François-Xavier Roth Foto: imago/Agencia EFE/Pepe Torres

Noch mehr Aufregung um SWR-Orchesterchef François-Xavier Roth: Eine Schauspielerin erhebt schwere Vorwürfe, ein entsprechendes Instagram-Post löscht sie dann aber wieder.

Es war eine Punktlandung. François-Xavier Roth hatte gerade zum Neustart angesetzt. Das Publikum feierte ihn bei den Berliner Philharmonikern, und er stand vor seinen Antrittskonzerten als neuer Chefdirigent des SWR-Symphonieorchesters. Just zu diesem Zeitpunkt hat die Schauspielerin Janina Picard in einem Post auf der Social-Media-Plattform Instagram neue Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegenüber Roth erhoben.

 

Neue Brisanz der alten Vorwürfe

Vor etwa 15 Jahren habe der Dirigent sie bei der SWR-TV-Produktion für den Kika („Romeo feat. Julia – die Hip-Hop-Helden“) unsittlich berührt. Sie streute Salz in eine offene Wunde: Im Mai 2024 hat ein französisches Magazin Metoo-Vorwürfe gegenüber François-Xavier Roth veröffentlicht, danach wurde sein Vertrag als Generalmusikdirektor der Stadt Köln vorzeitig aufgelöst. Roth zog sich zurück, nahm Hilfe in Anspruch, entschuldigte sich beim SWR-Symphonieorchester, verlas dort eine Ehrenerklärung.

Mit Janina Picards Post bekamen die alten Vorwürfe nun neue Brisanz, denn hier ging es um eine zum Zeitpunkt des genannten Vorfalls noch Minderjährige, es ging um eine SWR-Produktion, und erstmals hat sich ein Klarname mit den Anschuldigungen verbunden. Wer von den neuen Vorwürfen wusste, hatte es deshalb schwer, in Roths Antrittskonzerten den Künstler am Pult unabhängig vom Menschen zu beurteilen.

Instagram-Beitrag gelöscht

Seither ist einiges passiert. Janina Picard hat in ihrem Post erst das angegebene Alter zum Zeitpunkt des TV-Drehs von 15 auf 16 Jahre korrigiert, dann hat sie ihre Aussage entschärft. Es folgte ein Gespräch mit der Programmdirektorin von SWR Kultur, Anke Mai, bei dem auch die Leiterin der AGG-Beschwerdestelle (Antidiskriminierungsstelle) anwesend war. Beide haben sich die Vorwürfe der Schauspielerin angehört. Außerdem haben sie mit Beteiligten der TV-Produktion gesprochen und mit François-Xavier Roth, der die Vorwürfe bestreitet und dazu beim SWR eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat. Danach hat der SWR beschlossen, „die von Janina Picard auf Instagram geschilderten Vorgänge nicht als sexuelle Belästigung einzuordnen“. So formuliert es der Pressesprecher Matthias Claudi. Laut Claudi seien wesentliche Vorwürfe von Picard selbst relativiert worden.

Picard betont dagegen per Mail, dass sie die Darlegung dessen, was damals geschehen ist, „zu keiner Zeit dem SWR gegenüber relativiert“ habe. Sie möchte sich dennoch nicht weiter äußern. Mittlerweile hat die Schauspielerin ihren Post auf Instagram gelöscht. In einer Pressemitteilung betont der Sender, „zu keiner Zeit und in keiner Form Einfluss auf diese Entscheidung genommen“ zu haben.