Der Narrenbrunnen mit Pessimist und Optimist spielt in der Tradition der Sulzer Fasnet eine Schlüsselrolle. Foto: Schwind Foto: Schwarzwälder Bote

Brauchtum: In Corona-Zeiten kommen kreative Angebote der Zunft gut an / Online-Fasnet vom Feinsten

Eine nicht enden wollende Kreativität legen die Macher der Sulzer Narrenzunft an den Tag. Trotz weiterer Aktionen, sei jetzt schon ein kleiner Rückblick erlaubt.

Sulz. In diesem Corona-Fasnet-Jahr kommt dem Sulzer Zwillingspaar Optimist und Pessimist eine noch bedeutendere Rolle als in Fasnetsjahren ohne Einschränkungen zu. Das Zwillingspaar in den Sulzer Stadtfarben gelb und rot bereichert die Sulzer Fasnet schon seit 1949 und soll an die Wirren des Zweiten Weltkriegs erinnern. Ein Sulzer Maskenschnitzer hat in dieser Zeit die beiden Masken geschaffen. Unterschiedlich ist nur ihr Gesichtsausdruck, während der Optimist mit seinem Lachen im Gesicht seine Freude über den Beginn der Fasnet ausdrückt, denkt der Pessimist mit Tränen in den Augen bereits schon wieder an das Fasnetende.

Durch ihre Einzigartigkeit haben sich diese beiden Kleider zwischenzeitlich zu den Leitfiguren der Sulzer Fasnet entwickelt. Die beiden Sulzer Narrenfiguren haben das Privileg, die Umzüge direkt hinter dem Polizeischantle mit anzuführen zu dürfen. Seit dem Jahr 1990 sind sie als Brunnenfiguren am Narrenbrunnen verewigt. "Wenn Sorge drückt, wenn Not und Pein Dich zwingt ein Pessimist zu sein, schau auf, tu es dem Optimisten gleich; ein fröhlich, hoffnungsvoller Blick den Weg zum Licht zur Sonne weist". Diese in Bronze gegossene Botschaft ist auf einer Schautafel des Narrenbrunnens zu lesen.

Der Narrenbrunnen wurde im Jahr 1990, zur 1200-Jahrfeier der Stadt Sulz, den Bürgen von der Narrenzunft geschenkt. Dem Brunnen kommt während der Sulzer Fasnet eine Schlüsselrolle zu. Dort findet nämlich das Ende der Fasnet mit einem Zwiegespräch zwischen Optimist und Pessimist statt. Dabei wird dann das Fasnetsgeschehen der vergangenen Wochen mit all seinen Missgeschicken glossiert.

Aktuelle Situation von zwei Seiten betrachtet

Die Hexen und die gesamte närrische Trauergemeinde geleiten danach Optimist und Pessimist auf ihrem letzten Gang zur Bootsanlegestelle am Neckarufer. In einem Ruderboot, begleitet von Trauermarsch und dem Wehklagen der Narren, entschwinden die beiden neckarabwärts in die dunkle Nacht und beschließen so das Ende der Sulzer Fasnet. Während sich der Pessimist nicht mit der Absage der Fasnet in diesem Jahr arrangieren kann, erfreut sich der Optimist an den regen Aktionen der Sulzer Zunft in diesem Jahr. Sicher ist, dass eine Fasnet wie in diesem Jahr keine normale ersetzen kann, sind sich die Macher einig. "Ohne Corona wäre aber die Kreativität weitestgehend ausgeblieben und das Geschehen hätte sich auf das Vorhandene beschränkt", so Tobias Breitling, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Zunft. Virtuelle Fasnetseröffnung, Fasnetsbierle mit Bierkutscher, Online-Hexenfestle, Breagler-TV, Gottesdienst als Livestream, die neun kleinen Narrenzünfte, virtuelle Narrenkapelle kommen bestens an. Vor allem hat die Zunft aber an den durch Corona arg gebeutelten Nachwuchs gedacht. Malbüchle, Puzzle Ecke, Bilderpolonaise ließen die Jungnarren an der Fasnet teilnehmen. Ein Dankeschön erhielten sie von der Narrenzunft als "Narrenpäckle" verpackte Aufmerksamkeit. Mit dem Online-Kinderball, der Online-Narrenparty, dem Gottesdienst als Livestream und der Fasnetsverabschiedung versprechen die Macher noch einmal Online-Fasnet vom Feinsten.

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