Hermann-Joseph Speier ist seit 40 Jahren Galerist. Bei der Jubiläumsausstellung der "Schwarzen Treppe" in Haigerloch zeigt er unter anderem Bilder der Künstlerin Gisela Glucker aus Tübingen (im Hintergrund). Foto: Steinmetz Foto: Schwarzwälder-Bote

Der Fischinger Hermann-Joseph Speier hat vor 40 Jahren die "Schwarze Treppe" in Haigerloch eröffnet

Von Marzell Steinmetz

Sulz-Fischingen/Haigerloch. Mit 14 sang Hermann-Joseph Speier im Fischinger Kirchenchor. Er sagte als Schüler gern Gedichte auf und spielte im Holzschopf Kasperletheater. "Wenn ich erwachsen bin, kommt ein Theäterle in mein Haus", nahm er sich vor.

Viele Jahre später kaufte er sich in der Haigerlocher Oberstadt gegenüber der Anna-Kirche ein altes Bauernhaus. Zwar richtete er dort keine Kleinkunstbühne ein, wie er es sich mal vorgestellt hatte, dafür aber eine Galerie mit dem Namen "Die Schwarze Treppe" (diese gibt es tatsächlich in dem Haus). Er baute die Kellerräume, in dem ursprünglich mal Ziegen ihren Stall hatten, aus, und zeigte in einer Ausstellung als erstes die naiven Bilder des Haigerlocher Künstlers Karl Hurm. Das war am 9. Dezember 1972. Weitere insgesamt 123 Ausstellungen mit verschiedenen Künstlern folgten.

Speier, der in Fischingen die der Volksschule besucht hatte, war zuerst Bundesbahnbeamter, später bei der Stadt Haigerloch Stadtkassenleiter und Kulturamtsleiter. Das war sein Brotberuf, die Galerie führte er nichtsdestoweniger professionell – als Autodidakt.

Die naive Malerei hatte es ihm angetan, die Bilder Hurms begeisterten ihn. Für die Fernsehsendung "Die Montagsmaler", die solche Bilder benötigte, war er in den 1970-er Jahren zeitweise Hauptlieferant. Die naive Malerei hatte Hochkonjunktur, und deshalb wollte sich Speier ursprünglich ganz auf diese Kunstrichtung konzentrieren. Er hat aber erkannt, dass die Spezialisierung zwar in Großstädten durchaus üblich ist, aber für eine Kleinstadt keinen Sinn macht. "In Haigerloch wäre es ein Irrweg gewesen", sagt Speier rückblickend.

Dass jemand vor 40 Jahren den Mut fand, auf dem flachen Land eine Galerie zu eröffnen, war, so Speier, eine "Sensation". In Haigerloch war es auch die einzige weit und breit. Sie entwickelte sich zu einem Selbstläufer: "Wir brauchten nicht nach Künstlern zu suchen. Sie kamen alle von allein", erzählt Speier, der sich mit seiner Einrichtung nicht zuletzt als "Kunstförderer" verstand. Einem Prinzip ist der 72-jährige Galerist dabei bis heute treu geblieben: Er fragt nicht nach der Ausbildung der Künstler, und richtet sich auch nicht danach, ob eine Kunstrichtung gerade "en vogue" ist. "Die Kunst muss mir gefallen", ist sein einziges Kriterium. Wenn am morgigen Samstag in der "Schwarzen Treppe" anlässlich des 40-jährigen Bestehens die Jubiläumsausstellung "10 x 4 =40" eröffnet wird, kann der Besucher von gegenständlichen Blumenbildern, der naiven Malerei bis zu surrealen Ab­straktionen die ganze Bandbreite künstlerischen Schaffens sehen.

Seinem Heimatort Fischingen blieb Speier immer verbunden. Er hatte sich dort unter anderem für den Erhalt der Burgruine Wehrstein eingesetzt. Seit 2001 ist er in Fischingen der Vorsitzende des Kirchlichen Baufördervereins. Dieser hatte sich übrigens als erster bei der Stadt mit einer Veranstaltung für die Heimattage 2013 im Neckarerlebnistal gemeldet. Geplant ist vom 6. bis 28. April kommenden Jahres im katholischen Gemeindehaus die Kunstausstellung "Heimat im Neckarerlebnistal en miniature". Insgesamt 40 Künstler können ausstellen, 33 hätten schon zugesagt, teilt Speier mit.

Weitere Informationen: Die Ausstellung in der "Schwarzen Treppe" mit zehn Künstlern wird am Samstag, 6. Oktober, um 17 Uhr eröffnet und dauert bis 28. Oktober. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.