Ein Brand in einer Holz-Firma, vier Mitarbeiter werden vermisst: Das war das realistische Szenario, das die Feuerwehr Mahlberg bewältigen musste.
Um kurz nach 15 Uhr wurde es am bis dahin ruhigen Samstag in Mahlberg plötzlich höchst lebendig: Mit Blaulichtern und Sirenen steuerte Feuerwehr mit ihren Lösch- und Einsatzfahrzeugen die Firma Sperrholz-Guth in der nördlichen Industriestraße an. Glücklicherweise brannte es dort nicht – aber für die Jahresabschlussübung der Mahlberger Feuerwehr hatte sich hier Martin Müller als Planer ein sehr realistisches Szenario einfallen lassen: Ein entstandener Brand in einem Technikraum, der drohte, auf Teile einer sehr großen Lagerhalle überzugreifen. Beim zügigen Eintreffen der Wehr galten zudem vier Mitarbeiter als „vermisst“.
Wie stets in solchen ernsthafteren Fällen war schon vorab sogleich auch die Kippenheimer Nachbarwehr von der Offenburger Leitstelle mit alarmiert worden, wie es die aktuelle Ausrückordnung bei solchen Sachlagen zur Unterstützung vorsieht. Das Geschehen am Mahlberger Ortsrand gestaltete sich dann bilderbuchmäßig. Einsatzleiter Stefan Waldinger dirigierte nicht nur die eingetroffenen beiden Mahlberger Löschfahrzeuge an den ersten Brandherd, sondern sogleich auch drei folgend weitere Löschfahrzeuge der Kippenheimer Wehr, die dann einen rückwärtigen Löschangriff samt Riegelstellung zu Nachbargebäuden übernahmen. Als Zugführer fungierten hierbei souverän der frühere Mahlberger Kommandant Rolf Ackermann und auf Kippenheimer Seite Torsten Hurst. Wie es sich zwingend gehört, wurde vorrangig mit absoluter Priorität vor weiteren Löschmaßnahmen zuerst nach den „Vermissten“ gesucht. Dabei waren dann von insgesamt 50 aktiven Einsatzkräften der beiden Nachbarschaftswehren im Wechsel 16 Atemschutzträger im Einsatz. Bald wurden zwei Mitarbeiter aus dem ersten Stock eines Bürotraktes per zusätzlich angeforderter Ettenheimer Drehleiter gerettet. Damit wurde dann auch die weitere Brandbekämpfung von oben aufs Hallendach vorgenommen, während am Boden von zwei Seiten her mit mehreren Angriffstrupps schließlich der „Brand“ eingedämmt werden konnte. Längst waren auch zwei weitere Angestellte aufgefunden worden und sogleich der DRK-Bereitschaft, geleitet von Britta Hiller, zur weiteren Betreuung übergeben worden.
Löschtrupp wird für den gelungenen Ablauf gelobt
Das für Laien schwer verständliche komplexe Geschehen hatte Frank Riedel durchgehend per Lautsprecheransagen fachkundig kommentiert, bis hin zu einem späteren „Mayday“-Notrufs eines Atemschutzträgers, wie es auch in der Realität vorkommen kann. Riedels interessante Erläuterungen kamen gut an, denn zur spektakulären Übung am trüb-kalten Samstag hatten sich überraschenderweise doch nahezu 100 Zuschauer eingefunden, darunter zahlreiche Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Natürlich fehlten uniformierte Kameraden der Mahlberger Altersabteilung mit besonders scharfem Blick auf die Abläufe ebenso wenig.
Übung wurde in weniger als zwei Stunden gemeistert
Schließlich hieß es nach weniger als zwei Stunden: „Wasser halt“, „Feuer aus“ und schließlich noch „zum Abmarsch fertig“ – etwa mit Einrollen der Schläuche. Bei der noch vor Ort angesetzten internen Manöverkritik hatte Lahrs Kreisbrandmeister Thomas Happersberger als spezieller Beobachter nichts Wesentliches auszusetzen. Er lobte den komplexen Übungsablauf als realistisch und bestens beherrscht.
Dem schloss sich später auch Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz als oberster Feuerwehr-Dienstherr an. Demnach sei die Wehr gewohnt schlagkräftig und gut ausgerüstet. Auch die seit mittlerweile neun Jahren praktizierte Zusammenarbeit mit den Kippenheimern habe sich bestens bewährt, insbesondere bei ernsthaften gemeinsamen Einsätzen, zeigte sich Benz zufrieden.
Info – Feuerwehr wünscht sich mehr Verständnis
Am Rande des Geschehens sprach Kommentator Frank Riedel ein Anliegen der Feuerwehr an: Demnach würden sich immer wieder Bürger darüber beschweren, dass die Feuerwehr beim Ausrücken mit ihren Sirenen „Lärm“ mache und sie damit insbesondere nachts beim Schlafen störe. Der stellvertretende Mahlberger Kommandant Stefan Waldinger bestätigt das aktuelle Beschwerde-Geschehen. Man sei sehr irritiert über so viel Unverständnis. Schließlich rücke man nicht aus Privatvergnügen zu Einsätzen aus, sondern sei gesetzlich gehalten, dabei „Alarmierungssonderrechte im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ wahrzunehmen, nämlich mit Blaulichtern und nicht nur lautlosen Martinshörnern. Die Feuerwehr dürfte bei vermuteten Menschenrettungen und Gefahren für die öffentliche Sicherheit in höchst gebotener Eile nicht einfach ihre Sirenen abschalten, nur weil ein Anwohner dadurch aus dem Schlaf geschreckt würde. Riedel und Waldinger sind sich einig: Man bitte um mehr Verständnis, dass es bei ihren vergleichsweise seltenen Einsätzen nicht ohne Martinshorn abgehen könne und dürfe.