Barbara Wäldele, hier in der Weiler Innenstadt, erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung an ihre große Zeit als Musicaldarstellerin in „Cats“ Foto: Siegfried Feuchter

Barbara Wäldele hatte vor 40 Jahren als Katze „Victoria“ ihren Auftritt bei der Deutschland-Premiere des Musicals „Cats“. Ein Durchbruch für ihre Karriere.

Barbara Wäldele, die sich als vielseitige Künstlerin einen Namen gemacht hat, ist Mitte der 1980er Jahre unter 800 Bewerbern als eine von 22 Darstellern für das Musical „Cats“ ausgewählt worden. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sie sich an die Zeit im Hamburger Operettenhaus.

 

Vor genau 40 Jahren feierten Sie in der anspruchsvollen Rolle als weiße KatzeVictoria“ in der Erstbesetzung glanzvolle Auftritte. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

Das war ein Wahnsinns-Spektakel. Für die Premiere, bei der auch Komponist Andrew Lloyd Webber anwesend war, hatte ich zwei Freikarten bekommen. Die eine gab ich meiner Mutter, die andere meinem damaligen Freund und späteren Mann Detlef Hoppmann.

Vorbereitungen und die Auftritte waren schon sehr anstrengend. Sechs Wochen vor der Premiere hatten wir jeden Tag acht Stunden lang geübt. In der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ kam ein mehrseitiger Bericht über mich als weiße Katze „Victoria“, die eine tänzerische Hauptrolle hatte, immer vorne auf der Bühne agierte und somit im Blickfeld stand.

Hatten Sie kein Lampenfieber?

Doch – bei den Soloauftritten, die am Anfang der Musical-Aufführung standen. Diese waren eine Herausforderung und erforderten totale Konzentration und starke mentale Vorbereitung. Ich war im Übrigen mit meinen damals 20 Jahren nicht nur die jüngste auf der Bühne, sondern auch eine der wenigen Darsteller, die eine klassische Ballettausbildung vorweisen konnte.

Die meisten Musical-Darsteller kamen aus den USA und England. Wie haben Sie es geschafft, an diese Rolle der Katze „Victoria“ zu kommen?

Das war kurios. Als Mitglied des Schweizer Kammerballetts war es schon immer mein Traum, einmal bei Musicals mitzuwirken. Eine englische Ballettkollegin und Freundin wies mich darauf hin, dass für die deutsche Erstaufführung von „Cats“ 22 Darstellerinnen und Darsteller gesucht werden.

Also bewarb ich mich wie noch 800 weitere Personen. Für das anstehende Casting bekam ich von meinem Jazztanzlehrer Fred Mazaudou, ein sehr guter Lehrmeister wie auch mein Mann als Ballettmeister, wertvolle Tipps. So fuhr ich bestens vorbereitet nach Hamburg zum Auswahlverfahren, bei dem ich mich an zwei Wochenenden einer Jury stellen musste.

Welche Anforderungen mussten Sie erfüllen?

Ich musste singen und tanzen, außerdem Katzenbewegungen imitieren. Der Vorsitzende der Jury war Stanley Lebowsky aus New York, der musikalische Leiter der Originalproduktion. Und der Produzent von „Cats“ kam hinterher auf mich zu und sagte: „Woher kommst Du? Du bist gut“.

Wussten Sie dann schon, dass Sie zu den Auserwählten gehörten?

Nein. Als ich auf dem Heimweg im Zug war – damals gab es ja noch keine Handys – erhielten meine Eltern in Weil am Rhein den Anruf mit der Zusage, dass ich die Rolle der weißen Katze „Victoria“ spielen werde. Mein Vater besorgte sofort weiße Rosen, um mir bei meiner Ankunft in der Friedrichstraße die freudige Nachricht zu überbringen.

Dies tat er freudestrahlend mit der Begrüßung „Hallo Victoria“. Ganz Weil stand damals Kopf, dies zumal, als dann in der „Hörzu“ der große Bericht und mehrere Fotos über mich erschienen sind.

