Die klassische Familie - ein aussterbendes Gebilde in der heutigen Zeit? Um dem demografischen Wandel entgegen zu wirken, will sich Sulz zur Bewältigung des gesellschaftlichen Wandels am Managementverfahren "Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune" beteiligen. Foto: dpa/Symbolfoto

Stadt Sulz beteiligt sich am Managementverfahren für eine familienfreundliche Kommune. Auftaktveranstaltung am 16. Juli.

Sulz - Die Stadt gibt 10.000 Euro für die Beteiligung am Managementverfahren "Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune" aus. Der Gemeinderat hat dies bei zwei Gegenstimmen am Montag beschlossen.

Sulz hat sich beim Statistischen Landesamt und Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) dafür beworben. Auslöser war das noch zu erwartende Handlungskonzept des Büros Pesch und Partner. Wie berichtet, ging in der vergangenen Woche die Veranstaltungsreihe zur Stadtentwicklung zu Ende. Mit dem Managementverfahren sollen die Konzeption und Ergebnisse der Bürgerarbeitskreise systematisch weitergeführt werden. Insgesamt haben sich für dieses Projekt 35 Interessenten gemeldet, allerdings können für 2013 und 2014 nur 20 Standorte aufgenommen werden. Statistisches Landesamt und KVJS befürworteten die Teilnahme der Stadt Sulz, berichtete Andreas Reuter vom Kommunalverband für Jugend und Soziales. Zusammen mit Stadtplaner Frieder Hartung stellte er dem Gemeinderat das Managementverfahren vor.

Eines der Ziele ist die Erarbeitung und Umsetzung eines kommunalen Konzepts zur Bewältigung des demografischen und gesellschaftlichen Wandels. Die Bevölkerung geht zurück. Es ist ein Bildungswanderung in die Ballungsräumen festzustellen, und überhaupt verändern sich die Lebensformen. Der Anteil der klassischen Familie in Baden-Württemberg liegt gerade noch bei knapp einem Viertel und ist damit fast gleich hoch wie der von Elternpaaren ohne Kinder. 18,5 Prozent der Männer und 22,1 Prozent der Frauen sind in Baden-Württemberg der Statistik zufolge alleinstehend. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen soll mit Beteiligung und der Zusammenarbeit von Gemeinderat, Verwaltung, Bürgern und Wirtschaft – in Sulz denkt man da an den HGV – eine Strategie entwickelt werden. Geplant ist die Bildung eines "Demografieteams", deren örtlichen Mitglieder qualifiziert und, so der ausdrückliche Wunsch der Stadt, auch extern begleitet werden. Es geht, so Bürgermeister Gerd Hieber, vor allem um die Umsetzung des Strategiepapiers des Büros Pesch und Partner. Doppelungen durch das Managementverfahren sollten jedoch vermieden werden.

Wenn sich Daimler in Sulz angesiedelt hätte, "bräuchten wir das nicht", stellte CDU-Stadtrat Tobias Nübel fest. Klaus Schätzle (SPD) stimmte zu. Ohne zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze könne man den jährlichen Abfluss von 600 Menschen aus Sulz nicht stoppen. "Allein mit dem Managementverfahren halten wir den Prozess nicht auf", meinte er. Lutz Strobel (CDU) hält die Kosten von 10.000 Euro für die Beteiligung am Managementverfahren für "rausgeschmissenes Geld". Martin Frey (GAL) fand, dass ein "gut geführtes Unternehmen kein Managementverfahren von außen braucht". Er und Strobel lehnten denn auch die Beteiligung daran ab.

"Ich sehe es anders", sagte Dieter Kopp (CDU). Das Verfahren sei eine Grundlage für Finanzierungsmöglichkeiten über Fördermittel. Zudem könnten Netzwerke genutzt werden.

Die Auftaktveranstaltung für die "Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune" mit verschiedenen Referaten ist am 16. Juli im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.

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