Ein neunjähriger Rohdiamant macht sich auf den Weg in die deutsche Spitze. Elias Geiger denkt Tag und Nacht nur an Tischtennis und hat auch schon die Aufmerksamkeit von Bundesligaklubs auf sich gezogen.
Voll konzentriert stellt sich Elias Geiger an die Tischtennisplatte in der Deilinger Sport- und Gemeindehalle. 20 Tische hart sein Opa Uwe aufgebaut, damit gleich die erste Runde der Minimeisterschaften des Deutschen Tischtennis-Bundes gespielt werden kann. Für Elias heißt es jetzt, sich ein bisschen warmzuspielen. Auf der anderen Seite der Platte steht sein "Lieblingsgegner" und größter Förderer, Uwe Geiger. Aber von wegen "Warmspielen"! Elias nutzt jede Gelegenheit, um seinem Opa die Bälle um die Ohren zu dreschen. Locker ein paar Bälle hin- und herschieben? Das kann Elias nicht. Sein Motto heißt: Voll auf Angriff!
Timo Boll das große Vorbild
Von daher ist es kein Wunder, dass es für ihn – neben Opa Uwe – nur ein Vorbild gibt: Timo Boll. "Ich will auch mal so werden wie er", sagt Elias, der genau weiß, wo die große Gemeinsamkeit liegt: "Der spielt auch auf Angriff." Das tut Elias nicht nur, wenn er an die Platte tritt, sondern auch, wenn er seine Ansprüche formuliert. "Ich will unter die ersten drei kommen", sagt er in Bezug auf die Deutschen Minimeisterschaften. "Oder Zweiter. Oder Erster", schiebt er nach. Doch das sind Zukunftspläne, denn in diesem Jahr ist nach der ersten Runde in Deilingen, wo er natürlich alle seine Spiele gewonnen hat, Schluss.
Ende 2022 gilt’s
Wenn er beim Bezirksentscheid in Rottweil antreten würde, müsste er beim zu erwartenden Sieg zum Landesentscheid – und am Ende zu den Deutschen Meisterschaften, die in dieser Saison in Berlin steigen. "Das ist mir zu weit", sagt Uwe Geiger, der ohnehin schon bei der Förderung seines Enkels einen hohen Aufwand betreibt. Aber Ende des Jahres findet die Deutsche Minimeisterschaft der kommenden Saison in Rottweil statt. Das ist das große Ziel, und darauf sind alle Planungen ausgerichtet.
Guter Plan gegen lange Arme
Bis dahin muss sich Elias ein wenig in Geduld üben. Das ist nicht gerade die Stärke des jungen Talents. Schon zieht es ihn wieder an die Tischtennisplatte, an der er auch schon 18- oder 19-Jährige besiegt hat. Ein komisches Gefühl für Elias – vor dem Spiel. "Da denke ich erst einmal, dass der wahrscheinlich besser ist, aber ich konzentriere mich halt und schaue, dass ich gewinnen kann." Und das klappt oft, obwohl Elias’ Teamkollegen seine Gegner warnen, die Partie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die sagen immer: ›Aufpassen! Der ist so gut, sonst gewinnt der!‹" Und seinen körperlichen Nachteil macht er auf seine Weise wett. "Der hat halt längere Arme, dann muss ich eben mehr laufen."
Fünf Tage beim Erstligatrainer
Bei seinem letzten Turnier hatte keiner der Gegner den Hauch einer Chance, ob lange Arme oder nicht. 11:0 Siege und 33:0 Sätze standen am Ende zu Buche. Zufrieden macht das den ehrgeizigen Nachwuchsspieler aber nicht. Und deshalb ließ er sich Ende Dezember in Freudenstadt fünf Tage lang von Ex-Erstligatrainer Thomas Dick seine Schwachstellen aufzeigen, um sie auszumerzen. "Aggressiver angreifen und stupfen, also mehr Schnitt reinbringen und mehr laufen", zählt Elias auf – und am allerwichtigsten, das unterstreicht auch Vater Sven: "die Koordination verbessern".
Der Papa hat keine Chance
Dabei ist er schon jetzt weiter, als sein in der Jugend auch nicht schlechter Vater in seinem Alter war. "Mit 9 hab ich keinen Ball getroffen", übertreibt der ein bisschen. "Und ich gewinne immer gegen meinen Papa", sagt Elias lachend, auch wenn das ein bisschen geflunkert ist. Denn schließlich ist auch der Papa gut trainiert – was auch an Elias liegt. "Wenn ich von der Schicht heimkomme, dann kommt er halt an, und dann spielen wir eine halbe Stunde, Stunde", berichtet er. So kam Elias auch gut über die Corona-Zeit. Zwei Gegner im eigenen Haus. "Das ist halt für mich ein Vorteil. Ich kann zu Hause mit Papa und Opa trainieren." Und das nutzt er aus.
Nur Tischtennis im Kopf
In Albstadt war Elias bei einem professionellen Lehrgang. "Wenn du da fünf Minuten zu spät in die Halle kommst, dann gibt es Strafen. Rundenrennen", berichtet Opa Uwe Geiger. Um dem zu entgehen, hatte es Elias eilig, sich fertigzumachen. Es kam, wie es kommen musste: Er stolperte und fiel gegen den Tisch. "Offene Stellen, der Kiefer war verschoben, er hatte sich auf die Zunge gebissen, die Zähne haben gewackelt, den ganzen Kiefer hat man richten müssen", erzählt Uwe Geiger. Einen Tag war Elias im Krankenhaus, dann holten ihn seine Eltern ab. Kaum zu Hause angekommen, eilt er ans Telefon: "Opa, komm zum Trainieren!"
Mit 9 ins Sportinternat?
Kein Wunder, dass die umliegenden Vereine schon ihre Fühler ausgestreckt haben – und sogar Bundesligaklub TTF Ochsenhausen. "Die wollten, dass er jetzt mit 9 die Schule in Ochsenhausen macht und nur an den Wochenenden nach Hause kommt", berichtet Uwe Geiger. Nicht nur er findet: "Das ist noch viel zu früh!" Auch Elias hat da eine klare Meinung: "Ich will schon noch ein bisschen bei Mama und Papa bleiben!" Sollte er sein persönliches Ziel bei der Deutschen Minimeisterschaft Ende 2022 erreichen, dann wird sich die Frage wohl neu stellen. Bis dahin sind "alle Omas, alle Opas eingespannt", wie Mama Sonja erzählt, und Elias wird kräftig an Koordination und Fußarbeit feilen, um seine Stärken noch besser ausspielen zu können: "Topspin, Aufschlag und Schmetterball!" Voll auf Angriff eben. Wie sein großes Vorbild.