Paul T. Müller (Mitte) erläutert die einstigen Funktionen des Römerkellers. Foto: Huber Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Führung mit Paul T. Müller durch das Museum / Zwei Archäologinnen bewerten mitgebrachte Funde

Sulz. Am Schnittpunkt von zwei Römerstraßen entstand um etwa 74 nach Christus ein römisches Kastell. In der naheliegenden dörflichen Siedlung wurde ein Keller entdeckt, der als Museum eingerichtet wurde. Der Heimat- und Kulturverein Sulz hatte zusammen mit dem Verein Römerstraße Neckar-Alb-Aare für den Sonntagnachmittag in das Römerkeller Museum auf Kastell eingeladen. Christine Frank, die Geschäftsführerin des Vereins Römerstraße Neckar-Alb-Aare, gab einen kurzen Überblick über die Römerstraßen im Südwesten Deutschlands und der angrenzenden Schweiz. Hervorzuheben sind drei wichtigen Strecken. Eine davon ist die Neckar-Alb-Strecke, die von Köngen nach Rottweil führt. Dort teilt sie sich in die Route Neckar-Aare von Rottweil bis ins schweizerische Frauenfeld und in die Route Neckar-Hochrhein von Rottweil bis nach Windisch in der Nähe von Brugg in der Schweiz.

 

Paul T. Müller vom Heimat- und Kulturverein Sulz informierte die Besucher über die Entstehung des Kohortenkastells, das der Sulzer Wohnsiedlung seinen Namen gab. Etwa 74 nach Christus entstand auf der südlichen Hochfläche von Sulz ein römisches Kastell, das später in Richtung Nordosten erweitert wurde. Im Zuge der Bebauung des Wohngebiets wurden bei Ausgrabungen die Funde dokumentiert. Danach wurde das Areal wieder aufgefüllt und eine Streuobstwiese angelegt.

Das Kastell gehört zu den wenigen nicht überbauten Anlagen seiner Art in Baden-Württemberg. Es kann zu weiteren Erforschungen jederzeit wieder freigelegt werden.

Neben dem militärisch genutzten Kastell entstand danach auch eine dörfliche Siedlung (vicus) an der Kreuzung zweier wichtiger Römerstraßen. Über Fischingen führte eine der Strecken in Richtung Rottenburg und die andere über Weiden in den Schwarzwald. Die Lage hoch über dem Neckartal war ein strategisch guter Ort. Auf den Römerstraßen wurden Güter transportiert. Deswegen ließen sich dort auch Handwerker und Kaufleute nieder. Die Präsenz des Militärs war ein weiterer Grund, warum sich Siedlungen bildeten. Das Kastell wurde aber schon bald nach seiner Gründung wieder aufgegeben, während sich in der Siedlung im Lauf der Zeit geschäftiges und blühendes Leben entwickelte.

Im offengelegten Keller hinter dem Wohngebiet, der heute als Museum dient, geben die Wandmalereien den Historikern Rätsel auf. In den meisten Keller aus der Römerzeit gibt es diese nicht. Ebenso sind die in den Wänden eingebauten Nischen nicht üblich. Bei den Ausgrabungen wurden auch Figuren gefunden, die eine Besonderheit darstellen. Die im Museum ausgestellten Nachbildungen zeigen den Gott Merkur zusammen mit der keltischen Göttin Rosmerta. Merkur war der Gott des Handels und Verkehrs, Rosmerta die Göttin des Wohlstandes. Ein weiteres Steinrelief zeigt die keltische Pferdebeschützerin Epona. Vermutlich hatten sich hier Kelten aus dem römischen Reich niedergelassen. Diese Funde deuten auf die wichtige Rolle der Siedlung im Handel und dem Verkehr an der Römerstraße hin. Zum Abschluss seiner Ausführungen stellte Müller dar, wie der Heimat- und Kulturverein einen Besuch im Museum attraktiver machen möchte. Künftig sollen Nachbildungen von Gebrauchsgegenständen nicht nur in der Vitrine betrachtet, sondern auch angefasst werden können. Eine Obstschale, eine Öllampe und ein Spielwürfel aus Ton sollen den Anfang machen.

Neben dem Eingang zum Museum hatten Martina Meyr, die Leiterin der städtischen Museen Rottweil, und Dorothee Ade, Archäologin aus Rottenburg, einen Tisch aufgebaut, an dem sie die von Besuchern mitgebrachten Funde bestimmten. Der Fischinger Rolf Kreher hatte einen Teil eines Dreibeintopfes mitgebracht, das er in der Nähe von Fischingen gefunden hat. Die beiden Archäologen schätzten, dass der Topf im 15. bis 16. Jahrhundert hergestellt wurde.