Klassische Rebellen oder Klassik-Rebellen – in jedem Fall gefiel’s dem Publikum in Villingen-Schwenningen außerordentlich gut. Foto: Cornelia Spitz

Klassik trifft Club – die Symphoniacs lassen Bach, Beats und Laser verschmelzen und verwandeln die Neue Tonhalle in Villingen in einen euphorischen Dancefloor.

Bach und Beats, melodiös und martialisch, flüsterleise und fortissimo, stockdunkel und strahlend hell – im Konzert der Symphoniacs am Donnerstagabend in der Neuen Tonhalle in Villingen zogen sich Gegensätze magisch an. Und das wurde gefeiert: Begeisterungsstürme im Publikum und eine Tonhalle, die zum Club mutierte – das Konzertkonzept ging mehr als nur auf.

 
Die Symphoniacs auf der Tonhallen-Bühne – 08/15 war hier gar nichts. Foto: Cornelia Spitz

Wer sich neugierig auf das internationale Ensemble einließ und nicht davor zurückschreckte, dass klassische Musik und teils 300 Jahre alte Stücke wie etwa Johann Sebastian Bachs Suite No. 2 unerschrocken neu interpretiert wurden, der war hier richtig. Womöglich würde sich der gute alte Meister ein Jahr nach dem Bach-Jahr, das dem 275. Todestag des musikalischen Genies gewidmet war, im Grabe herumdrehen – oder aber es träfe seinen Nerv, denn Bach selbst galt schließlich auch oft als unangepasst, brillant und virtuos und hat schließlich das barocke Musikverständnis allen Unkenrufen zum Trotz eigenwillig weiterentwickelt. Nichts anderes tun im Grunde die Symphoniacs um ihren Kopf und Gründer, den Produzenten, Komponisten und Electronic-Artist Andy Leomar.

Könner statt Stümper

Gegründet in Berlin, zusammengewürfelt aus Madrid, Wien, Graz und Berlin, ist die Band aber nicht nur international besetzt, sondern auch hochwertig.

Mit klassischen Instrumenten wie diesem Cello sind die Profimusiker ganz unkonventionell unterwegs. Foto: Cornelia Spitz

Leomar selbst ist ausgebildeter klassischer Pianist – und um sich scharte er offenbar nicht minder fähige weitere Musiker. Stümper sind hier nicht am Werk – im Gegenteil. Trotz aller Wucht und Lautstärke fein aufeinander abgestimmt brillierten die Musiker mal solo, dann wieder als bestens sortiertes Ensemble mit fließenden Übergängen und außerordentlicher Dynamik.

Da werden unter zuckenden Laserstrahlen und vor modernster mal knall-bunter, dann wieder monochromer Lichtkulisse Club-, Techno- und Elektro-Elemente mutig mit klassischer Musik gemischt, und zu einer ganz klassischen Besetzung mit Geigern, Cellisten und Pianisten stoßen Synthesizer und Drumcomputer, elektronische Phrasen und Beats hinzu.

Fein abgestimmt aufeinander – trotz aller Wucht. Da sind Könner am Werk. Foto: Cornelia Spitz

So tasten die Symphoniacs, die sich zurecht als Klassik-Rebellen bezeichnen, aber nicht nur die Werke alter Meister von Mozart bis Vivaldi an, sondern auch moderne Stücke, etwa von Coldplay (A sky full of stars), Alan Walker (Faded) oder Robin Schulz.

Ein Freischein

Wagen die Symphoniacs auf diese Weise auch tatsächlich Unerhörtes, so wurde es am Donnerstagabend in Villingen-Schwenningen aber doch denkbar begeistert gehört: „Ihr seid krass“, brach es unvermittelt lauthals, mitten im Konzertabend, aus einer begeisterten Besucherin aus den hinteren Reihen heraus. Andere, die es nicht mehr auf den Stühlen hielt, ließen ihrem Bewegungsdrang im Seitengang freien Lauf – und eine große begeisterte Menge strömte während der drei Zugaben zur Bühne, um die Symphoniacs zu feiern und einen erfrischend anderen Konzertabend zum euphorischen Cluberlebnis werden zu lassen. Die Eintrittskarte zum Konzert war gleichzeitig ein Freischein, auch klassische Musik nicht nur ernst zu nehmen, Spaß zu haben, auszuflippen, mal jauchzend, dann wieder ganz melancholisch in Licht- und Klangwelten zu versinken.