Papst Franziskus starb am Ostermontag. Foto: Evandro Inetti/ZUMA Wire/dpa/Evandro Inetti

Die Verantwortlichen im katholischen Dekanat Calw und in den Seelsorgeeinheiten berichten, was sie vom verstorbenen Papst Franziskus hielten und was sie sich von seinem Nachfolger wünschen.

Der Tod von Papst Franziskus bewegt auch die Katholiken im Landkreis Calw. Trotz seines Amtes blieb der Argentinier ein Seelsorger und ein Mensch, der anderen Menschen zugewandt war. Da sind sich die Verantwortlichen im Dekanat Calw und in den Seelsorgeeinheiten (SE) einig.

 

Fünf SE formen das katholische Dekanat Calw, vier davon liegen auch im Landkreis. Allerdings: Zur SE Bad Herrenalb gehört Loffenau im Kreis Rastatt. Die Seelsorgeeinheit 4 umfasst die Enzkreis-Kommunen Neuenbürg, Birkenfeld, Straubenhardt und Engelsbrand.

Der Dekan

Pfarrer Markus Ziegler aus Herrenberg steht momentan als kommissarischer Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks. Für ihn war Franziskus „ein glaubwürdiger Zeuge der christlichen Botschaft“. Der Papst sei authentisch, liebenswürdig, aber auch unbequem gewesen. „Einer, der die Menschen am Rand im Blick hatte, ein Seelsorger“, meint Ziegler.

Als Papst habe der Südamerikaner den Blick in der katholischen Kirche weg von Europa auf andere Erdteile gelenkt. „Wir sind Weltkirche.“ Aus Sicht von Markus Ziegler hat Franziskus so den „global Player Katholische Kirche noch globaler gemacht“.

Was für einen Papst er sich nun erhofft? Dazu schreibt Markus Ziegler, mit Blick auf die Kirche wie mit Blick auf die Welt, dass er hoffe, dass beide genau den Papst brauchen werden, der jetzt gewählt wird.

Oberes Nagoldtal

Pater Peter Leonard Arulanandhamani ist Pfarrverweser in der Seelsorgeeinheit 1, Oberes Nagoldtal. „Ein guter Mann mit großer Liebe zu Christus“, nennt der Pfarrer aus Nagold den Verstorbenen. Für ihn zeigte sich das vor allem an dessen Einsatz für die Armen.

„Papst Franziskus hat während seines Pontifikats wichtige Akzente gesetzt und innovative Ansätze verfolgt“, meint der Priester. Dazu zählt er die Reform der Kurie, die Förderung der sozialen Gerechtigkeit, den Umweltschutz, insbesondere durch seine Enzyklika „Laudato si“, und die Reformen im Umgang mit Missbrauch.

Franziskus’ Spuren und Botschaften wirken aus Sicht des Paters weit über die katholische Kirche hinaus. „Zu seinen wichtigsten Anliegen gehören die Sorge für die Armen und Schwachen sowie der Schutz der Schöpfung. Darüber hinaus hat er die Bedeutung von Barmherzigkeit, Nähe zu den Menschen, Mitgefühl und Empathie betont.“

Aus seiner Sicht braucht die Kirche einen Papst, „der die Botschaft von Papst Franziskus weiterführt und das, was er begonnen hat, vertieft“ – etwa die Stärkung der Orts- und Weltkirche, Ökumene, interreligiöser Dialog, die Nähe zu den Menschen oder die Förderung der Rolle der Frau.

Calw – Bad Liebenzell

In der Seelsorgeeinheit 2, Calw – Bad Liebenzell, wirken Diakon und Pfarrbeauftragter Bertram Bolz in der Hesse-Stadt und Gemeindereferentin und Pfarrbeauftragte Andrea Bolz in Bad Liebenzell. Auch Bertram Bolz stellt heraus, dass Franziskus als Südamerikaner eine andere Sicht auf die Weltkirche mit sich brachte – und dass er immer ein Seelsorger geblieben ist.

