Der Kundenandrang wird immer größer. Für die ehrenamtlichen Helfer ist die Belastung enorm. Foto: Reimer

Immer mehr Bürger kaufen in der Oberndorfer Tafel ein. Die Helfer haben alle Hände voll zu tun. Die Verantwortlichen haben sich zu einer besonderen Maßnahme durchringen müssen.

Oberndorf - Viele Menschen bekommen die Folgen der Inflation immer stärker zu spüren. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Geflüchteten stetig zu. Das hat auch Folgen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Tafel. Auf Anfrage unserer Redaktion erzählt Diakon Thomas Brehm, wie man versucht mit der Situation umzugehen.

Öffentliche Diskussion um Hilfe

Im vergangenen Mai brach eine öffentliche Diskussion aus. Der Kreistag diskutierte um eine finanzielle Hilfe in Höhe von 1000 Euro für die Oberndorfer Tafel. Ukrainische Flüchtlinge, die anfangs noch kein Geld hatten, wurden kostenlos mit Lebensmitteln versorgt. Diese schnelle Hilfe sorgte für ein Loch in der Kasse. Im Juni teilte die Tafel mit, dass Warenspenden stark zurückgegangen seien. Der Vorrat an lang haltbaren Lebensmitteln ging langsam zur Neige, die Regale wurden immer leerer. Zwischenzeitig konnte man keine neuen Tafelkunden aufnehmen.

"Die öffentliche Diskussion löste eine Welle der Solidarität aus", berichtet Brehm. "Wir wurden danach von vielen Menschen auf vielfältige Weise unterstützt." Neben Spenden und Lebensmitteln gab es vor allem auch Zuspruch und Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz der Helfer. "Diese Unterstützung war traumhaft", so Brehm.

Tafeln unterstützen sich gegenseitig

Die Versorgung mit Lebensmitteln sei immer noch etwas angespannt, dennoch habe sich die Lage gebessert. Seit etwa vier Wochen nimmt man auch wieder neue Kunden auf. Brehm lobt auch den guten Zusammenhalt der Tafeln im Landkreis. Man unterstützte sich gegenseitig, stehe sich mit Rat und Tat zur Seite und tausche auch mal Waren aus.

Dem gestiegenen Angebot steht aber eine gestiegene Nachfrage gegenüber. Schon vor der Ladenöffnung bildet sich eine lange Schlange, die auch bis zur Schließung bestehen bleibt. "Für die Helfer ist die Arbeitsbelastung enorm. Die sind abends total fertig. Sie arbeiten am Limit", so der Diakon. Schätzungsweise 600 Kunden hat der Tafelladen derzeit insgesamt.

Farbsystem kehrt zurück

Um die langen Schlangen, die möglicherweise auch eine Hemmschwelle für manche Bedürftige darstellen, aufzulösen, setzt man ab Dezember wieder auf das Farbsystem. Dieses wurde im November 2020 eingeführt, um den Laden auch während der Corona-Pandemie offen zu halten. Der Kundenandrang wurde reduziert, da Bedürftige in Gruppen eingeteilt wurden und ihnen eine Farbe zugewiesen wurde. Jede Farbe kann nur an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit einkaufen. Die Kunden kamen so nur im zweiwöchigen Wechsel zur Tafel.

Die kalte Jahreszeit rückt näher

Doch auch weitere Herausforderungen bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Die angespannte Lage durch die Inflation könne den gesellschaftlichen Zusammenhalt zum Bröckeln bringen, so Brehm. Seine Befürchtung: Es bestehe die Gefahr, dass Tafelkunden ausgegrenzt werden. Das würde die Hemmschwelle zusätzlich erhöhen. "Die Tafel muss aber gemeinschaftlich von der Gesellschaft gestemmt werden", sagt der Diakon.

Eine weitere große Sorge ist der bevorstehende Winter. "Wir schauen mit Bange auf die kalte Jahreszeit." Doch auch da will die Tafel zumindest etwas Abhilfe verschaffen. Im Januar und Februar ist eine Wärmestube geplant. Dort können Tafelkunden im Don-Bosco-Haus zusammenkommen und erhalten warme Mahlzeiten. Aber nicht nur das: "Wir werden ihnen auch Gespräche anbieten und ihnen zuhören. Wir wollen sie beraten und ihnen Hilfestellungen für den Alltag mitgeben", so Brehm.