In Pforzheim kann kräftig gesurft werden. Foto: Tschepe

Viele Teilnehmer sind zu den Surf Open gekommen. Der Verein Blackforestwave will das Wellenreiten auf dem Metzelgraben perfektionieren.

Behelmte Männer, Frauen und Kinder in Neoprenanzügen stehen am Ufer des Metzelgrabens in Pforzheim, eines Seitenarms der Nagold. Surfbretter überall. Und Aprilwetter. Mal Sonnenschein, dann Regenschauer und immer wieder heftige Windböen. Doch wohin man auch schaut: strahlende Gesichter. Willkommen bei den Surf Open am Samstagnachmittag, einer Veranstaltung des Vereins Blackforestwave.

 

Der Club hat anlässlich des ersten Geburtstags der Surfwelle mitten in Pforzheim Nichtmitglieder eingeladen zum Wellenreiten auf dem Kanal. Die Zeitslots zwischen 12 und 18 Uhr seien binnen einer Stunde ausgebucht gewesen, erzählt Julian Biehmelt, einer von vier Vorständen des Vereins. Er strahlt dabei mit seinen Gästen um die Wette. Vitali Ferenz aus Pforzheim wagt sich erstmals auf die Schwarzwälder Welle. Er tut sich schwer, hält sich bei den meisten Versuchen nur maximal ein paar Sekunden lang auf dem vom Club gestellten Brett und fällt dann schnell ins Wasser. Zurück am Ufer, erzählt der Mann, dass er zwar schon ein paarmal im Urlaub gesurft sei, „das hier hätte ich mir deshalb einfacher vorgestellt“. Dane Arkew hat weniger Probleme, was womöglich auch an seinem Heimatland liegt. Der Mann ist im Surfermekka Australien geboren und aufgewachsen, er lebt aber in Stuttgart. Der Mann hält sich beeindruckend lange auf der Welle und sagt hernach trotzdem sinngemäß: sehr anspruchsvoll, Respekt allen, die hier länger als einen Augenblick surfen können.

Die Surfer kommen auch aus Stuttgart, Freiburg und der Pfalz

Zu den wichtigsten Wegbereitern der Surfwelle in Pforzheim gehört Steffen Rose. Er hat während seines Studiums an der Hochschule Pforzheim eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die Verwirklichung des Plans hat allerdings rund acht Jahre gedauert. Der heutige Vereinsvorstand Julian Biehmelt erzählt, dass die Stadt Pforzheim ein toller Kooperationspartner sei. Der Club habe mit der Kommune einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Der Verein wachse stetig, habe mittlerweile rund 250 Mitglieder, die längst nicht alle in Pforzheim oder in der näheren Umgebung leben. Manche reisen regelmäßig an, etwa aus Freiburg, aus der Pfalz oder aus Stuttgart. Von Dezember bis Mai sei fast immer genügend Wasser im Kanal, im Sommer indes könne nur gesurft werden, wenn es mal ordentlich geregnet habe.

Der Bau der Welle inklusive einer hydraulischen Anlage im Wasser, die das Gefälle auf dem Grund des Kanals verändern kann und damit die Höhe der Welle beeinflusst, habe rund 90 000 Euro gekostet. Eine ganze Reihe von Sponsoren sowie die Mitglieder hätten das Geld aufgebracht, zudem haben viele Helfer ehrenamtlich ungezählte Stunden gearbeitet. Derzeit feilt der Verein an Verbesserungen. Ein Student will im Rahmen seiner Bachelorarbeit herausfinden, „wie mehr Druck in die Welle zu bekommen ist“, so Biehmelt. Ein anderer Student entwickle eine App für die Steuerung der Hydraulik.

Im Schwarzwald erlaubt, in Stuttgart bisher nicht

Neckarwelle
In Stuttgart bemüht sich der Verein Neckarwelle seit einigen Jahren um eine Surfwelle, bis dato ohne Erfolg. Die Stadtverwaltung erklärt laut Aussage des Vereinsvorsitzenden, Volker Sellmeier, das Neckarwasser sei zu dreckig. Deshalb könne die Welle nicht genehmigt werden. Der Club werde, so Sellmeier, aber trotzdem spätestens im Sommer 2023 einen Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung des Projekts stellen, das im Neckar bei Untertürkheim realisiert werden soll. Der Erfolg der Blackforestwave in Pforzheim, sagt Sellmeier, sei Wasser auf die Mühlen des Projekts Neckarwelle. Auch in Nürnberg sei kürzlich ein ähnliches Projekt verwirklichst worden. Die Wasserqualität der Nagold und des Neckars sei sicherlich ähnlich. Zudem sei es dem Verein Neckarwelle im Juni erlaubt worden, auf der Wasserskistrecke im Neckar bei Esslingen in der Welle eines Motorboots zu surfen – also im selben Flusswasser, in dem es in Stuttgart zu dreckig sein soll. Das alles spreche doch für eine Genehmigung, sagt Sellmeier.

Der Film
Der Film „Blackforestwave – Surf your local River“ des Stuttgarter Produzenten Lutz Schmidt wird am Freitag, 28. Oktober, im Kommunalen Kino in Pforzheim gezeigt. art