Die Schantlekapelle begleitet musikalisch. Foto: Schwarzwälder Bote

Narrenmesse: Coronakonform gefeiert / Premiere in Vöhringen / Urs Thiel trägt gereimte Predigt vor

Es ist gute Tradition und auch Ehrensache, dass man nicht nur die Fasnet allerorten, sondern am Fasnetsonntag auch den besonderen Gottesdienst besucht.

Sulz/Vöhringen. In diesem Jahr war alles anders. Nicht nur, dass die Feier im Sulzer Gemeindehaus stattfand wegen der Kirchenrenovierung, sondern auch die Teilnehmerzahl war beschränkt, und Abstand wurde gehalten. Zwar kam man im Häs, aber statt der Larve alle mit Maske.

Die Schantlekapelle umrahmte herzerfrischend die Feier. Da glaubte man gerne der Schola mit Pia Bauer und Andrea Brandmüller, die mit Liedern wie "Freude, die von innen kommt" oder "Meine Hoffnung und meine Freude" auch die Stimmung der Feiernden widerspiegelte.

In Vöhringen feierte die Narrenmesse eineinhalb Stunden zuvor Premiere – ebenso geprägt von Freude und Fröhlichkeit. Schon der Raumschmuck mit der Vöhringer Narrenfahne und vielen bunten Luftballons zauberte ein Lächeln in die Gesichter, und auf den ausgewiesenen Plätzen gab es etwas Süßes.

Beide Male hieß Urs Thiel alle willkommen. Amtssprache war wieder Schwäbisch. Seine Predigt basierte auf dem Evangelium nach Markus 1, 40-45, der Heilung des Aussätzigen. Trotz humorvoller, gereimter Form wurden jedem Zuhörer die Parallelen zwischen dessen Lage mit Einsamkeit, Quarantäne und wirtschaftlichen Problemen in der derzeitigen Pandemie deutlich aufgezeigt. Das Wunschbild "Jesus käm in den Ort, und durch eine Berührung wär Corona fort" versprach, alles zum Guten zu wenden. Die Kraft des Glaubens schaffte Hoffnung auf Heilung im Evangelium.

Die Narrenfiguren des Pessimisten und Optimisten kamen ebenfalls zu Wort. Während sich ersterer die Kugel geben möchte, macht der andere ihm Mut und gibt ihm Zuversicht und Hoffnung.

Auf die beiden Orte bezogen, stellte Thiel den Narrenbaum mit den Bändeln, das Narrenblättle, die wehenden Narrenfahnen und die Online-Version der fünften Jahreszeit nicht nur als schöne mutmachende Begleiter vor, sondern auch als Zeichen, dass man sich nicht unterkriegen lasse.

Er fasste appellierend zusammen, "trotz Dunkelheit, Krankheit und Viren wie der Aussätzige den Glauben und die Hoffnung net verliere, denn als Christ und Narr mit Gschell glauben wir dran, am Ende bleibt’s net dunkel, sondern s’wird hell."

Die Botschaft kam an, und lang anhaltender Beifall von begeisterten Gottesdienstbesuchern erhielt Thiel nach seinem Amen. War schon die Eröffnung der Messe im Dreivierteltakt von lächelnden Mienen begleitet, so war es auch beim Schluss mit dem Narrenmarsch, auf der Orgel intoniert von Judith Rothenhäusler. Und weil Valentinstag war, erhielt jeder noch eine Tulpe.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: