Das Angebot steigt – und immer mehr geraten schon jüngste Kinder in Kontakt mit digitalen Medien. Bei einem Vortrag erhielten Eltern Tipps für einen sinnvollen Umgang mit dem Thema.
Medienbildung für Eltern ist ein wichtiges Thema, das inzwischen auch die Eltern von Kindergartenkindern beschäftigt. Dementsprechend groß war vergangene Woche das Interesse von Eltern und auch Erzieherinnen der Kita Am Bondelbach an einem Infoabend zum Thema – so groß war die Resonanz gar, dass Kita-Leiterin Brigitte Willmann die Veranstaltung von der Kita in den großen Saal des Dorfhauses verlegte.
Sebastian Eisele vom Kreismedienzentrum erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass er eigentlich von Schulen zu diesem Thema angefragt werde, Kitas inzwischen aber auch mehr und mehr Bedarf an einem Informationsabend anmelden. Eisele, eigentlich Pädagoge, aber mit Medien erfahren, ist inzwischen im Kreismedienzentrum tätig und erfährt selbst mehr und mehr, was Eltern und auch Erzieherinnen im Umgang mit ihren Kindern und Medien umtreibt.
Alle Eltern im Dorfhaus hatten ihre Handys mitgebracht. Das war auch gut so, wurden sie doch von Eisele eingebunden und konnten sich zu den verschiedenen Themen über die an die Leinwand projizierten QR-Codes einloggen und ihre Fragen und eigene Antworten einbringen.
„Begleiten statt verbieten“ und „Nimm mich mit in Deine Welt“ – mit diesen Grundsätzen stieg Eisele ein. „Was schauen und hören Ihre Kinder, vielleicht hatten Sie schon Streit darüber mit Ihren Kindern“, begann er und betonte: „Was wir tun, prägt unsere Kinder.“ Die zugehörige Frage auf der Leinwand: „Was haben Sie zuhause?“ Darauf antworteten die Altern schriftlich, wonach 95 Prozent Handys haben, 95 Prozent Fernsehen und 48 Prozent – vor allem Haushalte mit älteren Kindern – Konsolen. Eltern seien Vorbilder für ihre Kinder, betonte Eisele.
Altersgerechte Themen
Kinder im Kindergartenalter, die sich schon viel mit Fernsehen und Handy beschäftigen, haben täglich Turbulenzen im Kopf. „Dann kommen sie in die Schule und der Lehrer sagt: ‘Mal mal ein L oder ein M‘, und das immer wieder. Da gibt es plötzlich keine Turbulenzen mehr im Gehirn“, erläuterte Eisele.
Wichtig sei das Begleiten der Kinder, um darauf zu achten, was sie schauen: „Achten Sie auf altersgerechte Themen, auf wenige und langsame Schnitte, auf Interaktivität, raten Sie mit“, gab er den Eltern mit an die Hand. Es sei wichtig, dass sich die Kinder kompetent fühlen. „Also stellen Sie mal Fragen an Ihre Kinder, selbst wenn wir es eigentlich wissen“, gab er den Eltern an die Hand.
Wie viel Kontrolle ist nötig?
Es sei eine Gratwanderung, den richtigen Weg zu finden, wusste Eisele aus eigener Erfahrung mit seinen Kindern: Immer kontrollieren bringe nicht viel, wenn man gar nicht kontrolliere, verliere man den Kontakt. Eisele zeigte ein Videoclip voller übertriebener Gewalt, bei dem am Schluss ein Mann das Kind an die Hand nahm und verschwand: „Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen“, machte Eisele klar.
Doch Vorsicht sei nicht nur beim Konsum geboten: „Wenn Sie Ihre Kinder in Medien posten, können sich diese Bilder verselbstständigen und schaden Ihren Kindern. Seien Sie damit vorsichtig“, mahnte er.
Genug Alternativen zum Handy
Er empfahl handyfreie Zonen und Zeiten, etwa beim Essen oder im Bad. Nichts sei schlimmer, als wenn Eltern sprachlos am Tisch sitzen und jeder auf sein Handy starrt, während das Kind ausgeschlossen mit am Tisch sitzt, nannte Eisele ein Beispiel. Alternativen gebe es genug: etwa eine Bücherei, Lego oder das „Alleswisser-Brettspiel“, das analoges und digitales Spielen verbinde.