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Sulz a. N. Übermotivierte Hilfe schadet nur

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Das Rehkitz ist in der Holzhauser Tierarztpraxis abgegeben worden.Foto: TSV Foto: Schwarzwälder Bote

Eine Rettung ist meist nicht nötig: Jungvögel auf dem Boden oder Reh­kitze seien oft nur scheinbar verwaist, teilt die Holzhauser Tierärztin Anne von Stromberg mit.

Sulz. Seit dem Frühjahr werden beim Tierschutzverein Sulz und in ihrer Praxis immer junge Vögel, Igel und andere Wildtiere abgegeben. Die Tierärztin warnt: Hilfsaktionen seien zwar gut gemeint, oft aber übermotiviert und vorschnell. Dadurch werde den Jungtieren mehr geschadet als genutzt.

"Viele junge Vögel verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist oder sie perfekt fliegen können. Obwohl sie dann recht hilflos wirken und auf dem Boden herumhopsen, werden sie weiterhin von den Elterntieren beobachtet, bewacht und versorgt", erklärt Anne von Stromberg. So mancher erste Flugversuch scheitert. Dann müssen sich die Jungen auf dem Boden erholen und bleiben sitzen, auch wenn sich Menschen nähern.

Sind die Jungvögel noch teilweise nackt und offensichtlich nicht flugfähig, sollten sie ins Nest zurückgesetzt werden, das zumeist in der Nähe sei, rät Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbands. Die Vogeleltern störten sich nicht am menschlichen Geruch. Einen "Fluganfänger" mit nahezu vollem Gefieder könne man in ein Gebüsch setzten. Durch Rufe fänden Eltern und Jungen schnell wieder zueinander.

"Nicht mitnehmen", rät auch der Sulzer Hegeringleiter Ludwig Schrägle. Das gilt besonders für junge Rehe und Hasen. Erst kürzlich hat ein Ehepaar ein Rehkitz zur Tierarztpraxis in Holzhausen gebracht. Der Hund hatte es im Wald aufgestöbert. "Das ist Blödsinn", sagt Anne von Stromberg. Auch Schrägle war entsetzt. Er hat sich den Fundplatz zeigen lassen und dort das Kitz wieder ausgesetzt, nachdem er es gründlich abgerieben hatte. Wenn es von Menschen angefasst wird, könnte es vom Muttertier nicht mehr angenommen werden.

Sechs tote Rehkitze

Schrägle hat am anderen Morgen nach dem Jungen geschaut. Es befand sich nicht mehr an der Stelle, wo er es abgelegt hatte. "Es hat funktioniert", freute er sich. Die Rehgeiß findet normalerweise ihren Nachwuchs, es sei denn, der Fuchs ist schneller. Das ist dann Natur, meint Schrägle.

Bei der Heuernte sind die jungen Rehe in höchster Gefahr. Die Geiß setzt ihr Kitz gern in waldnahen Wiesen ab. "Da haben sie Sicht", erklärt der Jäger, und der Fuchs kann das Junge im hohen Gras nicht so leicht finden. Doch auch der Landwirt sieht es nicht, wenn er mit seinem Fuhrwerk die Wiese mäht. Dann kommt es oft zu schrecklichen Unfällen. Im vergangenen Jahr seien im Hegeringbezirk Sulz sechs tote Rehkitze aufgefunden worden. "Das waren schreckliche Bilder", versichert Schrägle.

Die Jäger helfen mit, dass solche Tragödien vermieden werden. Schrägle hat sich zwei Meter lange Dachlatten und weiße Plastiksäcke besorgt. Daraus entstehen Scheuchen. Er stellt sie morgens auf einer Wiese im hohen Gras auf und baut sie abends wieder ab. Das hat eine abschreckende Wirkung: Die Geiß glaubt, dass ihr Junges gefährdet ist und holt es aus der Wiese heraus. Das wirkt aber nur für eine relativ kurze Zeit.

Aufwendiger ist die Suche mit Drohnen, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind. Ihr Einsatz sei nur morgens zwischen 5 und 7.30 Uhr möglich, erklärt Schrägle. Zudem werden außer dem Drohnen-Pilot weitere Helfer benötigt, um das Jungtier aus der Wiese herauszuholen.

Bei solchen Aktionen muss der Jäger jedoch wissen, wann der Landwirt die Wiese mäht. Sie seien zur Mithilfe verpflichtet, sonst könnten sie unter Umständen wegen Tierquälerei angezeigt werden, betont der Hegeringleiter. Im Badischen habe ein uneinsichtiger Bauer mehr als 7000 Euro zahlen müssen.

Offensichtlich verletzte Tiere dürften in die Tierarztpraxis gebracht werden, wo auch Pflegestellen bekannt seien, teilt Anne von Stromberg mit. Um alle Wildtierarten möglichst wenig bei der Jungenaufzucht zu stören, sei es im Frühjahr und Frühsommer wichtig, die Wald- und Wiesenwege nicht zu verlassen und Hunde an die Leine zu nehmen oder sofort abzurufen, wenn sie ein Wildtierbaby aufgespürt hätten.

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