch die Sprachbarriere sei durch die Unterstützung von einer Hilfskraft im Bundesfreiwilligendienst nun keine unüberwindbare Hürde mehr. 657 Kunden hatte die Albstädter Tafel im September 2025 zu verzeichnen. Zur Einordnung: Versorgt wird damit ein weitaus größerer Personenkreis. Beispielsweise kauft eine berechtigte Mutter auch für ihre Kinder ein. Tafelausweise seien derzeit begehrt, weshalb ein Gremium der Caritas jeden einzelnen Antrag intensiv prüft. Dieses Tafelgremium tagt alle vier bis sechs Wochen, „Nur wer die Kriterien erfüllt, bekommt auch einen Tafelausweis“, macht Volker Reinauer deutlich.

Grundnahrungsmittel fehlen

Denn: Die Lebensmittelspenden aus den Discountern und Supermärkten gehen zurück. Dieser Trend sei schon seit einigen Jahren zu verzeichnen. „Es fehlt vor allem an Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Öl oder Zucker“, berichtet Ingrid Wess von ihrer täglichen Arbeit. Die Warenwirtschaftssysteme der Supermärkte seien effizienter geworden. Dazu verkaufen einige Läden Produkte kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums selbst zu reduzierten Preisen. „Diese Ware kommt nicht mehr zu uns“, betont Volker Reinauer. Brot, Gemüse und sonstige verderbliche Lebensmittel kämen hingegen noch genügend in der Tafel an.

Umso wertvoller angesichts dieser Entwicklung seien daher Spendeninitiativen von Vereinen, Schulen und Unternehmen. „Onstmettingen zeigt Herz für die Tafel“ ist für Volker Reinauer ein solches Vorzeigebeispiel. Durch die Sammelaktion mit Privathaushalten seien in der vorangegangenen Adventszeit bereits zum dritten Mal zahlreiche Spenden in der Albstädter Tafel angekommen.

Ebenfalls heben die Caritas-Verantwortlichen die gute Zusammenarbeit mit dem Albstädter Diakon Michael Weimer hervor. Über ihn sei der Kontakt zu den Lautlinger Vereinen zustande gekommen, die ebenfalls zu den Förderern und Unterstützern der Tafel zählen, auf die man sich verlassen könne. Zu jenen gehöre auch die Walther-Groz-Schule. „Wenn weitere Initiativen folgen, freuen wir uns natürlich sehr“, betont Monika Hipp, Stabsstelle Kommunikation und Fundraising bei der hiesigen Caritas.

Ehrenamtliche gesucht

Sie gibt ein Beispiel, wie auch Spenden aus dem privaten Umfeld hilfreich sein können. Stichwort Haushaltsauflösungen: „Oft werden dort noch haltbare Konserven gefunden, die gerne an die Tafel gespendet werden können.“ Bei größeren Mengen schickt die Tafel auch einen Fahrer, der die Ware abholt. Von Geldspenden werden jedoch keine Lebensmittel hinzugekauft. Denn der Grundgedanke der Tafel soll die Verhinderung von Lebensmittelverschwendung bleiben. Das soll aber nicht heißen, dass Geldspenden nicht erwünscht sind. Auch diese werden im Tafelladen dringend gebraucht. Mit Spendengeldern angeschafft wurde beispielsweise ein E-Transporter, mit dem vier Mal wöchentlich Bäckereien, Supermärkte und Co. abgefahren werden.

Für die Transporter braucht es indes auch ehrenamtliche Fahrer. Wer sich vorstellen kann, diese Aufgabe – auch in Springerfunktion – zu übernehmen, darf sich ebenfalls beim Tafelladen-Team melden. Neben der Arbeit warten auch Ausflüge und Jahresabschlussfeiern auf die Ehrenamtlichen. „Wir haben eine schöne Gemeinschaft“, hebt Monika Hipp die soziale Komponente hervor.

Politik muss handeln

Die Arbeit, die die Caritas mit dem Angebot Tafelladen leistet, bleibt jedoch eine ständige Herausforderung. „Wir leisten etwas, das eigentlich der Staat leisten sollte“, sagt Volker Reinauer. Perspektivisch werde es wohl eine weiter zurückgehende Spendenbereitschaft bei einem gleichzeitigen Zuwachs an Bedürftigen geben. Er fordert daher auch die Politik zum Handeln auf.

„Wir sehen die Sorgen und Nöte der Menschen täglich.“ Die Tafel versuche so gut und gerecht zu helfen, wie es ihre Möglichkeiten zulasse. Nur, und das betont Reinauer, sei es immer noch eine Hilfe auf freiwilliger Basis.