Zwei Narros machen am Breaglerabend Stimmungsmusik. Foto: Schwarzwälder-Bote

Wanzen in der ganzen Stadt / Breagler erzählen in den Sulzer Wirtschaften ihre lustigen Geschichten

Von Marzell Steinmetz Sulz. Hat das Breaglerbuch bald ausgedient? Auch Narren gehen mit der Zeit. Ein Breagler hat am Samstag zwar wie gewohnt mit scharfer Zunge seine Geschichten erzählt, aber statt mit spitzer Feder diese zu bebildern, Apps auf sein Tablet geladen und herumgezeigt. Ein Novum der Sulzer Fasnet.

 

Die Wirtschaften rund um den Marktplatz waren wieder gut besucht. Die Gäste warteten gespannt auf die Breagler und ließen sich bestens unterhalten. Das galt zumindest für jene, die nicht betroffen waren.

Die Narren hatten sich das ganze Jahr wieder umgehört und sich alles, was zur Kategorie Pleiten, Pech und Pannen zählt, notiert. Da wird auch nichts dem Zufall überlassen. Wie schon erwähnt: Narren nutzen inzwischen moderne Techniken. Optimist und Pessimist, die beide kräftig mitbreagelten, hatten in der ganzen Stadt Wanzen verteilt und einen groß angelegten Lauschangriff auf Sulz gestartet, ganz nach dem Beispiel der NSA – oder anders ausgedrückt: N - s – ä. Das heißt: Narren sehen älles. Marktplatz und Susolei waren ergiebige Plätze für die Wanzen der beiden Narren. Breaglern kommt aber auch das zu Ohren, was Sulzer weit außerhalb des Städtles bei einer Radtour ins "feindliche Ausland" (Baden) oder beim Campingurlaub am Meer passiert ist. Gute Ratschläge werden gleich mitgeliefert, beispielsweise für Frauen, die nicht richtig einparken können. Die Breagler verschonen normalerweise niemanden, nicht einmal die Narrenräte sind vor ihrem Spott sicher. A

uffallend war diesmal nur, dass die Sulzer Kommunalpolitik sehr glimpflich davon kam. Haben die Rathäusler im vergangenen Jahr wohl etwas falsch gemacht? Noch etwas Neues gab es: Erstmals ist der beste Breagler-Zuhörer ausgezeichnet worden. Getroffen hat die zweifelhafte Ehrung einen, der genau die Narretei wiederholte, die ein Breagler schon erzählt hatte. Insgesamt 13 Breagler besuchten die Lokale in der Kernstadt. Die Narrenkapelle spielte Schunkellieder. Für weitere Stimmung sorgten die 18-Stunden-Musiker. Auch einige Hexen begleiteten die Breagler. Die Fasnet kommt jetzt in die heiße Phase.