Silvia Tataranni (links) und Andrea Roth kochen für die Gäste Kartoffelsuppe. Foto: Reimer

"Wir sitzen gemeinsam an einem Tisch" – unter diesem Motto lädt die Wärmestube ins Don-Bosco-Haus ein. Damit auch alle Gäste satt werden, sind die Verantwortlichen auf die Hilfe der Bürger angewiesen. Und diese lassen sie nicht im Stich.

Oberndorf - Ein herrlicher Duft weht am Donnerstagmittag durch das Don-Bosco-Haus. In der Küche sind die beiden Helferinnen Silvia Tataranni und Andrea Roth bereits eifrig zugange. Ein Teller nach dem anderen wird rausgeschickt. Es gibt Kartoffelsuppe. Wer möchte, bekommt noch eine Wurst dazu.

Nicht in der Kälte warten

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Wärmestube ihre Pforten öffnet. Es ist eine Aktion der Tafelverantwortlichen. Kunden sollen nicht mehr in der Kälte ausharren, bis sie im Laden einkaufen können, so die Idee dahinter. Zugleich sind auch alle "anderen" Bürger eingeladen. Man wolle Menschen zusammenbringen und eine vielfältige Gemeinschaft schaffen, sagt Diakon Thomas Brehm.

Etwa 20 Helfer haben sich für dieses Projekt eingefunden. Sie kommen aus Oberndorf und den Stadtteilen, aber auch aus den umliegenden Gemeinden wie Epfendorf oder Dornhan. Darunter seien auch viele Menschen, die man nicht so oft in der Kirche sehe, sagt Brehm. Die Einladung zum Helfen richte sich ebenfalls an alle Menschen, egal welcher Herkunft sie sind oder welcher Religion sie angehören.

Arbeit bereitet Freude

Die beiden Beffendorferinnen Silvia Tataranni und Andrea Roth haben an diesem Donnerstag Küchendienst. Nachdem Tataranni den Vorbericht im Schwarzwälder Boten gelesen hatte, zögerte sie nicht lange. "Die brauchen sicher Hilfe", dachte sie sich. Sie fragte ihre Freundin Andrea, ob sie auch mithelfen will. Auch sie sagte sofort zu. Die beiden Rentnerinnen sahen darin eine Chance, etwas Gutes zu tun, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, sagen sie.

Die Arbeit sei nicht anstrengend und der Aufwand überschaubar. Zugleich habe man auch hinter den Kulissen seinen Spaß. Die beiden Beffendorferinnen werden noch ein weiteres Mal aushelfen und den Gästen Kaffee servieren. Die Wärmestube-Ehrenamtlichen wechseln sich ab und übernehmen unterschiedliche Arbeitsdienste. Sie müssen nicht jeden Donnerstag dabei sein.

Weiter Unterstützung benötigt

Anfang Januar fand das erste Treffen für Helfer statt. "Ich habe nur gehofft, dass ich da nicht alleine bin", erinnert sich Brehm und lacht. Am Ende waren es rund 15 Bürger, die sich engagieren wollten. Die Zahl der Helfer ist inzwischen gestiegen. Immer noch trudeln Anfragen von Bürgern ein, die wissen wollen, wo und wie sie mitanpacken können, erzählt Thomas Brehm. "Der Bedarf besteht weiterhin. Wir brauchen immer noch Unterstützung", sagt er.

Neben Tafelkunden kommen auch Integrationskurs-Teilnehmer in die Wärmestube. Den "gewöhnlichen" Oberndorfer vermisst er noch ein wenig, lässt Brehm durchblicken. Grundsätzlich würde man aber gerne mehr Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen empfangen.

Versuch hat sich schon gelohnt

Einer der Gäste ist der 37-jährige Kancho Kanchev. Er kommt ursprünglich aus Bulgarien und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Ihn hat es vor acht Monaten nach Oberndorf gezogen, weil seine Schwester in Baden-Württemberg wohnt. Neben dem Essen bietet ihm die Wärmestube auch die Chance, mit seinen Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Der 37-Jährige nimmt ebenfalls am Integrationskurs teil. Kommenden Freitag steht eine Prüfung an. Kanchev wird nächsten Donnerstag aber noch eine Lernpause einlegen, um in die Wärmestube zu kommen.

Für ein Fazit sei es noch zu früh, sagt Brehm, man wolle noch die restlichen Termine bis zum 9. Februar abwarten. "Wenn sich dann herausgestellt hat, dass die Wärmestube von den Menschen gebraucht wird, werden wir im kommenden Jahr noch eine Schippe drauflegen", sagt der Diakon. Doch egal wie das Urteil letztlich ausfällt, allein der Versuch habe sich schon gelohnt, weil er die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung verdeutlicht hat. "Von dieser Resonanz bin ich wirklich überwältigt", sagt Thomas Brehm.

Info

Die Wärmestube findet immer donnerstags zwischen 12 Uhr und 17 Uhr im Don-Bosco-Haus statt. Der letzte Termin ist der 9. Februar.