Fast volles Haus am Montagabend im Lörracher Burghof – und am Ende stehende Ovationen für einen perfekten Sound des Glenn Miller Orchestra.
Seit vielen Jahren ist das Orchester Stammgast im Burghof; manche Zuhörer haben die Formation schon oft erlebt – in Lörrach, Schopfheim, Bad Säckingen und anderswo. Dennoch hat sich Entscheidendes verändert: Der langjährige Leiter Wil Salden beschloss mit 75 Jahren und nach mehr als 5200 Konzerten: „Jetzt ist’s genug.“
Dem niederländischen Maestro gehe es hervorragend, berichtete sein Nachfolger Uli Plettendorff, allein das viele Reisen falle ihm inzwischen schwer. „In einem nicht ganz demokratischen Prozess“ sei dann die Wahl auf ihn gefallen, wie Plettendorff augenzwinkernd erzählte. Der neue Bandleader, seit vielen Jahren Ensemblemitglied, ist wie Glenn Miller selbst Posaunist.
Zwölf Bläser und Sängerin
An seiner Seite: zwölf Bläser mit Rhythmusgruppe und Sängerin Lisa Kühnemann, die bei einigen Songs Verstärkung von den „Moonlight Serenaders“ erhält – dem aus Musikern der Band gebildeten Vokalensemble.
Was die Musik wie eh und je auszeichnet: technische Perfektion, Eleganz und ein glanzvoller, festlicher Sound, der trotz routinierter, bis ins Detail perfekter Show seine Wirkung nicht verfehlt.
Charakteristisch ist zudem der häufige Wechsel am Bühnenmikrofon: Fast alle Instrumentalisten treten im Laufe des Programms einzeln aus der Reihe und setzen mit erstklassigen Soli Akzente.
Aus Millers Bandbuch
Ein Großteil des Programms stammt aus dem Bandbuch von Glenn Miller. Die „Moonlight Serenade“, mit der die Big Band traditionell auf die Bühne kommt, darf ebenso wenig fehlen wie Millers Klassiker „In the Mood“ oder „Pennsylvania 6-5000“, einer seiner größten Hits. Zu den Höhepunkten zählen der „St. Louis Blues March“, der marschartige Strenge und schimmernden Big-Band-Klang exemplarisch zusammenbringt, sowie „Chattanooga Choo Choo“ – ein Feuerwerk musikalischer Einfälle.
Tommy Dorsey, weiterer berühmter Bandleader und Posaunist der Swing-Ära, ist mit seiner Erkennungsmelodie „I’m Getting Sentimental Over You“ vertreten, die im Burghof ein besonders schön modelliertes Solo von Erstposaunist Hansjörg Fink erhält.
Erstklassige Soli
Filmmusik spielt ebenfalls eine Rolle: „People Like You and Me“ aus „Orchestra Wives“, einem der beiden Kinofilme, die Glenn Miller Anfang der 40er-Jahre auf dem Höhepunkt seines Ruhms mit seiner Band drehte, wird mit einem virtuosen Klarinettensolo von Frank Jacobi vorgestellt.
Wie gewohnt erfährt das Publikum in charmanten Ansagen die Hintergründe zu Titeln, Filmen und Arrangements. Humor gehört zum Programm – sowohl in den pointierten Moderationen als auch in kleinen kollektiven Bühnenaktionen.
Passend zur Saison ist in beide Konzerthälften ein Weihnachtsblock gesetzt. Hier zeigt sich das Orchester von seiner besonders festlichen Seite, und der typische Miller-Sound bekommt eine zusätzliche Prise Glitzer. Leise Töne begeistern in „I’ll Be Seeing You“, arrangiert vom ersten Trompeter Robbert Scherpenisse und prachtvoll gespielt von Trompeter Marvin Frey. Ein viel beklatschtes Schlagzeugsolo von Klaas Balijon setzt ein Ausrufezeichen in Richtung Virtuosität und Showqualitäten der Rhythmusgruppe.
Showqualitäten
Am Ende dieses sorgfältig gebauten Abends mit einer bestens aufgelegten Band bleibt kein Zweifel: Der Generationenwechsel an der Spitze ist vollzogen, die Tradition des Glenn Miller Orchestra bleibt.