Ein Ei im Nest der Schwanenküken muss noch ausgebrütet werden. Foto: Steinmetz

Küken sind vielen Gefahren ausgesetzt. Problematischer Nistplatz am steilen Neckarufer.

Sulz - Das Sulzer Schwanenpaar hat Nachwuchs bekommen. Sieben Küken sind geschlüpft, das letzte am Montagabend. Ein weiteres Ei liegt noch im Nest.

"Nicht alle werden durchkommen", ist Tierärztin Anne von Stromberg realistisch. Dort, wo die Schwäne jetzt ihr Nest haben, ist kein guter Platz. Die erwachsenen Schwäne haben zwar kein Problem, den steilen Hang mit ausgebreiteten Flügeln hochzuklettern. Doch die Jungen schaffen das nicht. Hegeringleiter Ludwig Schrägle, amtlicher Naturschutzwart, hat deshalb eine Art Rampe aus Holz gebaut. Die drei ältesten Küken nehmen diese Rutsche bereits an, die jüngeren sind noch etwas zu schwach dafür. "Das wird sich in ein paar Tagen ändern", glaubt Anne von Stromberg.

Ein wachsames Auge auf die Schwäne und ihren Nachwuchs haben Doreen Schmidt und ihr Mann Matthias Braun. Die Altschwäne haben sich an sie gewöhnt. Ihnen sollte man aber nicht zu nahe kommen. Der männliche Schwan ist aggressiv. Er kann beißen und heftige Hiebe mit den Flügeln austeilen, weiß die Holzhauser Tierärztin.

Matthias Braun hat kürzlich vier auf dem Neckar schwimmende Jungen mit einem Kescher aus dem Wasser gefischt und wieder ins Nest, das sich am Ufer hinter seinem Haus befindet, gelegt. Von allein, so Doreen Schmidt, hätten sie das nicht geschafft.

Schwäne sind stur

Idealer wäre es gewesen, wenn die Schwäne am unteren Wehr ihr Nest gebaut hätten. "Dorthin wollten wir sie locken", erklärt Anne von Stromberg. Aber ohne Erfolg: Die Schwäne hatten sich darauf festgelegt, weiter oberhalb ihr Nest zu bauen. Einen anderen Platz wollten sie nicht annehmen: "Sie sind echt stur", stellt die Tierärztin fest.

In den vergangenen drei Jahren haben sich bei den Schwänen regelrechte Dramen abgespielt. Im ersten Jahr brachten die Schwäne ein Junges durch. Als es groß genug war, haben die Eltern es im Frühjahr vertrieben. Der Jungschwan verletzte sich an der Fischtreppe am oberen Wuhr und ist von einem Fuchs gerissen worden.

2018 nisteten die Sulzer Schwäne erneut, aber ausgerechnet im Schindergraben, der bei starkem Regen Hochwasser führen kann. Dort waren sie den ständigen Blicken von Passanten und Besuchern ausgesetzt. Als dann das befürchtete Hochwasser kam, ist der Nachwuchs zugrunde gegangen. Im vergangen Jahr holte sich ein Marder alle sechs Schwanenküken.

Enten in Nachbarschaft

Dieser ist nicht der einzige Räuber. Ludwig Schrägle hat bereits eine Ratte in der Nähe des neuen Nests gesehen. Auch ein hungriger Fuchs kann eine Gefahr für die Jungvögel sein. Er scheut sich nicht, in Häusernähe zu kommen, wie Doreen Schmidt bestätigt.

Schrägle ist überzeugt, dass sich der Marder nicht heran traut, wenn beide Schwäne die Jungen bewachen. Das ist nicht immer der Fall. Die Rampe ist auch für Gefahrensituationen gedacht, damit die Küken schnell ins Wasser gelangen können.

Dass die Holzkonstruktion ein bequemer Weg vom Wasser nach oben aufs Trockene ist, das hat ein Entenpärchen begriffen. Sie watscheln gemächlich an dem Nest vorbei. Vater Schwan dagegen verschmäht den Laufsteg noch. Die Nachbarschaft von Enten stört ihn jedoch nicht.

Füttern verboten

So gern Spaziergänger die Schwäne füttern: Es ist eigentlich verboten. An zugeworfenem Brot und Kuchen könnten die Küken sterben, warnt Anne von Stromberg. Wenn doch gefüttert werde, dann mit Getreide- oder getrockneten Maiskörnern.

Ludwig Schrägle hat vor dem Nest einen Palettenzaun aufgestellt. Er will hier noch einen weiteren Sichtschutz anbringen, damit die Schwäne mehr Ruhe haben.

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