Christine Lehr organisiert erneut die Austauschmesse „Switch Live“ am Hans-Thoma-Gymnasium. Dort treffen Schüler direkt auf Vertreter von Schulen aus Australien oder Kanada.
Christine Lehr ist mitten in der finalen Planungsphase und damit im Stress. Am kommenden Donnerstag soll die „Switch Live“ im Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach stattfinden, eine mittlerweile etablierte Messe, die Schüler für einen Monat, ein halbes oder auch ein ganzes Jahr ins Ausland vermittelt. Die Organisatorin und Geschäftsführerin von „Switch You“ weiß: So kurz vor dem Termin kann noch einiges schiefgehen.
Vor allem ihre Gäste, die größtenteils aus Übersee und mit dem Flugzeug anreisen, sind Grund für die Anspannung. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs ist der Flugverkehr in Teilen der Welt stark eingeschränkt, weil unter anderem der Flughafen von Dubai ein wichtiges Drehkreuz etwa für Reisende aus Australien und Neuseeland ist. Gerade von dort kommen aber etliche Teilnehmerschulen der „Switch Live“ her. Glück für Lehr: Fast alle konnten auf eine andere Flugroute ausweichen. Etwas Pech hat sie aber doch: Eine Schule aus Tasmanien musste ihr Kommen absagen.
Die „Switch Live“ sei keine gewöhnliche Jugendbildungsmesse, sagt Christine Lehr im Gespräch mit unserer Redaktion. Was macht die Lörracher „Switch Live“ denn so besonders?„Infos aus erster Hand, direkt von den Schulen. Dazu die herzliche und familiäre Atmosphäre“. Bisher habe es an allen Kennenlernabenden der vergangenen Jahre „eine super Stimmung“ gegeben.
Auch Probleme im Ausland werden offen angesprochen
Auf dem Weg zum Aufenthalt im Ausland sei die Messe ein wichtiger erster Schritt, erzählt Lehr: „Die Jugendlichen machen die Erfahrung, wie befriedigend es ist, sich an einen Stand zu trauen. Nach einer Viertelstunde kommen sie zurück und erzählen ganz aufgeregt, dass sie zum ersten Mal mit jemandem aus einem anderen Land ganz normal ein Gespräch auf Englisch gesprochen haben.“
Der unmittelbare Erstkontakt mit der Schule oder der betreuenden Organisation habe einen großen Einfluss auf die spätere Entscheidung, den Schritt ins Ausland zu wagen. Viele der Gäste seien selbst Lehrer oder Koordinatoren der Schulen und nicht nur Vertreter von Austauschorganisationen. Das ermögliche Gespräche auf Augenhöhe – und einen Eindruck davon, wie der Alltag vor Ort tatsächlich aussieht.
Die enge und zugleich transparente Begleitung ist für Lehr ein Herausstellungsmerkmal der „Switch Live“. Und die herkömmlichen Messen? Das seien oft genug reine Verkaufsgespräche. „Die erzählen den Jugendlichen dann auch schon mal, dass bei ihnen in Neuseeland immer nur die Sonne scheint. Und dass die Familien sich einfach immer total freuen, dass ein Kind aus Deutschland zu ihnen kommt.“ In den meisten Familien sei das auch so, sagt Lehr. Dass aber auch Konflikte einkalkuliert werden müssten, falle zu oft unter den Tisch.
USA verlieren an Attraktivität – Kanada legt zu
Ein Schuljahr im Ausland verbringen – das ist der Traum vieler Schüler. Auf der anderen Seite sind auch die Hemmungen groß, loszulassen und allein in weiter Ferne eine längere Zeit zu verbringen. Lehr ist wichtig, den Schülern klarzumachen, dass dabei auch Probleme entstehen können. Was sie versichern kann: „Es gibt immer Hilfe und zur Not auch einen Ersatz.“ Wenn eine Gastfamilie nicht passe oder ein Schüler sich an einer Schule gar nicht wohlfühle, gebe es Ansprechpartner und Alternativen. „Niemand muss irgendwo bleiben, wo es gar nicht funktioniert.“
Neben Australien und Neuseeland werden auch Plätze in Irland und Kanada angeboten. Und weiterhin in den USA, die früher der absolute Renner bei den Schülern gewesen seien. „Wir haben die Vertreter aus den amerikanischen Schulen früher ganz hinten in die Aula gesetzt, damit die Schüler auf dem Weg zu den Ständen der USA auch an den Ständen aus den anderen Ländern vorbeikamen. Denn alle wollten dahin“, erzählt Lehr.
Doch weil die Visabestimmungen mittlerweile so unbeständig sind, fürchtet Lehr, dass die Vertreter der USA Exchange Mate nicht mehr so viel zu tun haben werden wie früher. „Der Markt ist eingebrochen“, sagt sie. Das Engagement mit den USA komplett zu streichen, kommt für Lehr trotzdem nicht infrage. Sich politisch einzumischen, findet sie schwierig.
Über mögliche Risiken will sie diejenigen, die sich nicht abschrecken lassen wollen, aber offen aufklären. Wer derzeit profitiert, ist Kanada. Mittlerweile bietet die Messe auch die Möglichkeit, in den französischsprachigen Teil des Landes zu gehen. Für die meisten sei es allerdings Abenteuer genug, in eine englischsprachige Umgebung zu kommen, glaubt Lehr.
Etwa 200 bis 300 Schüler und Eltern besuchten die „Switch-Live“-Messe in den vergangenen Jahren, diese Größenordnung peilt Lehr auch dieses Mal wieder an. Wie viele tatsächlich kommen werden, lässt sich für die gebürtige Freiburgerin, die seit 29 Jahren in Lörrach lebt, bis zuletzt nur schwer abschätzen.
Christine Lehr baut gewissermaßen auf etwas sandigem Boden. Eigentlich sei Lörrach für eine solche Messe als Standort viel zu klein, meint sie, zumal die Schweiz und Frankreich als Einzugsgebiet kaum eine Rolle spielten – zu unterschiedlich seien die Schulsysteme der Länder, das lasse sich kaum unter einen Hut bringen. Die Unterstützung des Hans-Thoma-Gymnasiums und dessen Rektorin Annette Schuck sei deshalb extrem wichtig, so Lehr.
Es sei ein Problem für sie, dass sehr viele Schüler die Informationen über ihre Messe nicht erreichten. Letztendlich hänge viel vom Engagement der einzelnen Lehrer ab. Dass viele Lehrkräfte bei kommerziellen Austauschprogrammen grundsätzlich zurückhaltend seien, spiele dabei wohl ebenfalls eine Rolle. Auch von der Stadt selbst würde sich Lehr diesbezüglich etwas mehr Unterstützung wünschen.
Austauschmesse „Switch Live“: Donnerstag, 19. März, am Hans-Thoma-Gymnasium
Messe am Donnerstag
Die „Switch Live“
findet am Donnerstag, 19. März, von 17 bis 21 Uhr in der Aula des Hans-Thoma-Gymnasiums in Lörrach statt.