„Die Menschen sollen kommen, wenn sie in Not sind, wir helfen gerne“, sagt Ingrid Haitzmann. Sie ist mit vielen anderen Ehrenamtlichen im Tafel-Team von Sabine Göhring. Foto: Schneider

In Deutschland sind rund 13,3 Millionen Menschen armutsgefährdet. Auch in Sulz ist Armut sichtbar, weiß Sabine Göhring. Ihr Tafel-Team leistet jede Woche 82 Stunden Ehrenamt.

„Wir sind oft Seelentröster, denn die Menschen, die hierherkommen, sind in Not“, beschreibt Ingrid Haitzmann die oft übersehene Arbeit bei der Tafel.

 

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Elisabeth Ruoff, Birgit Simen und Ulrike Hedwig sortiert sie am Dienstagvormittag die Lebensmittel, damit alles reibungslos ablaufen kann, wenn die Kunden ab 13.30 Uhr kommen werden.

Großes Vertrauen

Mitunter seien sie der einzige Kontakt, den die Menschen noch hätten. „Wir machen das schon seit zehn Jahren“, blickt die ehrenamtliche Tafel-Mitarbeiterin zurück. Da könne man sich in die Situation des Gegenübers gut einfühlen.

Und auch wenn bei der Ausgabe mitunter Zeitdruck herrsche, damit jeder zügig an die lebensnotwendigen Sachen komme, nehme man sich eben Zeit für den anderen. „Wir weinen und lachen zusammen“, beschreibt Haitzmann das vertraute Miteinander von Mitarbeitern und Kunden. Und manchmal gibt es auch Kochtipps, was man mit dem, was gerade zur Verfügung stehe, machen könne.

Die Nachfrage ist da

Am Vortag ist eine Lieferung von Edeka aus Balingen angekommen. Nektarinen und Zitronen, aber auch Schnittblumen sind in dem Raum der Tafel aufgereiht. Doch solche Großspenden gebe es nur einmal im Monat. „Auch wir müssen einteilen und dürfen nicht ‚aus dem Vollen schöpfen‘“, kommt Haitzmann auf die Pro-Kopf-Rationierung zu sprechen.

Denn insgesamt hat die Tafel rund 200 Ausweise an tafelberechtigte Personen ausgegeben, von denen rund die Hälfte mehrmals im Monat kommt. „Die anderen sind mitunter aus der Kernstadt weggezogen“, spricht Tafelleiterin Sabine Göhring die Fluktuation an.

Alleinerziehende mit Kind

Doch die, die jeden Dienstag ihre Lebensmittel für die Woche hier abholten, seien immer noch 80 bis 90 Menschen. Darunter sind 38 Alleinstehende – also Ein-Personen-Haushalte – und 41, bei denen vier Leute unter einem Dach leben.

„Der Rest sind Alleinerziehende mit Kind“, erläutert sie. Es gebe aber auch vier Großfamilien, in denen bis zu 17 Personen auf die Tafel-Gaben angewiesen sind.

Viele Stunden Ehrenamt

Und wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, all die Leute mit Lebensmitteln zu versorgen – wobei diese ja erst von den Fahrern bei den Supermärkten abgeholt und dann im Tafel-Raum sortiert werden müssen?

„Wir sind jede Woche gut 82 Stunden beschäftigt“, rechnet Göhring das ehrenamtliche Engagement ihres Teams vor. Im Jahr käme man so – die Weihnachtspause etwa rausgenommen – auf 4100 Stunden.

Hilfe beim Bewerbungsprozess

Doch machten alle diese Arbeit gerne. „Es ist schön, wenn wir jemandem weiterhelfen können“, erklärt sie. So helfe die Diakonie über die Tafel und den Kleiderladen nicht nur bei Essen und Kleidung, sondern biete auch Beratung beim Ausfüllen von Anträgen.

Und das Projekt „WorkINgermany“ sei darauf ausgerichtet, geflüchtete Menschen, die Arbeit suchen und Arbeitskräfte suchende Unternehmen in der Region zusammenzubringen. Hilfe gebe es auch beim Bewerbungen-Schreiben.

Kaum Chancen auf Arbeit

Wie blickt man in Sulz auf die Umstellung vom Bürgergeld auf die Grundsicherung, die in der politischen Debatte vom Bild des scheinbaren „Totalverweigerers“ geprägt war? „Bei den steigenden Preisen ist die Grundsicherung einfach zu wenig“, lautet die Rückmeldung aus der Praxis.

Denn arbeitssuchende Menschen hätten es zur Zeit ohnehin schon besonders schwer. So sind laut Bundesagentur für Arbeit die Chancen für Arbeitslose, eine neue Stelle zu finden, so schlecht wie noch nie. Für Göhring ist „Bildung“der Schlüssel .

„Wir helfen gerne“

„Es braucht schon ganz am Anfang Investitionen in Kindergarten und Schule“, fordert sie. Frühkindliche Bildung wirke sich enorm auf den weiteren Lebenslauf aus. Und die aktuelle Situation in Sulz zeige: Entlassen würden als erstes die, die zeitlich befristet und ohne höhere Fachausbildung angestellt seien, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Und diese stünden dann bei der Tafel um Essen an.

Doch egal, wie der persönliche Hintergrund sei – „Die Menschen sollen kommen, wenn sie in Not sind, wir helfen gerne“, will Haitzmann die Sorge vor dem Gang zur Tafel nehmen.

Geld- und Sachspenden

Finanzielles
Um die Kosten für Strom und Heizung für den Tafel-Raum in der Bergstraße 37 zu decken oder auch selbst benötigte Dinge einzukaufen, ist die Tafel auf Geldspenden angewiesen.

Lebensmittel und Hygiene
Haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker und Konserven, aber auch Nudeln oder Fischdosen können bei der Tafel gespendet werden. Mit Blick auf Ostern darf es auch etwas Süßes für die Kinder sein. Aber auch Hygieneprodukte wie Waschmittel werden gebraucht.