In der Folgezeit standen Sie täglich vor ausverkauftem Haus im Rampenlicht. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Es war eine aufregende, aber sehr anstrengende Zeit. Dreieinhalb Stunden musste ich pro Auftritt tanzen – so lange dauerte die Show. Mit Ausnahme vom Montag, meinem freien Tag, stand ich jeden Abend auf der Bühne des ausverkauften Operettenhauses. Und samstags und sonntags gab es je zwei Vorstellungen.

Barbara Wäldele 1986 als Katze „Victoria“ Foto: Ralf Brinkhoff

Die Belastung war enorm. Äußerste Disziplin und harte Arbeit waren unerlässlich. Training, Vorbereitung, Show – so ging es Tag für Tag. Schon bald konnte ich nur noch mit Schmerzspritzen auftreten, weil ich Probleme mit meinem rechten Knie bekam. Ich habe in dieser Zeit auch viel Fan-Post erhalten. Ein Fan aus Hamburg war so begeistert, wie ich die Rolle der „Vi ctoria“ gespielt und getanzt habe, dass er jeden Donnerstag die Vorstellung besuchte und in der ersten Reihe saß.

Wie lange haben Sie die körperliche Tortur durchgehalten?

Nach knapp eineinhalb Jahren musste ich leider aufhören. Ich hätte gerne weitergemacht, auch wenn das Privatleben dadurch stark eingeschränkt war. Ich war damals gerade mit Detlef Hoppmann, meinem späteren Mann, liiert, der alle zwei Wochen nach Hamburg kam. Doch es ging beim besten Willen nicht mehr, ich musste mein Knie operieren lassen.

Denken Sie trotzdem gern an diese Zeit zurück?

Unbedingt. Gerade jetzt in diesen Tagen, da sich die Premiere von „Cats“ in Deutschland zum 40. Mal jährt, schaue ich mir die Alben, Fotos und Zeitungsausschnitte wieder an. Da werden Erinnerungen wach. Ich konnte dank „Cats“ meine Leidenschaft fürs Tanzen und Singen zu meinem Beruf machen.

War „Cats“ der Durchbruch für Ihre weitere Karriere?

In jedem Fall. Nach meiner OP trat ich zehn weitere Jahre in Musicals auf und war in vielen Musical-Metropolen Europas dabei. Nach „Cats“ spielte ich beispielsweise in „My fair Lady“, „Cabaret“ und „Jesus Christ Superstar“. Toll war auch die Rockoper über das Leben von John F. Kennedy, in der ich in Münster die Hauptrolle der Marilyn Monroe spielte, ebenso in Anatevka als Tochter Chava. Und besondere Erlebnisse waren eine Mexiko-Tournee mit dem Schweizer Kammerballett und die zweimal jeweils drei Monate dauernden Aufritte als Showtänzerin auf dem Kreuzfahrtschiff der MS Europa.

Was machen Sie heute? Sind Sie noch als Sängerin, Tänzerin und Gesangslehrerin aktiv?

In Sachen professionelles Tanzen habe ich eine Pause eingelegt, tanze jetzt nur noch aus Spaß an der Freude. Heute konzentriere ich mich vorwiegend auf meine Tätigkeit als diplomierte Gesangslehrerin. Ich gebe weiterhin an der Freien Evangelischen Schule in Lörrach Unterricht, ebenso in meinem privaten Studio in Basel.

Meine Tätigkeit als Dozentin für Jazztanzkurse an der VHS Weil am Rhein, die ich 32 Jahre lang gegeben habe, beendete ich unlängst, nachdem mein Mann seine Ballettschule nach 50 Jahren aufgegeben hatte. Immer wieder trete ich unter anderem im Pflegeheim Markgräflerland auf, wo meine 95-jährige Mutter lebt. Am 10. Mai gebe ich dort ein Muttertagskonzert. Heute bin ich nicht mehr so stark auf meinen Beruf fixiert wie noch vor einigen Jahren. Jetzt mit 61 Jahren sind mir Gesundheit und persönliches Wohlbefinden wichtiger. Ich will das Leben genießen.