Für Binder wäre eine Kombination aus Hochschule für alternative Antriebstechniken und Fahrerassistenzsysteme, Technologietransferzentrum, Technologiepark und Teststrecke eine echte Wirtschaftsförderung. Foto: dpa

Rainer Binder macht Vorschläge für ein Gesamtkonzept bei einer Daimler-Ansiedlung.

Sulz - Wo ist der positive Effekt für die Region, wenn sich Daimler mit seinem Prüf- und Testzentrum ansiedelt? Rainer Binder aus Bergfelden ging dieser Frage nach.

Der 44-jährige Marketingmanager bei Philips Medizintechnik in Böblingen sieht bei 300 Arbeitsplätzen auf einer Fläche von 200 Hektar im Moment noch keinerlei Vorteile für Sulz und die Region. Unsicher sei, ob für die Stadtverwaltung überhaupt höhere Grund-, Gewerbe- und anteilige Lohnsteuereinnahmen erzielt würden. Zu befürchten seien zudem noch höhere Lärmemissionen. Die Vorteile für die Daimler AG, die neue Antriebstechnologien entwickeln und testen möchte, seien dagegen offensichtlich. Es müsse, so Binder, partnerschaftlich über positive Effekte gesprochen werden.

Binder macht den Stadt- und Ortschaftsräten einen Vorschlag für ein Gesamtkonzept. Er führt mehrere Beispiele auf, wie sich Daimler gesellschaftlich engagiert. So habe das Unternehmen unter anderem die Berufsakademie in Stuttgart initiiert.

Für Binder wäre eine Kombination aus Hochschule für alternative Antriebstechniken und Fahrerassistenzsysteme, Technologietransferzentrum, Technologiepark und Teststrecke eine echte Wirtschaftsförderung. Ein der Hochschule angeschlossenes Technologietransferzentrum könne mittelständischen Firmen die Möglichkeit bieten, auf aktuelles Wissen kostengünstig zuzugreifen.

Ein Technologiepark würde es Firmenausgründungen aus Hochschule und Technologietransferzentrum ermöglichen, kostengünstig Büroflächen zu beziehen. Binder: "So wird ein High-Tech-Wirtschaftsstandort, wie Baden-Württemberg, gehalten und werden neue Firmen geschaffen". Mit der Teststrecke sind Binder zufolge aber auch Tourismus, Ökologie und Lärmentlastung vereinbar.

Eine Lärmschutzmaßnahme wäre, die Autobahn auf der gesamten Sulzer Gemarkung zu dämmen. Für die Teststrecke ließen sich Lärmgrenzen festsetzen und mit stationärer Messung überwachen.

Die Grenzwerte könnten von Samstagnachmittag bis Montag um 8 Uhr auch niedriger festgelegt und bei Überschreitungen mit hohen Ordnungsgeldern geahndet werden. Zusätzlich schlägt Binder vor, dass Daimler die Teststrecke an Wochenenden für Veranstaltungen wie Kartrennen, Flugtage oder Radrennen zur Verfügung stellt. Doch auch ein Restaurant mit Panoramablick auf die Teststrecke und ein Park, eventuell mit einer Rosensammlung, würde Besucher nach Sulz locken. Statt über eine kommerzielle Nutzung der brachliegenen Flächen nachzudenken, hält es Binder für sinnvoller, die "ökologisch ausgeräumten" Flächen wieder "einzuräumen und dafür zu sorgen, dass sich die versiegelten Flächen so harmonisch wie möglich in die renaturierten Grundstücke einfügen.

Finanzieren müsse das Konzept Daimler. Dieses würde auch dem Nachhaltigkeitsziel des Unternehmens entsprechen.

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