Die zwei Jungstörche stellen sich tot in ihrem Nest: Sie sind am Freitagnachmittag beringt worden. Foto: Steinmetz

Aktion mit Hilfe der Sulzer Drehleiter. Storchennachwuchs wird bald flügge.

Sulz-Mühlheim - Kurz streckt einer der zwei Jungstörche den Kopf über den Nestrand, um sich dann sogleich totzustellen. Ein natürliches Verhalten bei Gefahr: Doch die jungen Vögel haben diesmal nichts zu befürchten.

Stadtbrandmeister Eugen Heizmann fährt die Drehleiter an der Kilianskirche hoch. Bei 23 Metern stoppt er sie: Manfred Bartler aus Bad Dürrheim steht neben ihm im Korb sowie ein Reporter vom SWR.

Bartler beringt ehrenamtlich den Storchennachwuchs. In Mühlheim war es nun an der Zeit: In vier Wochen sind die jungen Störche flügge, dann wäre es zu spät. Mitte August geht es dann schon ab in den Süden. Welche Route die Störche einschlagen, soll mit Hilfe der Beringung festgestellt werden.

Bartler knipst den halbschaligen Ring, weil es ein ungerades Jahr ist, an den linken Fuß. DERF ist die Bezeichnung: Das steht für Deutschland und die Vogelwarte Radolfzell. Welche Flugroute ins Wintergebiet die Mühlheimer Altvögel nehmen, ist nicht bekannt. Deren Ringe seien zu sehr verschmutzt.

Die Jungvögel befinden sich in einem gesundheitlich guten Zustand, obwohl sie vom jüngsten Hagelschlag etwas abbekommen haben. Die Hagelkörner haben Spuren am Gefieder hinterlassen.

Wieder unten am Boden gibt es ein Lob für die Nestbauer Karl Wezel und Dietmar Strobel. "Super gemacht", bescheinigt Bartler den beiden Mühlheimern eine hervorragende Arbeit. Sie hat dazu geführt, dass nach fast 100 Jahren wieder Störche auf dem Kirchturm landen und nun sogar für Nachwuchs sorgen.

Bartler wundert das nicht: Die Storchenpopulation nehme wieder zu. Das stellt er auch an anderen Standorten fest. Insgesamt betreut er 48 Nester, darunter das in Fluorn-Winzeln. An Nahrung mangelt es den Vögeln offenbar nicht, zumal sie alles mögliche, unter anderem Mäuse, fressen.

Die Beringungsaktion mit Hilfe der Drehleiter haben etliche Mühlheimer beobachtet. Ortsvorsteherin Barbara Klaussner sah ebenfalls von unten zu. Dass die Störche da sind, ist eine kleine Sensation. Deren Anwesenheit habe bereits Auswirkungen, freut sich die Ortsvorsteherin. In diesem Jahr gebe es in Mühlheim schon sechs Neugeborene, und mehrere Frauen seien schwanger. Eventuell könne man künftig auch mal ein Storchenfest feiern.