„Das was man dafür opfert, ist kein Vergleich zu dem, was man dadurch schenkt“, sagt Tabea Thiel aus St. Georgen über die Stammzellspende. Sie muss es wissen: Über die DKMS hat sie ihren genetischen Zwilling im Kampf gegen Blutkrebs unterstützt.
Eigentlich will Tabea Thiel ihre Stammzellspende nicht an die große Glocke hängen, denn sie hält sie für keine große Sache. „Ich habe mich damals typisieren lassen – also war klar, dass ich auch spenden werde, wenn es wirklich so kommen sollte“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb musste Thiel nicht lange überlegen, als im vergangenen Dezember ein Päckchen der DKMS vor ihrer Haustür stand. „Man sollte sich telefonisch melden“, erinnert sie sich – und das tat Thiel. Die Nachricht: Thiel kommt als potenzielle Stammzellspenderin für einen Menschen, der an Blutkrebs erkrankt ist, infrage.
„Ich war schon ein bisschen überrascht“, sagt Thiel. 2019 hatte sie sich zusammen mit ihrem Partner je ein Typisierungsset der DKMS nach Hause schicken lassen. Seitdem ist ihr Name in der Stammzellspenderdatei hinterlegt. Den Ausschlag dafür, sich zu registrieren, hatte 2018 die Geburt ihrer Tochter gegeben, erinnert sich Thiel. Im Internet hatte sie von Kindern erfahren, die an Blutkrebs erkrankten. „Da fühlt man als Mutter richtig mit.“ Daher ließ Thiel sich typisieren. Seit 2019 war die Registrierung bei der DKMS in Thiels Gedanken in den Hintergrund gerückt. Und dann war das Thema plötzlich ganz aktuell.
Weitere Untersuchungen ebnen den Weg
Für Thiel begann eine aufregende Zeit – und auch eine, in der sie viel abwarten musste. „Die Zeit vor der Spende war ganz komisch“, erinnert sie sich. Denn zunächst einmal musste sichergegangen werden, dass die St. Georgenerin auch wirklich als Spenderin infrage kommt. Es wurde Blut abgenommen und ins Labor geschickt. Kurz darauf lag das Ergebnis vor: Thiels Gewebemerkmale stimmten mit dem Patienten überein – gute Nachrichten, die den Weg zur Stammzellspende weiter ebneten. Weiter ging es zwei Wochen vor dem Spendetermin mit einer großen Voruntersuchung, erklärt Thiel. Auch die verlief reibungslos.
Die Spende dauert insgesamt fünf Stunden
Einer Spende stand nichts mehr im Weg – wenn Thiel es denn wollte. Denn die Wahl lag stets bei ihr, betont sie im Nachhinein. Dennoch: „Für mich war gleich klar, dass ich spenden will“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Und dann war der große Moment gekommen: Etwa fünf Stunden dauerte die Spende, erinnert sich Thiel, der die Stammzellen übers Blut entnommen wurden.
Stammzellspende ging in die USA
Von der Betreuung durch die DKMS war sie begeistert: „Die haben sich alle Zeit der Welt genommen“, erinnert sie sich, haben im Vorfeld Fragen beantwortet und das Vorgehen erklärt. „Da habe ich mich von Anfang an gut aufgehoben gefühlt“ – und das riss auch nach Thiels Stammzellspende nicht ab.
Mittlerweile weiß die St. Georgenerin auch, dass sie an einen Mann aus den USA gespendet hat – im Vorfeld der Spende war noch alles anonym gewesen, erklärt sie. Auch die Nachricht, dass ihre Spende angekommen sei, ging schnell ein. Dennoch heißt es jetzt noch warten: Erst nach mehreren Monaten wird klar sein, ob die Stammzellspende geholfen hat, den Gesundheitszustand des Patienten zu verbessern. Thiel ist schon gespannt.
Gerade junge Menschen werden gesucht
Nun ruft Thiel andere auf, sich typisieren zu lassen
Die St. Georgenerin ruft nun aktiv dazu auf, sich bei der DKMS typisieren zu lassen. „Gerade junge Leute werden gesucht“, weiß sie. Ab 17 Jahren kann man sich bei der DKMS registrieren; ab 18 Jahren ist eine Spende möglich. Aber auch im fortgeschrittenen Alter bis einschließlich 61 Jahre kann man noch Stammzellen spenden. „Man sollte sich in das Thema einlesen, sich informieren“, rät Thiel. „Die Entscheidung sollte man nicht leichtfertig treffen.“ Für sie selbst aber, ist die St. Georgenerin sich sicher, war es die richtige.