„Seine privaten Anrufe bei ganz unterschiedlichen Menschen sind dafür ein guter Beleg.“ Andererseits habe sich der Papst als Reformer versucht, dem es gelungen sei, das ein oder andere Türchen zu öffnen. „Der aber oft auch wieder zurückstecken musste, weil ihm andere in dieser Kirche die Gefolgschaft verweigert haben. Da blieb so manche Hoffnung unerfüllt.“

Franziskus habe für eine Kirche gestanden, die eine neue Offenheit praktiziere – auch was das Thema Missbrauch betrifft – und „sich rigoros auf die Seite der Armen, der Flüchtlinge, der Bewahrung der Schöpfung stellt“. Dass Politiker der katholischen Kirche heute vorwerfen, sie sei zu politisch, das sei mit ein Verdienst von Franziskus, „der uns Christen – haupt- und ehrenamtlich – dazu immer neu ermutigt hat, Position zu beziehen und zu wichtigen Themen nicht zu schweigen“.

Bolz wünscht sich, dass der „neue Papst den Weg des synodalen Miteinanders fortsetzt“ und „die kleinen Pflänzchen, die Franziskus gezogen hat“, gießt und weiter stärkt. Die Bewahrung der Schöpfung, die Frage nach Migration und der Klimawandel sieht er als weitere wichtige Themen. „Und: Es kann kein Regieren mehr auf der Basis geben, was sich manche konservative Katholiken gerne wünschen – einen Papst mit Tiara – und einer Hierarchie, die allein die Richtung vorgibt.“

Oberes Enztal

An der Spitze der Seelsorgeeinheit 3, Oberes Enztal, steht Pater Paul Kalarickal. Für ihn war Papst Franziskus ein „Symbol des Mitgefühls und der Demut“. In jeder Hinsicht sei er ein Papst des Volkes gewesen. „Er lehrte uns, die Unterprivilegierten und Verlassenen zu lieben.“ Außerdem habe er beispielsweise ein universelles Grundeinkommen gefordert, menschenwürdige Löhne und Arbeitsbedingungen. Kalarickal schreibt auch, dass Franziskus erklärte, dass Frauen, die eine Abtreibung vornehmen ließen, von der Kirche geistlich begleitet werden müssten.

„Papst Franziskus war ein demütiger Hirte, der uns daran erinnerte, Barmherzigkeit zu wählen, uns um die Armen zu kümmern und Gottes Schöpfung zu schätzen.“ Was auch immer man über sein Pontifikat sagen könne: „Er hat seinen Teil zum Aufbau dieser zweiten Kirche beigetragen“, meint der Pater.

Die Kirche brauche einen nächsten „Papst, der sich für die notwendigen kirchlichen Erneuerung bemüht“, und der dem Evangelium treu bleibt, der weiterhin die Bedürfnisse der Welt mit den Augen der Kinder sieht. „Er muss ein Zeuge der Hoffnung sein, der auf die Herausforderungen der Welt reagiert und die Wahrheit in Nächstenliebe bezeugt“, erklärt der Theologe.

Bad Herrenalb

Pfarrer Matthias Weingärtner von der SE 5, Bad Herrenalb, ist „sehr traurig“ über den Tod des Papstes. Auch er hebt hervor, dass Franziskus ein großer Seelsorger war. Zu dessen größter Leistung rechnet er, dass der Papst Wert darauf gelegt habe, „dass in der Kirche mehr zugehört und miteinander gesprochen wird“ – dies besonders mit Blick auf die Rolle der Frauen. Bis kurz vor seinem Tod habe er Frauen in Führungspositionen berufen.

„Meiner Überzeugung nach hinterlässt Papst Franziskus tiefe Spuren davon, wie Kirche sein soll: barmherzig, offen für alle, bescheiden“, erklärt Weingärtner. Er habe den alles bestimmen wollenden Konsum der westlichen Konsumgesellschaften scharf kritisiert und uns daran erinnert, „dass Kirche nah bei den Menschen sein muss“.

„Meiner Meinung nach sollte der Nachfolger von Papst Franziskus jetzt in dessen Sinne fortfahren“ und dessen Reformen weiterführen und umsetzen – „hin zu einer offeneren Kirche, die bei aller Tradition vor allem stets die Menschen im Blick hat, nicht Vorschriften, die keiner mehr versteht“.

Auch wenn Rom weit weg sei, so sei ein Papst wie Franziskus „eine starke geistliche Leitfigur für die Gemeinden und Katholiken vor Ort“ gewesen. Der Pfarrer nennt außerdem die Umwelt-Enzyklika des Papstes, „Laudato si“. „Eine Mahnung für uns alle, auch in unserem Landkreis Calw, Verantwortung zu übernehmen für einen nachhaltigeren Umgang mit der Schöpfung“, findet Matthias Weingärtner.