Häufig agieren Kriminelle aus dem Ausland und ziehen auch Ortenauern durch windige Gewinnversprechen bis zu sechsstellige Beträge aus den Taschen – die vermeintlichen Anleger sehen ihr Geld freilich nie wieder. Foto: Armer/dpa

Der durch Online-Anlagebetrug entstandene Schaden hat sich im vergangenen Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg verdreifacht.

Ein 51-Jähriger wird über eine Internetplattform an einen Messenger-Dienst weitergeleitet, wo man ihm empfiehlt, über eine weitere „lukrative Plattform“ eine größere Summe Geld anzulegen. Insgesamt tätig der Offenburger Investitionen in Höhe eines größeren fünfstelligen Betrags. Letztlich wird er durch seine Hausbank auf den Anlagebetrug aufmerksam gemacht. Als er den Betrug erkennt, ist das Geld bereits verschwunden.

 

Der Fall ereignete sich im Sommer 2025 und er steht stellvertretend für eine neue Entwicklung im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg. Das registrierte im vergangenen Jahr eine massive Zunahme des „Cybertrading Fraud“. Dabei versuchen Betrüger über falsche Gewinnversprechen im Internet, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die vermeintlichen Anleger sehen ihr Investment nie wieder.

„Das ist Kapitalanlagebetrug in neuem Gewand“, erläuterte Polizeivizepräsident Sigurd Jäger, Leiter des Führungs- und Einsatzstabes, bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2025. Demnach verdoppelten sich gegenüber 2024 die Fallzahlen beim Kapitalanlagebetrug im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums, also im Ortenaukreis, dem Landkreis Rastatt und Baden-Baden. Die Schadenssumme verdreifachte sich im vergangenen Jahr sogar beinah auf rund 14 Millionen Euro.

Täter wecken Gier der Opfer durch Gewinnversprechen

Das Muster, nach dem die meist ausländischen Täter dabei vorgehen, ist oft das gleiche. Und immer häufiger spielt auch Künstliche Intelligenz eine Rolle. „Mit KI wird ein Video von irgendeinem Prominenten generiert, der einen brandheißen Anlagetipp propagiert“, erläuterte Jäger. Das Video kursiere dann unter anderen in den Sozialen Medien und locke Nutzer auf unseriöse Webseiten oder Chatgruppen. „Man denkt, man befindet sich auf einer richtigen Handelsplattform aber letztendlich geht alles in die Taschen der Täter.“

Diese wecken mit hohen oder gar unrealistischen Renditeversprechen die Gier ihrer Opfer. Oft fange es mit niedrigen Beträgen oder etwa 100 Euro an und könne dann zu mehreren 100 000 Euro Schaden führen. „Eine gesteigerte Gewinnorientierung kann zum Verlust der Besonnenheit führen“, konstatierte Jäger und mahnte: „Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wohl auch nicht.“

Der „Cybertrading Fraud“ wird vom Polizeipräsidium als Teil der Cyberkriminalität erfasst. Zwar sticht der Online-Anlagebetrug dabei besonders hervor, dennoch zählen eine ganze Reihe weiterer Delikte und auch Betrugsmaschen in diese Kategorie.

Im vergangenen Jahr registrierte das Offenburger Präsidium in seinem Zuständigkeitsbereich rund 3290 Fälle von Cyberkriminalität, fast sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Derweil stieg die Zahl der Fälle landesweit minimal an.

Täter sitzen häufig im Ausland – insbesondere auf Malta

Hinzu kommen aber die Fälle, bei denen der Ort der Straftat im Ausland liegt, ein Erfolg aber zumindest teilweise in Deutschland eingetreten ist. Für das vergangene Jahr führt die Kriminalitätsstatistik weitere 4615 solcher Delikte auf. Aus dem Inland begangene Cyberkriminalität umfasst meist Betrugsdelikte, Straftaten rund um Kinderpornografie oder Erpressung. Aus dem Ausland heraus werden vor allem die neuen Betrugsmaschen angewandt – etwa Schockanrufe, falsche Polizeibeamte oder eben der „Cybertrading Fraud“.

Durch die Cyberkriminalität aus dem Ausland entstand vergangenes Jahr mit 21 Millionen Euro drei Mal so viel Schaden, wie durch die Inlands-Delikte in diesem Bereich. Während die Aufklärungsquote bei den Inlandsstraftaten bei rund 63 Prozent liegt, konnten die Offenburger Beamten 2025 nur weniger als vier Prozent der aus dem Ausland heraus begangenen Straftaten aufklären. „Wir haben hier diese geringe Aufklärungsquote, weil uns da schlichtweg Grenzen gesetzt sind“, erläuterte Polizeivizepräsident Sigurd Jäger.

Appell an die Bürger

Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, sich nicht von hohen Gewinnversprechen blenden zu lassen. „Vertrauen Sie Ihr Geld ausschließlich seriösen Anbietern an. Lassen Sie sich aussagekräftige Referenzen nachweisen“, heißt es vom Polizeipräsidium. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und zum Vertragsabschluss drängen.“ Produkt-Zertifizierungen seien vor allem Werbemittel und böten keine Gewähr für Seriosität.