Sigrid Maute (links) begeistert mit ihren schwäbischen Märchen. Foto: Vögele Foto: Schwarzwälder-Bote

Märchen: Erzählerin beim Kulturtreff "Kunst und Kalorien" von Waltraud Hopf

Von Ingrid Vögele

Sulz. "Es war einmal...": So fing ein märchenhafter Nachmittag für die Frauen an, die der Einladung von Waltraud Hopf gefolgt waren. Nicht nur eine märchenhafte Kaffeetafel mit Motiven aus den Erzählungen der Gebrüder Grimm erwartete sie, sogar eine echte Märchenerzählerin empfing die Gäste. Es war Sigrid Maute aus Balingen, die die Frauen gleich ins Zwergenreich entführte. War man schon von den Worten gefangen, so tat das Ambiente ein Übriges. Man saß im "Lädle". Eingebettet in die kunsthandwerklich schönen Gebrauchsgegenstände, stahlen hin und wieder schrullige Zwerge im Raum die Aufmerksamkeit der Lauschenden, denn die Erzählung "Der Zwerg und das Bierfass" handelte ja von ihnen.

Von einer angenehmen und warmen Stimme, mal beschwörend leise, lebhaft und fröhlich, angstvoll vibrierend, verhalten einen Schrei ausstoßend, bösartig oder freundlich offen, ließen sich die Zuhörerinnen gerne in eine andere Welt hineinversetzen. Erinnerungen wurden wach, Bilder entstanden, man lebte mit, zumal Sigrid Maute vollständig in die einzelnen Rollen geschlüpft war und die Figuren durch Mimik, Gestik, Verständnispausen und Körpersprache zum Leben erweckte.

Man sah förmlich den Adler, erschrak selber oder lachte herzhaft mit, besonders bei dem Märchen aus Jamaika "Klug und dumm", bei dem ein Mann alle Weisheit der Welt in einem Kürbis zu sammeln versuchte. Leider lässt er ihn fallen und die Weisheit versickert im Boden. Aber: "Wenn wir Glück haben, ist noch etwas im Kürbiskuchen, den wir zum Kaffee haben", ergänzte Waltraud Hopf scherzhaft.

Natürlich kam die Unterhaltung nicht zu kurz. Man hörte gerne zu, wenn Sigrid Maute von ihren Erlebnissen berichtete, besonders bei spontanen Erzählungen zu bestimmten Anlässen und staunte nicht schlecht über ihr Repertoire von 110 Märchen, von denen sie jederzeit 60 erzählen könnte. "Schneeweißchen und Rosenrot", 22 Minuten lang, die man gar nicht wahrnahm, leitete über zu Herzhaftem, entsprechend dem Degustierangebot. Der schwäbische Froschkönig oder "Die Brautschau" in Mundart riet, "guck den Mädle net in d’Auge, sondern in den Biomüll, dort werdet ihr sehen, ob sie wirtschaften kann", und ernteten herzhaftes Gelächter. "Kunst und Kalorien": ein wahrlich treffendes Thema für diesen gelungenen Nachmittag.

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