Beim Eröffnungstag der Superkombi in der Festhalle in Enzklösterle. Foto: Stadler

Tanztrends der nächsten Jahre wurden beim 38. Superkombi in Enzklösterle gezeigt. Klassische Tänze wie der Cha-Cha-Cha und der Wiener Walzer erleben eine Renaissance.

Tanzen und Lehrgänge dazu sind aus dem Heidelbeerdorf Enzklösterle nicht wegzudenken. So auch die Superkombi, die sich über Jahrzehnte hinweg zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen entwickelte.

 

Bereits zum 38. Mal ausgerichtet vom Tanzsportverband Baden-Württemberg, durfte Präsident Wilfried Scheible neben 230 Personen auch Vizepräsidentin Gaby Michel-Schuck, Lehrwartin Petra Dres und die Ehrenmitglieder Heidi Estler sowie Michael Eichert am Wochenende nach Ostern in der Festhalle begrüßen.

Hochkarätige Referenten Der Lehrgang für Trainer, Wertungsrichter und aktive Tänzer stand in diesem Jahr unter dem Thema „Personality is the key“. Geleitet wurde die dreitägige Superkombi von Dominik Flaig, Claudia Sawang, Ilka Scheible und Bernd Roßnagel. Dieser übergab nach Begrüßungsworten, kleinen Neuerungen und Freizeitmöglichkeiten der Hausherrin und Bürgermeisterin Sabine Zenker zur ersten Latein-Einheit an Referent Emanuil Krakatsanis.

Tanzpaar Sophia und Julius aus der C-Klasse zeigte mit einem Cha-Cha-Cha die Wirkungen und Verbesserungen kleiner Veränderungen. Die nächste Einheit war mit Julia Niemann dem Standardtanz gewidmet. Am Freitag folgten weitere zwei Standard- und Lateinlektionen.

Die überfachlichen Rhetorik-Einheiten, Lektionen in klassischem Standard und Latein sowie das Breitensport-Seminar mit Discofox, aktuelle Trends im Tanzsport oder das Tanzen mit Kindern brachten hochkarätige Referenten aus der Tanzsportszene in Enzklösterle zusammen. Sie sorgten für einen intensiven Wissenstransfer, auch mit Blick auf moderne Trainingsansätze und überfachliche Themen.

Eigene Choreografien Unter der Leitung von Bernd Junghans stand am Samstag das Thema „Trends im Tanzsport“ im Mittelpunkt. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Den einen Trend gibt es heute nicht mehr. Vielmehr entwickeln sich verschiedene Strömungen – abhängig von Generation, Musikgeschmack und individuellen Interessen. Ein zentrales Beispiel hierfür ist der Discofox, vorgestellt von Andreas Krug und Martina Kruczek-Krug. Dieser Tanz entwickelt sich zunehmend in Richtung modularer Strukturen: Viele kleine, kombinierbare Bausteine ermöglichen es den Tänzern, eigene Choreografien zu gestalten. Dabei stehen Koordination, Kreativität und Individualität stärker im Fokus als klassische, festgelegte Figurenfolgen.

Auch die Musik spiele eine entscheidende Rolle für die Entwicklung neuer Trends, erläuterte Junghans. Während jüngere Generationen stark durch Plattformen wie TikTok geprägt sind und sich dort schnelllebige, oft sehr individuelle Tanzstile entwickeln, orientieren sich andere Altersgruppen an bewährten Tanzformen – allerdings ebenfalls mit neuen Interpretationen.

So erleben derzeit klassische Tänze wie der Cha-Cha-Cha und der Wiener Walzer eine Renaissance. Besonders beim Wiener Walzer zeigt sich ein klarer Trend hin zur amerikanischen Variante mit offenen Figuren und einer lebendigeren, freieren Gestaltung.

Ein weiterer bedeutender Trend ist der Solotanz. Immer mehr Menschen möchten unabhängig von einem festen Tanzpartner aktiv sein. In diesem Zusammenhang gewinnt auch Line Dance stark an Bedeutung – generationenübergreifend und niedrigschwellig zugänglich.

Im musikalischen Bereich prägen aktuell insbesondere Afrobeat-Rhythmen die Tanzszene und bringen neue Bewegungsimpulse mit sich. Ergänzt wird dies durch Trends wie offene Drehungen und Swings, die sowohl im Discofox als auch in anderen Tanzstilen verstärkt Einzug halten.

Herausforderung Am Sonntag wurden die Entwicklungen im Kinder- und Jugendtanz durch Anita Pocz weiter vertieft. Gerade hier zeigte sich, wie dynamisch und vielfältig sich Tanz als Ausdrucksform weiterentwickelt. Insgesamt wurde deutlich, dass Tanz weit mehr ist als Bewegung zur Musik: Er verbindet Generationen, fördert Kreativität und schafft Gemeinschaft. Gleichzeitig stehen Tanzschulen heute vor der großen Herausforderung, die unterschiedlichen Trends und Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen aufzugreifen und in ihre Angebote zu integrieren.