Sie reisen für den Survival-Kurs mit Waldübernachtung am Buchberg aus Stuttgart an (von links): Mathias Paulus, Benedikt God, Björn Bonekamp und Kevin Fritsch. Foto: Nadja Varsani

Vier Männer haben ein Survival-Training beim Donaueschinger Umut Bora gebucht. Erschöpfung, Hunger und Kälte fordern sie am Buchberg heraus.

Vier Männer haben sich um ein Lagerfeuer am Buchberg positioniert und wärmen sich die Hände. Es nieselt leicht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, als Umut Bora, Leiter eines Survival-Workshops, eine Runde Messer austeilt. „Wir machen jetzt Messertraining“, ruft er: „Passt auf den Blutkreis auf.“ Der Blutkreis, so erklärt er, ist der Abstand um eine Person, wenn sie sich mit ausgestrecktem Arm und Messer einmal um sich selbst dreht und dabei niemanden erwischt.

 

Die Männer aus Stuttgart fangen an zu schnitzen, Späne fliegen, Bora lobt die Runde. Die Vier haben bei dem Unternehmer aus Donaueschingen ein Survivaltraining gebucht. In 48 Stunden geht es darum, möglichst viele Fähigkeiten zu erlernen, die das Überleben in der Natur wahrscheinlicher machen. Dazu gehören der Bau eines Unterschlupfs, Wasseraufbereitung, Feuertechniken und das Finden von Notnahrung, erklärt Umut Bora, Geschäftsführer der Firma Bora Outdoorsports.

Der gelernte Handwerker ist Quereinsteiger im Outdoor-Gewerbe. Seit 2013 gibt er hauptberuflich zum Beispiel Kurse im Rafting oder wandert mit Schneeschuhgruppen am Feldberg. Beim Canyoing springt, rutscht oder schwimmt Umut Bora mit den Teilnehmenden durch Schluchten in den Alpen.

Eine Übernachtungsmöglichkeit im Wald entsteht mithilfe eines ganz einfachen, selbstgebauten Unterschlupfs. Foto: Nadja Varsani

Die Nachfrage nach Outdoor-Kursen ist hoch, doch dann kommt die Corona-Pandemie. Und noch etwas ändert sich in Umut Boras Leben. Nachwuchs stellt sich ein. „Als ich Vater wurde, bekam ich ein anderes Gefühl für mein Leben. Denn Outdoor-Touren bringen durchaus Gefahren mit sich.“ Die Arbeit als Survivalguide erfüllt ihn. „Die Freude der Menschen über die Erlebnisse macht mich glücklich“, sagt er.

Essbare Wurzeln ausgraben

Die Männer legen nun den Stock über den Oberschenkel und führen lange Schnitzbewegungen aus. Aufgabe ist es, einen Grabstock herzustellen. „Das ist vermutlich eines der ältesten Werkzeuge der Menschheit“, erzählt Bora. Man benutze es vor allem, um essbare Wurzeln auszugraben.

Seit ihrer Ankunft vor 24 Stunden haben die Teilnehmer nur eine Banane gegessen. Hunger helfe dabei, ein Gefühl für den eigenen Körper in Extremsituationen zu bekommen, erzählt der Survivalguide.

Es ist sein erster Kurs im Winter, das mache die Sache auch für ihn selbst spannend. Die Teilnehmer lernen, welche Dinge überlebenswichtig sind. „Wasser, Wärme und Nahrung muss als erstes sichergestellt werden“, erklärt Bora.

Inspiration auch aus dem Fernsehen

Warum reisen die Teilnehmer aus Stuttgart an, um bei diesen ungemütlichen Bedingungen im Wald zu schlafen? Inspiration habe er aus Serien wie „7 vs. Wild“ bekommen, sagt Benedikt God. „Vor allem Kevin und ich schauen gerne Survivalshows im Fernsehen an. Dabei habe ich schon häufiger gedacht, dass ich das auch könnte“, erzählt Benedikt God auch mit Blick auf Teilnehmer Kevin Fritsch.

Die Teilnehmer härten derweil ihren Grabstock im Feuer. Nun geht es daran, Essbares zu finden. Die Männer laufen einen Waldweg entlang. Immer wieder stoppt Umut Bora und lässt die Runde probieren.

Kursleiter Umut Bora (rechts) erklärt Benedikt God die Vorzüge des Löwenzahns. Foto: Nadja Varsani

Die Früchte der Hundsrose, die wohl jeder als Hagebutten kennt, seien ein wahres Superfood. „Sie stecken voller Vitamin C und anderen wichtigen Nährstoffen“, so Bora. Bucheckern und Fichtenzapfenkerne werden verköstigt. „Hier kann man sich so richtig den Bauch vollschlagen“, scherzt Teilnehmer Kevin Fritsch. Mit dem Grabstock befreien sie die Wurzeln eines Löwenzahns vom Erdreich. „Am Löwenzahn ist alles essbar und sehr gesund“, berichtet Bora. Tapfer werden auch die sandigen Wurzeln vertilgt.

Lohnendes Erlebnis trotz aller Entbehrungen

Trotz aller Entbehrungen sei es ein lohnendes Erlebnis, berichtet Benedikt God. Vor allem der Kälte und Feuchte ausgesetzt zu sein, habe er als Herausforderung empfunden. Ein Stück weit an mentale und körperliche Grenzen gehen, das habe die Erfahrung wertvoll gemacht.

„Im Fernsehen sieht alles sehr einfach aus. Jetzt weiß ich, dass man nicht nur mit der Ausrüstung umgehen muss. Auch dem Kopf wird einiges abverlangt,“ sagt God.

Benedikt God, Teilnehmer aus Stuttgart beim Survival Training. Foto: Nadja Varsani

Und der Verzicht auf das Smartphone sei am Anfang schwierig gewesen. „Man merkt erst, wie oft man draufschaut, wenn man es nicht benutzen kann“, sagt der selbstständige Elektriker. Nach dem Survival-Wochenende sieht er den Verzicht als wertvoll an. „Auch wenn es schwer ist, es war Balsam für die Seele. Trotz 32 verpasster Anrufe, die ich jetzt nacharbeiten muss“, sagt Benedikt God.

Ein Quereinsteiger

Umut Bora
Der gelernte Gas-Wasser-Installateur Umut Bora ist ein Quereinsteiger. Er begeistert sich in seiner Freizeit für Outdoor-Sportarten. Das sind Klettern, Wildwasserbootfahren (Rafting) und Bergsteigen. Nebenberuflich gibt er ab 2008 Kurse als staatlich geprüfter Raftguide. 2013 kündigt er seinen Handwerksberuf und macht Weiterbildungen zum Bergwander- und Schluchtenführer. Seit 2023 gibt er Überlebenskurse in der Natur.