AfD-Politiker Ralf Özkara Foto: dpa

Gebürtiger Schramberger setzt sich gegen Alice Weidel durch. Gegner bleiben Veranstaltung fern. Mit Video

Sulz - Coup bei der Landtagswahl, Fraktionsspaltung, Parteitags-Trubel: Das Auf und Ab der baden-württembergischen AfD geht unaufhaltsam weiter. Nun will der neue Landessprecher Ralf Özkara die Alternativen wieder einen.

Die Südwest-AfD hat bei ihrem Parteitag tiefe Risse offenbart: Die als klare Favoritin für die Wahl der Landessprecher angetretene Alice Weidel (38, Überlingen) musste am Wochenende beim Parteitag in Sulz am Neckar eine herbe Niederlage einstecken. Sie erhielt 209 Stimmen, Özkara  224. Weidel  tritt bei der Bundestagswahl  als Spitzenkandidatin der Südwest-AfD an.

Der 46-jährige neue Sprecher  stammt aus Schramberg und ist im Kreis Rottweil aufgewachsen. Er lebt mit seiner Familie in Berglen im Rems-Murr-Kreis und führt den dortigen Kreisverband.
Zuvor hatte Bundeschef  Jörg Meuthen (Karlsruhe) seinen ehemaligen Büroleiter und Wunschkandidaten geschickt in Stellung gebracht: "Ein Bundestagsab­geord­neter kann nicht gleichzeitig im Landesvorstand sein", forderte der Landtags-Fraktionschef. Er spielte damit auf Weidels Spitzenkandidatur an.  

Als "unglaublich" bewertete Özkara seinen Sieg.  Er möchte  den zerstrittenen Landesverband einen und bezeichnet sich als "Mann der Mitte".  Ebenfalls zum Landessprecher wurde Marc Jongen, akademischer Mitarbeiter  an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, bestimmt.

400 Mitglieder wählten in Sulz einen neuen Landesvorstand. Dabei kam es immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen.

Kommentar Rückwärts

So also beschäftigt sich die selbst ernannte Alternative im Südwesten mit sich selbst: polternd, diffamierend, ständig am Rande der Eskalation. Bei ihrem Parteitag in Sulz offenbart sie wieder einmal, wie sie sich  in Lager zerfasert: Meuthen, Weidel, Sänze. Nach Sulz scheinen die national Konservativen die Oberhand zu haben. Für wie lange? Das ist völlig offen. Die  Südwest-AfD meint, die essenziellen  Fragen seien:  Wer hält es wie mit Höcke? Und wer lebt wie gender-gerecht? Nein, der Landesverband hat auch knapp vier Jahre nach seiner Gründung immer noch keine klare Linie. Personell zerstritten, inhaltlich häufig rückwärtsgewandt. Visionen für die Zukunft der deutschen Gesellschaft? Fehlanzeige! Man verharrt lieber im Protestmodus. Özkara und Jongen wollen die AfD im Südwesten wieder einen. Doch dazu ist es von Sulz aus noch ein sehr weiter Weg.

 
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